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Zukunft Allianzhaus – Gruppe für den Erhalt formiert sich

Foto: Domenic Driessen

Am 23. Mai trafen sich Macher der freien Kulturszene, Kultur, Subkultur und politischer Bildung mit Experten aus den Bereichen Stadtentwicklung und Architektur, um eine Positionierung zur Zukunft des Kulturstandorts Allianzhaus zu erarbeiten. Nach einem Überblick über die bisherigen Bemühungen, wurden Visionen und Wünsche als Input für eine weitere Diskussion präsentiert und gemeinsame Positionen erarbeitet. Auch von politischer Seite haben die Vorsitzenden und einer der Co-Vorsitzenden der SPD Mainz teilgenommen und ihre Unterstützung bekräftigt, einen Vorstandsbeschluss zum Erhalt des Allianzhauses zu fassen und Parteitagsantrag vorzulegen. Die nächste Ideenwerkstatt findet am 21. Juni statt.
Mehr zu den Positionen der Gruppe:

Positionierung der Ideenwerkstatt „Spielraum: Zukunft des Kulturstandorts Allianzhaus“

  1. Das Allianzhaus in seiner heutigen Form bietet durch die große Fläche, Höhe und architektonischen Möglichkeiten, die Innenräume flexibel aufzuteilen, außergewöhnlich viel Platz für eine vielfältige Nutzung durch die freie Kulturszene, Kultur- und Subkulturschaffende.

Wir wollen, dass das Allianzhaus in seiner heutigen Form erhalten bleibt und die einmalige Chance genutzt wird, den Kulturstandort durch eine maximal vielfältige Nutzung weiterzuentwickeln. Hierzu zählen wir insbesondere den Erhalt der organisch gewachsenen Nutzungen in Erd-, Unter- und Zwischengeschoss und auf den Platzflächen für

o Erinnerungs- und Demokratiearbeit

o internationale Kulturbeziehungen und Begegnungen

o Livekonzerte und Clubbetrieb

o Ausstellungen und Veranstaltungen

o Gastronomie

Das Gebäude soll zudem erschlossen werden für eine nicht einzeln herausstechende „Leuchtturmnutzung“, sondern für eine vielfältige Belebung durch

o Probe- und Übungsräume u.a. für Musik, Tanz, Theater

o Ateliers für Kunstschaffende

o Arbeits- und Veranstaltungsräume für politische Bildung und Beteiligung, vor allem für Jugendorganisationen und als Jugendforum

o einen „Makerspace“ / eine offene Werkstatt

o Workspaces für flexibles Arbeiten der ansässigen Nutzungsgruppen

o Stadtteilarbeit

o eine für alle offene Bühne

  1. Insbesondere die bis spät in die Nacht mögliche Belebung des Allianzhauses im Wechselspiel von Innen und Außen ist in der gesamten Mainzer Innenstadt nur dank der heutigen baulichen Situation ohne direkt angrenzende Wohnbebauung und nur an dieser Stelle möglich. Nicht nur für junges Publikum ist es inzwischen der letzte Treffpunkt seiner Art im Nachtleben der Innenstadt.

Wir wollen daher, dass die inzwischen grüne „urbane Oase“ des Allianzhausareals mit seinen guten Wegebeziehungen im Erdgeschoss für alle Mainzer:innen unbedingt erhalten bleibt. Die Plätze des Allianzhauses sollen auch zukünftig genutzt werden, um die im Haus bestehenden und kommenden Aktivitäten nach außen zu tragen, auch weiterhin bis in die Nacht.

Wir wollen, dass durch Erhalt und Weiterentwicklung des Kulturstandorts Allianzhaus als sub-/kultureller Magnet zwischen den umgebenden Stadtteilen unser Mainzer Stadtkern weiterhin und langfristig attraktiv bleibt für alle Menschen aus Mainz und darüber hinaus, auch für junge Menschen.

  1. Die Angebote vieler Akteure der Mainzer Sub-/Kulturszene mit ihren Communities, die oftmals keine dauerhafte Adresse haben bzw. denen droht, ihre Räumlichkeiten zu verlieren, bieten ein enormes Potenzial für den Kulturstandort Allianzhaus. Das gilt sowohl für o.g. vielfältige Bespielung des Hauses als auch für die aus der Erfahrung heraus erwartbar starken Besucher:innenströme   Wir wollen, dass dieses Potenzial der Akteure der Sub-/Kulturszene (vor allem jener ohne dauerhafte Räumlichkeiten) durch den Erhalt des Allianzhauses gesichert und bei der Weiterentwicklung priorisiert wird.
  1. Ein großes sub-/kulturelles Angebot stellt im Wettbewerb von Hochschulstädten wie Mainz mit jungem Publikum einen zentralen Faktor für die Wahl des Lebens-, Ausbildungs- und Arbeitsorts und für die dauerhafte Bindung an diesen Ort dar. In unserer auch sub-/kulturell stark wachsenden Stadt bleibt jedoch der Raum hierfür (trotz Voranschreiten wichtiger kulturnaher Bauprojekte in Randlage) weiterhin notorisch knapp. Die Nachfrage durch Sub- /Kulturschaffende übersteigt selbst bei Realisierung begonnener Projekte bei weitem das Angebot an adäquaten Räumlichkeiten. Die dafür zu leistenden Mieten stellen Sub-/Kulturschaffende (nicht erst seit Corona) zusätzlich vor große Belastungen. Grund dafür sind vor allem rasant steigende Bodenpreise, auch am Allianzhausareal mit seiner Grundstücksfläche von gut 2.900 m² (Bodenrichtwerte je m² in 2014: 1.420 €, 2016: 1.635 €, 2018: 4.140 €, 2020: 4.880 €, 2022: 5.130 €; Steigerung 2014-2022 um 261%). Im Mai 2022 hat die Stadt angekündigt, für Bodenbevorratung stolze 50 Mio. Euro bereitstellen zu wollen.

Wir wollen, dass insbesondere Sub-/Kulturschaffende das Allianzhaus mit seinen Räumlichkeiten weiterhin und zukünftig zu erschwinglichen Preisen nutzen können.

  1. Das Allianzhaus bietet bei einer möglichst vielfältigen Nutzung als Ort der Vernetzung weitere Chancen für eine vibrante sub-/kulturelle Entwicklung von Mainz. Diese Vernetzung ist auch Ziel des von der Stadt vor Jahren angestoßenen Kulturentwicklungsprozesses.

Wir wollen, dass im Allianzhaus neben einer sub-/kulturellen Bespielung durch die vielfältigen Akteure gezielt deren Austausch und Vernetzung gefördert wird. Um die bestehende Aneignung des Standorts durch die Nutzenden weiter zu garantieren, muss das Gebäude erhalten bleiben.

Wir wollen, dass sich bei inklusiven Konzepten unter Berücksichtigung privatwirtschaftlicher Akteure, die zur Kostensenkung weniger finanzstarker Nutzungsgruppen eine wichtige Rolle spielen können, die Auswahl dieser privatwirtschaftlichen Akteure vorrangig danach entscheidet, ob sie eine inhaltliche Passung und Bereicherung für den Kulturstandort und die sub-/kulturellen Nutzenden darstellen.

Räumliche Nutzungsverträglichkeiten (z.B. hinsichtlich Lautstärke) sollen berücksichtigt werden. Wir sehen die Chance eines sub-/kulturellen „Gründungszentrums“.

Wir wollen, dass den Nutzenden und ihren Leistungen für das sub-/kulturelle Wohl unserer Stadt im Allianzhaus mit einer dienenden und ermöglichenden Haltung begegnet wird. Dafür wollen wir, dass die Nutzenden vor Ort im Allianzhaus durch aktive Förderung von Sub-/Kultur und kreativwirtschaftliche Lotsenfunktionen in ihrer Arbeit unterstützt werden. Wir sehen die Möglichkeit einer „Kulturzentrale“, welche die Sub-/Kulturszene und Stadt/Verwaltung zusammenbringt.

  1. Das Allianzhaus gehört seit den frühen 1960er Jahren zu Mainz und ist auch baugeschichtlich für viele Generationen ein identitätsprägender Ort über Alters- und Milieugrenzen hinweg. Als markanter Bau der Nachkriegsmoderne ist er mit seiner sich im Stadtraum zurücknehmenden und Elemente seiner Umgebung aufgreifenden Ästhetik für die Weiterentwicklung in der Nutzung unbedingt erhaltenswert. Beachtlich sind etwa die rücksichtsvolle Sichtbeziehung zu St. Peter, die Materialität, Fassadengestaltung, Aufteilung des Gebäudes und seiner Wegebeziehungen sowie das Wechselspiel mit dem benachbarten Goerz-Bau der heutigen Landesärztekammer in der Petersstraße. Auch Details wie die großen Fensterflächen und die eleganten Tür- und Fensterfassungen im EG sind bis in unsere Zeit erhalten geblieben. Das Allianzhaus hat damit an dieser Stelle über gut 60 Jahre und unterschiedlichste Belegung hinweg bewiesen, dass es für die Mainzer:innen hervorragend funktioniert. Dem Bau gelingt durch die kluge Aufteilung, den raumbildenden Pavillon und die begrünte und erhöhte Brunnenanlage der straßenseitig großen Verkehrs- und Lärmlast optimal zu begegnen: Keine andere solche Kreuzung in der Mainzer Innenstadt wird so durch die Öffentlichkeit als Aufenthaltsraum wertgeschätzt wie am Allianzhaus, das heute auf der Roten Liste des Verbands Deutscher Kunsthistoriker steht. Die Bewahrung des Gebäudes wird auch von lokalen Akteuren aus Städtebau, Stadtentwicklung, Architektur und Baukultur seit langem gefordert.

Wir wollen, dass das Gebäude als markanter Bau der Nachkriegsmoderne im Bestand erhalten und saniert und die gewachsene und hervorragend funktionierende Adressbildung des Kulturstandorts Allianzhaus vom Erdgeschoss in die oberen Etagen übertragen wird.

Wir wollen, dass die großflächigen Fensterfronten im Erdgeschoss mehr von ihrer ursprünglich vorgesehenen Offenheit zurückgewinnen, dabei zugleich die Bedürfnisse einer guten Verschattung für die Nutzenden hinter diesen Fensterfronten gewährleistet wird.

Wir wollen, dass die sub-/kulturelle Nutzung vor der Schaffung von Wohnraum an dieser Stelle priorisiert und schnell geklärt wird, ob bei einer Wohnnutzung innerhalb des Gebäudes oder auf dem Areal oben genannte Nutzungen weiterhin und zukünftig uneingeschränkt garantiert werden können oder nicht.

Wir wollen, dass angesichts der Bedeutung des Allianzhauses als städtebaulicher und architektonischer Zeuge des demokratischen Wiederaufbaus in seinem räumlichen Kontext auch die Gründe für oder gegen einen Denkmalschutz des Gebäudes erneut und mit dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand und gesellschaftlichen Bewusstsein um die Bauepoche erörtert werden.

Soviel zum Positionspapier. Neben dem einhellig abgelehnten Abriss wird insbesondere abgelehnt, am Kulturstandort Allianzhaus eine Nutzung durch Institutionen / Räume zu etablieren, die nicht zwingend auf die für Mainz einmaligen Konditionen der baulichen Lage des Allianzhauses angewiesen sind. So wird die Nutzung für Büroräume (etwa für Start-ups oder Verwaltung), eine Schule, Bibliothek, Wohnungen, Parkplätze, ein Autohaus, Hotel, Einzelhandel, Systemgastronomie oder nicht näher benannte „Investorenprojekte“ als „No Go“ benannt. Auf allgemeiner Zielebene äußern die Beteiligten Sorge und Ablehnung hinsichtlich einer Verkümmerung des Stadtkerns wegen Fehlens eines reichhaltigen Angebots an Sub-/Kultur und mahnen, wirtschaftliche Interessen nicht über Kultur zu stellen.

Wer mitmachen möchte: spielraum@allianzhaus-mainz.de

 

Ein Kommentar “Zukunft Allianzhaus – Gruppe für den Erhalt formiert sich

  1. Die Mainerinnen und Mainzer brauchen so einen großen Ort des Zusammenkommens der nicht von der Kaufkraft der Besucher*innen abhängt sonders von den kulturellem, sozialen und demokratischen Bedürfnissen geprägt ist.
    Dieser einzigartige Ort kann das Allianzhaus werden.
    Dafür sollten wir uns eangagieren.

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