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Schöne Paare: Ute Faust und Richard Weber

Wenn Richard Weber einen Raum betritt, so scheint er ihn augenblicklich auszufüllen. Dunkle Augen, ein standhafter, durchdringender Blick: Sein ganzes Wesen ist bestimmend und zielgerichtet. Bei Ute ist es anders: Sie nimmt den Raum in sich auf, ist lebensfroh, offen und geduldig. Am Anfang hat es bei beiden um ein Haar nicht geklappt: Als Ute nach Mainz zieht, nimmt sie Tanzunterricht und verliebt sich dort ausgerechnet in ihren Lehrer.

Es sind seine Tänzer-Waden, die sie verzaubern. Richard merkt davon nichts: „Da glaubt man als Physiodrama- Lehrer alle Emotionen am Körper ablesen zu können, aber ich muss ehrlich sagen, ich habe nichts gemerkt“, gesteht er. Als sie es ihm eröffnet, hat er nur eines dazu zu sagen: „Ute, das mit uns, das wird nie etwas.“ Sie trafen sich weiterhin. Und als mische das Schicksal mit, schließt Ute sich an einem Abend aus ihrer Wohnung aus. Es ist ein Feiertag, ein Schlüsseldienst kommt somit nicht in Frage. Richard bietet ihr also an, auf seiner Couch zu übernachten. Kaum hat sie seine Wohnung betreten, setzt Ute sich aufs Sofa. „Als ich sie da sitzen sah, dachte ich mir nur: Meine Güte, passt sie da gut hin. Als hätte sie schon immer dort gesessen und auf mich gewartet. Da habe ich es verstanden.“

Work hard, play hard

Richard ist freischaffender Theaterlehrer und Regisseur. Er ist künstlerischer Leiter der Schauspielschule Mainz und der Clownsschule Hofheim- Lorsbach. Ute ist ebenfalls selbstständig, arbeitet als Choreografin und gibt Kurse in Bewegungstheater, Modern Dance und Tamalpa Life Art. Daneben arbeitet sie als Online-Redakteurin im ZDF. Gemeinsam leiten sie viele Theaterworkshops in sozialen Projekten. Vergangenes Jahr haben sie den Jugendclub der Schauspielschule Mainz gegründet. An zwei Abenden im Monat können hier Jugendliche unentgeltlich Schauspielunterricht nehmen. Als Künstler würden sie sich nicht bezeichnen. Es gehe darum „mit dem Menschen, für den Menschen und durch den Menschen“ etwas entstehen zu lassen, Raum zu geben, eine intensive Zeit mit anderen zu durchleben und zu sehen, wie ihre Schüler sich entwickeln.

Das Geheimnis des Erfolges als Paar wie auch beruflich liegt hier nicht zuletzt an den unterschiedlichen Charakteren, die sich ergänzen, anstatt zu bekämpfen. Während Richard eine Vision von seinen Schülern hat und sie gerne führt, lässt Ute mehr zu und zeigt Möglichkeiten, um sich zu entscheiden: „Wenn ich zu zielstrebig bin und mit jemandem in eine Sackgasse laufe, ist Ute da und macht die Sackgasse wieder auf“, weiß Richard. „Wenn jemand sich aber nicht entscheiden kann, dann hole ich ihn ab und bringe ihn weiter. So entkommen unsere Schüler uns überhaupt nicht mehr“, lacht er. Beide glauben, selbst ihre größten Kritiker zu sein. Häufig sitzen sie noch lange nach den Unterrichtsstunden zusammen, analysieren und bewerten. Aber auch die Freizeit darf nicht zu kurz kommen, deswegen wird viel herum geblödelt oder auch mal unsinnige Fernsehserien geschaut. Lange Wanderungen im Grünen, Zeit in der Natur und das Miteinander sein helfen abzuschalten.

Getrennte Wohnungen

Seit längerem planen die beiden auch zusammenzuziehen, kommen aber vor lauter Arbeit nicht dazu. Vielleicht ist auch das eine Zutat einer guten Beziehung, ein wenig Distanz hin und wieder, wenn man schon zusammen arbeitet. Seitdem sie sich vor acht Jahren kennengelernt haben, hat Richard immer noch seine Wohnung in der Altstadt und Ute ihre in der Neustadt. Vielleicht erfüllen sie sich eines Tages, wenn sie in Rente gehen ihren Traum: Ein Gelände pachten und in einem Tiny House leben. Auf ein Auto verzichten sie schon seit langem. Die Stadt habe genau die richtige Größe und das richtige Tempo. „Hier hat man Raum, etwas aufzubauen.“

Text Nora Cremille Foto: Matthias Gruber – GruberImages.com

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