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Voll ins Schwarze: Die Mainzer Spaß-Dartliga-Szene

„Du wirfst einfach und triffst. Zack fertig“, erklärt Ewa mit einer schnellen Handbewegung. „Eine richtige Technik gibt‘s nicht.“ Heute hat es leider trotzdem nicht gereicht. Ihre Dart-Mannschaft, Oculus Tauri (Lateinisch für Bull’s Eye), hat gerade gegen das Bretzenheimer Team „Zum Scharfen Eck“ verloren. „Ärgerlich“, findet Mannschaftskapitänin Ewa. Die Polin sitzt leicht geknickt an der Bar des Good Time im Bleichenviertel und füllt einen Spielbericht aus. „Das ist schon in Ordnung“, grinst Mitspieler Thorsten und nippt gelassen an seinem Bier. Immerhin liegt Bretzenheim derzeit auf dem zweiten Tabellenplatz der B-Liga und Oculus Tauri auf dem vorletzten. Auch der Rest des Teams nimmt die 10:6-Niederlage gefasst. „Meistens verlieren wir 9:7, viel schlechter als gewöhnlich ist das nicht.“

Spielort mit Rocker-Flair

Das Good Time ist eine klassische Rockkneipe: blinkende Spielautomaten an der Wand und grimmige Totenschädel in jeder Ecke. Es wird geraucht und Bier getrunken. Zwei elektronische Dartscheiben nehmen einen prominenten Platz ein. „Die Scheiben hatten wir sowieso schon“, erzählt Ladenbesitzer Sweaty, der mit seinem Gesichtstattoo und schimmernder John Lennon-Brille ins Good Time passt, wie Ewas Pfeil auf Bull’s Eye. „Irgendwann hatte dann einer die Schnapsidee, ein Team fürs Good Time zu gründen.“ Die Idee kam an. Bald zählte Oculus Tauri mehr Spieler als sie einsetzen konnten und es formierte sich eine zweite Mannschaft: „Asgard“ – der Götterhimmel.

Kneipensport seit 17 Jahren

Sweaty ist eher zufällig zum Darten gekommen. Als er vor 17 Jahren das Good Time eröffnete, waren elektronische Dartscheiben der letzte Schrei. „Kaum eine Kneipe hatte das damals“, erinnert er sich. Stattdessen wurde in Nebenräumen gespielt, auf Korkscheiben mit Pfeilen. Dass Dart ein Sport ist, der vorzugsweise in Raucherkneipen gespielt wird, liegt wohl in der Natur der Sache. Unprätentiös, leicht zu verstehen, und dank der weichen Pfeile auch nach dem dritten Bier noch (sicher) spielbar. Trotzdem gehört das Good Time zu den letzten Mainzer Dartkneipen. „Das Rauchverbot hat damals vielen Läden zugesetzt“, weiß Sweaty. Kneipen mit einer Fläche von über 75 qm mussten rauchfrei werden. Einige haben das nicht überlebt. Als weiterer Spielort ist die Bierbumb in der Neustadt geblieben. Und in Bretzenheim und Finthen finden Ligaspiele statt.

Spaßliga unter Profi-Leitung

Das Good Time ist Trainingsort für beide Teams, wobei Sweaty beim Wort „Training“ lachen muss. „Wir spielen halt wenn wir Lust haben. In der A-Liga trainieren sie mindestens einmal pro Woche für vier Stunden. Das wär mir zu stressig.“ Nur zu den Spielen, da sollte man schon da sein, „eine gewisse Zuverlässigkeit gehört dazu“, ergänzt der 52-Jährige. Stammgast Thorsten wurde vor drei Jahren von Ewa rekrutiert. „Sie hatte mich beobachtet und wohl gemerkt, dass ich immer besser werde“, erzählt er. „Dann hat sie mich unter ihre Fittiche genommen.“ Als Trainerin versteht sich Ewa trotzdem nicht, obwohl sie gut ist, eine der Besten bei Oculus Tauri. Ewa entscheidet wer spielt, stellt Auswechselspieler und sorgt dafür, dass alles fair zugeht. Mit ihrem Mann spielt sie außerdem in der Liga des Deutschen Sportautomatenbundes und fährt auf Spiele in ganz Deutschland. „Wenn man da richtig gut ist, kann man es bis zur WM in Las Vegas schaffen“, sagt Ewa. Doch so groß träumt im Good Time niemand. Man versteht sich als Freizeitliga, und das ist gut so.

Zuschauen im Good Time: jeden Montag um 20 Uhr.

Text: Ida Schelenz
Fotos: Domenic Driessen

 

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