| | Kommentieren

Schönes Paar / Rettung vom Himalya: Weltenbummler Philipp und Mischlingshündin Tiksa

von Florian Barz und Katharina Dubno (Fotos):

Sie lernten sich im Himalaya kennen, am Fuße des Mount Everest. Er war auf Weltreise, sie verletzt und herrenlos. Kurzerhand blieb sie bei ihm und begleitete ihn tausende Kilometer auf dem Weg Richtung Europa. Inzwischen sind Mischlingshündin Tiksa und der Mainzer Student Philipp zurück in Mainz und ein unzertrennliches Paar.

Von Australien nach Mainz – in einem Geländewagen. Diesen verrückten Traum setzte Philipp Thiele (24 Jahre) 2015 in die Tat um. Bereits nach dem Abi reiste er nach Australien. Hier jobbte er auf Baustellen und in Bars, oft neunzig Stunden die Woche, um Geld für die Rückreise zu sparen. Nach drei Jahren hatte er die anvisierten 30.000 Euro zusammen, kaufte sich davon einen alten Toyota Land Cruiser und begann in Sydney seine Weltreise.

Er durchquerte zuerst halb Australien und verschiffte seinen Geländewagen anschließend nach Osttimor bei Indonesien. Von dort ging es zumeist auf dem Landweg weiter durch Indonesien, Thailand, Nepal – insgesamt durch 29 Länder. Allein war er dabei selten. Regelmäßig sammelte Philipp unterwegs Mitfahrer auf: Einheimische, Backpacker, sogar Polizisten fuhren in seinem Land Cruiser mit. Manche nur ein paar Kilometer, andere begleiteten ihn wochenlang und wurden zu Freunden. Eine Beifahrerin blieb bis sogar zum Ziel in Mainz bei ihm: Mischlings-hündin Tiksa.

Illegale Ausreise

Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick, als Philipp die Hündin beim Wandern im Himalaya fand: „Erst wollte ich sie gar nicht anfassen, weil sie so jämmerlich aussah“, erinnert er sich. Tiksa, damals noch ein Welpe, war schwer am Bein verletzt. Sie humpelte, das Fell war vernarbt – ein zerzauster Knäuel Hund. Doch weit und breit war kein Besitzer in Sicht und Philipp brachte es nicht übers Herz, sie zurückzulassen: „Das wäre ihr sicherer Tod gewesen. Niemand hätte sich um sie gekümmert. In Nepal sind Hunde so viel wert wie Ratten.“ Kurzerhand trug er die verletzte Hündin durch die Berge, zehn Tage lang – bis hinauf zum Basecamp am Mount Everest.

Er taufte sie Tiksa, abgeleitet von „Tick-Cha“, nepali für „alles okay“. Weil Hunde an nepalesischen Flughäfen verboten sind, bestach Philipp einen Helikopter-Piloten, damit er die beiden in die Hauptstadt Kathmandu flog. Dort holte ihn ein Krankenwagen auf dem Rollfeld ab: „Ich habe so getan, als sei ich ein Bergsteiger mit Höhenkrankheit. Das war die einzige Möglichkeit, Tiksa aus dem Flughafen herauszuschmuggeln, denn in den Krankentransporten durchsuchen sie deine Taschen nicht.“ 400 Euro hat Philipp die Bestechung gekostet, hinzu kamen 300 Euro für Impfungen und Papiere, die er auf halb illegalen Wegen für die Hündin organisierte. Die Investition hat er aber nie bereut. Tiksa wich für den Rest der Reise nicht mehr von Philipps Seite.

Pudelwohl in Mainz

Im Oktober 2016 kamen die beiden nach fast einem Jahr Reise und 45.000 zurückgelegten Kilometern in Mainz an. Tiksa, inzwischen eineinhalb und ausgewachsen, fühlt sich pudelwohl in ihrem neuen Zuhause in der Neustadt: „Sie hat sich perfekt integriert“, sagt Philipp mit einem Augenzwinkern. Die beiden kommen super miteinander aus. Tiksa ist liebenswürdig und ein aufgeweckter Hund, der so gut wie nie bellt. Am liebsten gehen sie am Rhein spazieren. Tiksa humpelt immer noch stark, die alte Verletzung wird sie ihr ganzes Leben lang beeinträchtigen. Das hindert sie aber nicht daran, neugierig die Gegend zu erkunden, Kaninchen zu jagen und mit anderen Hunden herumzutollen.

Kinder mag sie besonders gerne: „Die Grundschüler begrüßt sie mittags immer mit einem freundlichen Knurren“, erzählt Philipp, der auch froh ist, nach seiner langen Zeit im Ausland wieder zurück zu sein: „Es tut uns beiden gut, mal zur Ruhe zu kommen, ein bisschen Kontinuität ins Leben zu kriegen. Auf einer solchen Reise begegnest du ständig neuen Menschen, die dich auch bald wieder verlassen. Hier in Mainz habe ich Freunde und Familie endlich mal dauerhaft um mich.“ Mainz sei ohnehin die perfekte Stadt für ihn und Tiksa, nicht zu groß, übersichtlich und grün. „Genau richtig eben“. Wer Tiksa einen Besuch abstatten möchte, sollte im Modeladen „Serendipity“ in der Neubrunnenstraße vorbeischauen. Dort verbringt Tiksa oft ihre Nachmittage bei einer guten Freundin, wenn Philipp arbeitet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.