
Viele Menschen möchten sich für eine gute Sache einsetzen – doch oft bleibt es bei dem Vorsatz. Denn wo soll man überhaupt anfangen? In einer Welt voller Krisen und Hilfsbedürftigkeit fällt es schwer zu entscheiden, welchem Zweck man seine Zeit und Energie widmen soll. Wahl-Mainzerin Daniela Ernst hat diese Frage für sich anders beantwortet. Statt zu zögern, hat sie gehandelt – und in Kenia eine eigene Hilfsorganisation gegründet. Wie aus einer Lebenskrise eine Lebensaufgabe wurde.
Wir treffen Daniela in Mainz-Bretzenheim. Hier wohnt sie in einem kleinen WG-Zimmer: Bett, Tisch, Schrank, Regal. Sporadisch eingerichtet, ohne viel Deko, aber genug für vier Monate. Vier Monate wohnt sie in Mainz, acht in Afrika und das jedes Jahr. Den Großteil des Jahrs lebt sie an der Küste Kenias, in der Nähe von Mombasa. Wenn Daniela Ernst von ihrer Tätigkeit in Kenia erzählt, leuchten ihre Augen. Danielas Afrika ist „ihr Herzensprojekt“.
Von Mainz nach Mombasa
Vor über zwanzig Jahren begann alles mit einer Lebenskrise. Daniela nimmt sich eine Auszeit, fliegt nach Kenia – neun Wochen, um zur Ruhe zu kommen. Sie arbeitet in einem Tierheim, lernt Englisch, entdeckt eine Welt, die sie nicht mehr loslässt.
Diese Erfahrung, sagt sie, habe ihr Leben auf den Kopf gestellt. Damals arbeitete sie noch im telefonischen Kundendienst, hörte täglich Beschwerden über kleine Ärgernisse – falsche Post, verweigerte Zahnpasta-Erstattungen. „Ich konnte das nicht mehr. Ich habe gemerkt, wie leer sich das anfühlt, wenn man daneben sieht, wie Menschen um das Nötigste kämpfen. Wir schätzen hier so vieles nicht mehr wert.“ Wenige Monate später kündigt sie ihren Job in Deutschland und bleibt ein Jahr in Kenia. Es folgen Jahre der Suche, bis sie 2009 zufällig eine kleine Schule in Bombolulu entdeckt. Sie beginnt, Spenden zu sammeln, organisiert Patenschaften. Zwei Jahre später entsteht daraus ihr eigenes Projekt: Danielas Afrika.
Ein Projekt, das wächst
Heute unterstützt sie rund 40 Kinder und Jugendliche mit Schulpatenschaften – doch dabei ist es nicht geblieben. Durch Spenden hilft Daniela alten Menschen, finanziert Operationen und rettet Tiere. Auf ihrem Grundstück in Mtepeni, das sie liebevoll „das Paradies“ nennt, leben inzwischen 15 Hunde, 20 Katzen, Ziegen, Esel und Enten. 14 Angestellte verdienen dort durch das Projekt ihren Lebensunterhalt. „Das alles ist mein Baby“, sagt sie, „ich kann selbst entscheiden, wen ich unterstütze und wie.“

Eine der Geschichten, die sie besonders geprägt haben, ist die von Elena: Ein vierjähriges Mädchen, dessen Foto Daniela vor zwei Jahren von einem kenianischen Freund erhielt. Die große Geschwulst an Elenas Lippe hätte die Familie niemals behandeln lassen können. Daniela traf die Familie und entschied: Sie hilft.
„Ich hatte Spendengelder in Höhe von 1.700 Euro angefragt, die Resonanz hat mich aber überwältigt. Ich konnte über zehntausend Euro sammeln und seit zwei Jahren haben wir damit alle Operationen bezahlt.“ Heute geht Elena zur Schule, spielt wieder, hat eine Zukunft.
Mainzer Community bleibt wichtig
Trotz ihres Engagements in Kenia will Daniela Deutschland nicht den Rücken kehren. „Ich dachte früher, ich müsste auswandern. Das sehe ich heute anders.“ Ihre Community in Mainz gibt ihr Halt – macht den Abschied aber auch schwer. Daniela spricht offen über Einsamkeit, besonders in Kenia. Dennoch: Der Flug zurück ist längst gebucht.
Das Leben zwischen zwei Welten ist anstrengend. Freundschaften müssen gepflegt werden, und doch verliert sich jeder schnell im Alltag. „Wenn ich nächste Woche im Flieger sitze, hört man erstmal wenig. Das ist normal, jeder lebt sein Leben weiter. Und wenn ich nach acht Monaten zurückkomme, ist es erstmal wieder Beziehungsarbeit“, erzählt sie.
Warum Daniela nicht aufhört
Was sie antreibt? Mitgefühl. „Es ist nicht immer paradiesisch. Es ist anstrengend, es ist eine andere Kultur. Aber ich habe großes Mitgefühl dafür, wie die Menschen dort leben und wie wenig Möglichkeiten sie haben.“ Danielas Afrika ist kein großes Hilfswerk, sondern ein gewachsenes Herzensprojekt – direkt, persönlich, nah. Daniela weiß, dass sie nicht alles verändern kann und dass sich vieles systemisch ändern müsste. „Die Menschen in Kenia müssen mehr von ihrer Regierung gesehen werden, Kinder brauchen Bildung, damit sie ihr Leben selbst gestalten können.“ Trotzdem wartet sie nicht ab, denn: „Ein klein wenig ist auch ein Beitrag.“

Mittlerweile ist Daniela wieder in Kenia und setzt sich weiterhin für Menschen und Tiere ein. Wer ihr Projekt direkt unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende tun:
Banküberweisung:
Daniela Ernst
IBAN: DE86 5109 0000 0004 2846 07, BIC: WIBADE5W
Ab 301 € kann eine Spendenquittung ausgestellt werden. Bitte vorher Kontakt aufnehmen.
PayPal:
daniela-ernst@web.de
Text: Katarina Bergmann
Hallo Daniela,
bist du auch an Unterstützung in Form von Mitarbeit interessiert?
Unentgeltlich, Freiwillig, mit Liebe.
Liebe Grüße Angela