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Planung von (barrierefreier) 42 Meter-Freitreppe am Rathaus beginnt

42 Meter breite Freitreppe. Die Skater-Rampe, äh der Rollstuhlweg, ist zickzack skizziert

Die Umgestaltung des „Jockel-Fuchs-Platzes“ geht in die nächste Phase. Stadt und Denkmalschützer haben sich auf eine barrierefreie Freitreppe auf einer Breite von 42 Meter geeinigt, die künftig das Rathaus-Plateau zum Rhein öffnen soll. Fast 5 Meter Höhenunterschied sind hier zu überwinden, so dass der Rollstuhl-Weg runter im Zickzack knapp 120 Meter beträgt.
Eine erste Kostenschätzung beläuft sich an die 8 Mio. Euro, wobei die Freitreppe und Rampe ca. 4 Mio. und die Umgestaltung des Jockel-Fuchs-Platzes ebenfalls 4 Mio. kosten könnte. „Wir sagen das mit aller Vorsicht und im Bewusstsein, dass sich Baukosten in dieser Zeit nur schwer prognostizieren lassen“, so Finanzdezernent Beck. 2027 mit Ende der Rathaus-Sanierung könnte auch die Treppe stehen.

Aktuell trennt diese Wand den Rathausplatz vom Rheinufer ab, mit einer Treppe an der Seite

Nun kann die Grundlagenermittlung starten, dann folgen die nächsten Planungsschritte bis zu Baugenehmigung, die dann die bauliche Umsetzung ermöglicht. Das gesamte Areal „Rathaus, Jockel-Fuchs-Platz, Brückenturm“ ist und bleibt Bestandteil einer Denkmalzone.

Der Stadtvorstand hat sich in seiner jüngsten Sitzung darauf verständigt, dem Ausschuss für Finanzen und Beteiligungen eine entsprechende Beschlussvorlage zu empfehlen, die im Stadtrat am 21. September 2022 zur Abstimmung gestellt wird. Demnach stellt die Stadt Mainz der Rheingoldhalle GmbH & Co. KG eine Million Euro bereit, um die Planungskosten abdecken zu können.

„Die gute Nachricht vorweg: Wir haben im Rahmen einer Vorstudie geprüft, ob die Öffnung des Jockel-Fuchs-Platzes über eine großzügige Freitreppe mit entsprechend barrierefreiem Zugang machbar ist und uns dafür mit der unteren und der oberen Denkmalschutzbehörde, der GDKE und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Mainz abgestimmt“, erklärt OB Ebling und ergänzt: „Es ist zwar noch ein gutes Stück bis zur Baugenehmigung, aber wir sind auf einem guten Weg“.

Die Umgestaltung des Jockel-Fuchs-Platzes war in den letzten Jahren ein immer wiederkehrendes Thema von Anfragen an die Stadt. „Es hat sich aber auch gezeigt“, ergänzt Bürgermeister und Finanzdezernent Beck, „dass die angedachte Umplanung ohne eine urheberrechtliche Synchronisation mit der Ursprungsplanung des Architekturbüros Jacobsen + Weitling nur schwer möglich ist.“

„Die Planungsphase ist nicht nur aufgrund der Urheberechtsfrage komplex“, erklären MAG-Geschäftsführer Martin Dörnemann und Ralf Sadowski von der Rheingoldhalle GmbH & Co. KG, „wir haben auch eine ganze Reihe von Herausforderungen vor uns: dazu gehört unter anderem die Beton- und Deckensanierung der Rathausgarage, die ja das Plateau des Jockel-Fuchs-Platzes bildet. Dazu kommen die technischen Voraussetzungen für den Anschluss ans Rathaus, die statische Umplanung, die Integration der Lüftung und neben all diesen technischen Fragen müssen wir die Planungen zudem noch mit der unteren Denkmalschutzbehörde abstimmen. All das soll in der Planungsphase abgeklärt werden.“

Sowohl Stadtvorstand als auch die Verantwortlichen der Rheingoldhalle GmbH & Co. KG zeigten sich zuversichtlich, dass eine genehmigungsfähige Lösung gefunden wird. Auch eine Begrünung der Platzes im späteren Verlauf – etwa mit mobilen Grünelementen – sei vorgesehen.

Kritik von Denkmalpflegern
Der Rheinische Verein für Denkmalschutz ist mit dem Vorschlag der Stadt für die Treppe vom Rathausplateau zum Rhein nicht einverstanden. Als „geradezu irrwitzig“ bezeichnet der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) Regionalverband Rhein-Main-Nahe die von der Stadt Mainz vorgestellte Skizze. Zwar handele es sich nicht um einen endgültigen Entwurf. Trotzdem entstünde der Eindruck, als sei die räumliche Kombination von Treppen und Rampen unbeschadet der damit verbundenen Unzulänglichkeiten zwangsläufig. Man könne nur hoffen, dass die Landesdenkmalpflege die Skizze nicht schon abgenickt habe. Hier zum Artikel:

https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/denkmalschutzer-mainzer-idee-fur-freitreppe-ist-irrwitzig_25714174?fbclid=IwAR2kQNoI1yOlRHFG7KlIgLJutT5LK9v1BWR6JOHzZtzqjEX7LUOoIBrcS3w

 

SPD-Fraktion begrüßt Einigung bei Freitreppe
Die SPD-Fraktion begrüßt die Einigung auf eine Freitreppe im Rahmen der Neugestaltung des Jockel-Fuchs-Platzes. „Wir waren die erste Fraktion im Mainzer Stadtrat, die bereits vor über drei Jahren diese bürgernahe Lösung vorgeschlagen und zugleich gefordert hat. Wir freuen uns sehr, dass die Denkmalschutzbehörde nach zähen Verhandlungen nun auch den großen Mehrwert erkannt hat, den die Öffnung des Jockel-Fuchs-Platzes mit sich bringt“, sagen Dr. Matthias Dietz-Lenssen, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Mitglied im Beirat zur Rathaussanierung sowie Christine Zimmer, baupolitische Sprecherin der SPD-Stadtratsfraktion. „Zugleich möchten wir allen beteiligten Akteuren herzlich für ihr jahrelanges Engagement danken, durch welches das Ziel endlich in greifbarer Nähe ist.“

Ziel der Mainzer SPD-Stadtratsfraktion ist es, dass sowohl mit der Rheinufergestaltung, als auch mit der Sanierung des Rathauses, der ganze Platz offener, grüner und barrierefreier gestaltet wird. „Die nun erfolgte Einigung zwischen Stadt, Denkmalschutz, GDKE und dem Behindertenbeauftragten ist ein wichtiger Schritt, um diesem bedeutenden und repräsentativen Bereich des Mainzer Lebens endlich die Aufenthaltsqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu verleihen, die dieser verdient hat“, schließen Christine Zimmer und Dr. Matthias Dietz-Lenssen.

FDP Fraktion begrüßt Einigung
Als „starkes aber auch notwendiges Signal“ bewerten David Dietz, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion, und der Baupolitische Sprecher der Freien Demokraten Thomas Klann, die Entscheidung, eine Freitreppe vom Rathausplateau zum Rheinufer zu ermöglichen. Dietz und Klann sehen eine Attraktivitätssteigerung für das gesamte Areal durch die nun möglich gewordene Öffnung des Rathausplatzes zum Rheinufer. „Die langwierigen und teils herausfordernden Diskussionen mit der Denkmalschutzbehörde haben sich offensichtlich gelohnt. Wir gehen davon aus, dass die nun gefundene Lösung als Blaupause für andre noch offenen Fragen im Rahmen der Rathaussanierung dienen kann.“ Die beiden Liberalen sehen in dieser Herangehensweise die große Chance, ein zeitgemäßes, attraktives und bürgernahes Rathaus in Mainz zu realisieren.

 

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