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R(h)einspringer: Rettung aus dem Wasser

Das nächtliche Szenario kennt jeder, der am Ufer wohnt: Blaulicht auf beiden Seiten, Schnellboote mit Suchscheinwerfern, Einsatzfahrzeuge in allen Farben und darüber das Gebrumm kreisender Hubschrauber. Stichwort „Wasserrettung“, es treibt eine Person im Rhein – und das heißt: sie braucht Hilfe. Denn selbst erfahrene Schwimmer sind allzu häufig mit dem reißenden Strom, der so friedlich aussieht, überfordert.

Koordinierte Rettung

Die Gründe, warum jemand gewollt oder ungewollt ins kühle Nass taucht, sind vielfältig. Und manchmal ist es, wie kürzlich, auch nur eine lebensgroße aufblasbare Plastikpuppe namens Ingo, die für Alarm sorgt. Aber unter dem Motto „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“ läuft bei jeder Meldung unter 110 oder 112 eine sorgsam geplante Rettungskette an, koordiniert auf beiden Seiten des Flusses. Die Einsatzleitung liegt bei der Berufsfeuerwehr, je nach „Ereignisort“ in Wiesbaden oder Mainz. Sie rückt mit einem Führungsboot und mehreren Fahrzeugen aus, darunter der neue „Taucherwagen“, besetzt mit vier Mann. Die Wasserschutzpolizei wird alarmiert, die DLRG, der Rettungsdienst (mit oder ohne Arzt) und die freiwilligen Feuerwehren Laubenheim, Weisenau und Mombach. Zur Lokalisierung von Hilfesuchenden kommen immer wieder auch die Hubschrauberstaffeln beider Bundesländer teils mit Wärmebildkamera – und auch mal der gelbe Christoph 77 von der ADAC-Luftrettung.

Gute Rettungschancen

Die Chancen, bei einem derartigen Komplettprogramm lebend aus dem Wasser gefischt zu werden, scheinen also gut. Und tatsächlich blicken die Helfer auf viele Erfolge zurück. Seien es die fast zwanzig Ruderer eines bei Budenheim gekenterten Drachenboots, die aus dem Ufergebüsch gepflückt wurden, oder der Schwimmer, der trotz 4 Grad Wassertemperatur gerettet werden konnte, kurz bevor er untergegangen wäre. Auch ein Sportboot- Unfall während des Feuerwerks zur Johannisnacht verlief glimpflich, weil Einsatzboote routinemäßig vor Ort waren. Trotz computergestützter Rettungspläne ist Zeit aber der entscheidende Faktor. Boote müssen zu Wasser gelassen werden und kommen nicht so schnell voran wie ein Streifenwagen.

Damit die Einsatzleitung nach Eingang des Notrufs weiß, wo Ertrinkende zu suchen sind, arbeitet die Feuerwehr mit einem Kartensystem. Der täglich abgefragte Pegelstand des Rheins gibt Auskunft über seine Fließgeschwindigkeit. Eine dementsprechend vorbereitete Folie wird auf einen Stadtplan gelegt und zeigt, abhängig vom Ereignisort an, wie weit eine Person an diesem Tag vermutlich abgetrieben wurde. In diesen Sek- tor werden zunächst die Boote und Hubschrauber beordert, wobei auch in näheren und ferneren Bereichen gesucht und beobachtet wird. Wenn es dann wirklich nur ein großer Ast oder eine Luftmatratze war, die ein Anrufer vom Ufer aus für einen Menschen gehalten hat, sind alle Beteiligten froh. Doch auch über tragische Vorfälle kann jeder Feuerwehrmann oder Wasserschutzpolizist berichten, wie die drei Kinder, die in ihrem angeblich wasserdichten Zelt bei Nackenheim den Rhein überqueren wollten. Nur zwei wurden gerettet.

Gefahr unterschätzt

Leichtsinn und Selbstüberschätzung, etwa sommerliche Mutproben nach Uferpartys, sind die Hauptursachen für Rettungseinsätze. Dabei ist das Schwimmen in der Nähe von Stegen, Brückenpfeilern oder Bojen und in der Fahrrinne verboten, also praktisch im gesamten Bereich beider Städte. Und bei grober Fahrlässigkeit kommen auf den Verursacher hohe Kosten zu – wenn er dann glücklich an Land gebracht wurde. Also lieber den Rhein vom Ufer aus genießen. Es gibt ja auch noch Badestrände, Swimmingpools und Hallenbäder – oder notfalls die eigene Badewanne. Und wenn aufs Sportboot: Schwimmweste! Die Retter freuen sich, wenn sie nichts zu tun haben.

Text & Fotos: Minas