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2×5 Interview zum Luftschloss mit Moritz Eisenach (Chef Musikmaschine)

Was ist die Musikmaschine eigentlich? Was macht ihr da?

Musikmaschine ist eine Künstleragentur für Booking, Promo und Events. Wir machen Künstlervermittlung, Werbung für Künstler und vor allem organisieren wir Veranstaltungen. Was das Genre angeht, sind wir zurzeit stark Richtung Indie und Elektro orientiert. Unsere neuste Entdeckung heißt „Von Flocken“ aus Berlin, die machen so eine Art Elektro-Chanson. Oder „Acht Zu Eins“, die nennen ihre sehr coole Musik „Mojo Surf Rap“. Dann ist da noch „TripAdLib“, die spielen „Echtzeit-Elektro“, und viele mehr. 

Hinter welchen Events steckt ihr? 

Da gibt es zum Beispiel das Kassettendeck, das ist eine regelmäßige Konzertreihe, die an wechselnden Orten stattfindet, im Staatstheater, im Gebaeude27 und momentan auf der Planke Nord. Weil das Gebaeude27 schließen muss, suchen wir für Herbst noch eine schöne neue Lokation. Generell organisieren wir eher kulturelle, alternative Veranstaltungen, die im öffentlichen Raum stattfinden, wie zuletzt das Neutorfest in der Altstadt, das Neubrunnenfest oder das Hafenklang Festival. Wir organisieren viel selbst, aber man kann uns auch für einen Event buchen.

Ihr habt auch schon das AStA-Sommerfest organisiert. Das findet dieses Jahr leider nicht statt. Stattdessen macht ihr jetzt das Luftschloss. Wie kommt’s? 

Der AStA hat viele Probleme entdeckt und dann entschieden, dass das Ganze derzeit nicht umsetzbar ist. Wir hätten es gerne wieder gemacht, aber da war nichts mehr zu machen. Schade ist es natürlich vor allem für die Studierenden, die nun kein Sommerfest haben. Deswegen haben wir uns mit der Halle 45 zusammengetan, um ein Ersatz-Festival am 15. Juli auf die Beine zu stellen – das Luftschloss Sommerfest. Mit viel Livemusik, aber auch Action wie ein Skateboardparcour, eine Lasertag-Area, Schwarzlichtminigolf, Weinausschank, Essenstände, Varieté- Bühne und Aftershow-Party. Das wird ein buntes Programm von 15 Uhr bis in den nächsten Morgen. Der Eintritt ist frei. Die Gäste helfen aber durch den Kauf eines Festivalbechers bei der Finanzierung.

Wird es auch das Gartenfeldplatzfest in der Neustadt bald wieder geben? 

Das Problem hier war wie so oft die Lautstärke-Belastung für die Anwohner. Es wurden einfach zu viele Gäste, sodass dort kein Stadtteilfest mehr steigen kann. Allerdings braucht die Neustadt so ein schönes Fest, und das ist die nächste Lücke, die es zu füllen gilt. Wir versuchen für nächstes Jahr in Verbindung mit dem Ortsbeirat eine Lösung zu finden. Im Winter gibt es schonmal unseren „Wintermarkt“ auf dem Frauenlobplatz. Den wollen wir auch dieses Jahr wieder veranstalten.

Habt ihr noch weitere Ideen für die Zukunft? 

Mein Traum ist, dass das Luftschloss-Fest sich etabliert und jedes Jahr stattfinden kann. Ich glaube das könnte eine Konstante in der Veranstaltungslandschaft werden. Das war zuerst nur eine fixe Idee, ein Hirngespinst, das jetzt in die Realität umgesetzt wird. Wenn es nach mir geht, soll es sich von der Gestaltung her noch mehr in Richtung Festival entwickeln.

Mensch

Woher kommst du eigentlich? Bist du echter Mainzer? 

Ich bin Wahl-Mainzer. Vorher habe ich im Taunus gelebt, dann Frankfurt, Darmstadt, Hannover und Wiesbaden. 2001 bin ich wegen meines Studiums in Mainz gelandet: Publizistik, Musikwissenschaften und Volkskunde. Ich war danach Journalist und gleichzeitig Künstler-Vermittler. Irgendwann musste ich mich entscheiden. Ich habe mich dann für die Leidenschaft entschieden.

Du hast vor dem Studium noch eine Ausbildung gemacht? 

Genau, zum Zimmerer. Das war eine etwas romantische Idee mit der Gesellen-Wanderschaft und auch die Schlaghose hat mir gut gefallen. Dann wurde ich aber schnell mit der Realität konfrontiert: Auf einer Baustelle zu arbeiten hat nicht viel mit Romantik zu tun. Das war zwar auch schön, aber in der Regel harte körperliche Arbeit, viel schleppen und sich placken. Ich habe es trotzdem fertig gemacht und bin danach an die Uni.

Du bist jetzt verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Wie ist das für dich? 

Das Vatersein ist das Schönste und auch das Anstrengendste zugleich, dass ich in meinem Leben bisher erlebt habe. Eine eigene Familie zu haben ist eine Konstante im Leben, die einem Sicherheit und viel Glück gibt. Ich hätte vielleicht früher Vater werden sollen, dann hat man nicht so schnell Rückenschmerzen (lacht).

Machst du auch noch selbst Musik? 

Leider nicht. Ich spiele meiner Tochter gerne Gitarre vor und sie spielt auch manchmal schon mit, indem sie darauf rum haut. Aber ich würde mich nicht als Musiker bezeichnen, sondern als Dilettant mit ein bisschen Fleiß. Früher habe ich beim Rattlesnake Orchestra gespielt, aber das haben wir auch alle mehr zum Spaß gemacht. Das war eine schöne Zeit, und es hilft mir in meinem jetzigen Beruf, Konzerte von der anderen Seite aus erlebt zu haben: Zu wissen was sich eine Band von ihrem Veranstalter wünscht, wie Gagen-Verhandlungen funktionieren und welche Fragen geklärt werden müssen.

Was gefällt dir an Mainz und was nicht? 

Die Leute hier sind nett und offen und kommen auf einen zu. Mainz ist groß genug, um eine Stadt zu sein und klein genug, um nicht anonym zu sein. Man trifft immer wieder jemanden, den man kennt und mit dem man sich nett unterhalten kann. Mainz hat auch einige Angebote für junge Leute, es gibt Ausgehmöglichkeiten und kreative Läden. Ich finde nur, dass es von der politischen Seite aus manchmal mehr als nur schöne Worte bräuchte. Da könnte man in der Kulturpolitik und auch in der Kreativwirtschaft schon viel weiter sein. Wenn man sich Mannheim oder Dresden anschaut, da gibt es eine mit der Politik verknüpfte, gut strukturierte Szene, die viel stärker ist als unsere. Das ist hier zwar angedacht und ich kenne auch Leute in der Stadtpolitik, die über solche Themen sprechen, doch alle Projekte sind noch im Ideenstadium und werden nicht ausreichend konkretisiert.

Interview David Gutsche Foto Jana Kay

 

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