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Kumuliert und deplatziert – Die Endergebnisse der Mainzer Wahlen 2014

MAinz

von Andreas Schröder
Illustration: dainz.net

Es war eine gar nicht mal so kleine Sensation, als sich Nico Klomann 2009 gegen den langjährigen Amtsinhaber Walter-Bornmann (SPD) durchsetzte und der erste grüne Ortsvorsteher in der Neustadt, ja in ganz Mainz wurde. Bis dahin war es Tradition, dass die alteingesessenen Sozial- und Christdemokraten den Kampf um den Chefsessel in den Stadtteilen unter sich ausmachten. Die jüngeren Parteien mussten sich gut überlegen, ob sie einen Kandidaten aufstellen wollten. Ende Mai wurde in Mainz wieder gewählt, Anfang Juni im Pfingsturlaub folgten die Stichwahlen.

Der Posten des Ortsvorstehers in der Neustadt geht nun doch wieder an die Sozialdemokraten zurück. SPD-Herausforderer Johannes Klomann. Der Bruder von Nico Klomann, schlug den grünen Kandidaten Thorsten Lange in der Stichwahl mit einem Vorsprung von nur 89 Stimmen. Aber der Trend, dass sich die Bürger auch Vertreter der jüngeren Parteien als Stimme ihres Stadtteils in der Mainzer Verwaltung wünschen, setzt sich weiter fort: Mit den Grünen Brian Huck in der Altstadt und Matthias Gill in Ebersheim und dem ÖDPMann Claudius Moseler in Marienborn finden sich gleich drei Vertreter jüngerer Parteien in den Chefsesseln der Ortsverwaltungen.

Ampel im Stadtrat bleibt

Im Stadtrat, der sich am 16. Juli konstituiert, ist ein ähnlicher Trend zu erkennen. Erstmals werden zehn Parteien vertreten sein. Neben der AfD (zwei Sitze) sind die Piraten und die Freien Wähler mit jeweils einem Sitz eingezogen. Unterm Strich gehen die Ratssitze der kleinen Parteien zu Lasten der Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Zwar konnte sich die SPD mit einem Plus von drei Sitzen als zweitstärkste Fraktion hinter der CDU (18 Sitze) etablieren und die Grünen konnten mit zwölf Sitzen ihr gutes Ergebnis von 2009 fast wiederholen – doch die FDP musste deutlich Federn lassen. So schrumpft die Mehrheit der Ampel von 34 auf 32 Stimmen im Rat. Dass die Ampelkoalition ihre Arbeit fortsetzt, dürfte inzwischen feststehen. Ob die Arbeit der Koalitionäre, wie oft spekuliert wird, schwieriger wird, muss sich zeigen. Denn je nach Thema sind neue, kurzfristige Konstellationen denkbar. So ist die Linke nicht nur um ein Stadtratsmitglied stärker, aufgrund eines innerparteilichen Streits wurde ihre Fraktion mit neuem und jungem Personal besetzt, das bereits am Wahlabend angekündigt hatte, sich eine Zusammenarbeit mit der SPD und den Grünen vorstellen zu können. Bei vielen anderen Fragen, wie zum Beispiel beim ECE-Einkaufszentrum, dürfte es der Ampel nicht allzu schwer fallen, Unterstützer in den Reihen der CDU zu finden. Die Bürgerinitiative Ludwigsstraße könnte sich also zu früh gefreut haben. Sie hatte den Wählern geraten, Gegner der ECE-Pläne aus den Reihen der großen Parteien durch Kumulieren (Vereinigen mehrerer Stimmen auf einen Kandidaten) zu besseren Plätzen auf den Listen zu verhelfen. Laut BI befänden sich unter den 60 Mitgliedern des neuen Stadtrats bereits 15 „Mall-Gegner“, darunter sieben aus den Reihen von SPD und Grünen.

Junge Räte Mangelware

Doch während das Kumulieren dem Wähler helfen kann, „seine“ Kandidaten in den Rat zu bringen, kann es auch negative Effekte haben: Vor allem junge Kandidaten werden von der Wählerschaft gerne auf hintere Listenplätze und damit aus den Fraktionen geschoben. In Mainz ereilte dieses Schicksal unter anderem Felix Leidecker (CDU) und Myriam Lauzi (SPD/Jusos), die den Einzug in den Rat nur um einen Platz verpassten. Grund für den Nachteil der jüngeren Kandidaten ist sicher die große Bekanntheit älterer Kollegen. Die sind häufig schon seit Jahren aktiv und werden aufgrund ihres Bekanntheitsgrades beim Kumulieren an die Spitze der Listen geschoben. Bei den Grünen hatte man dagegen keine Probleme, junge Kandidaten in den Stadtrat zu befördern. Das mag einer jungen Wählerschaft geschuldet sein, die für die Parteien aber andere Probleme mit sich bringt, wie Thorsten Lange, Ex-Ortsvorsteherkandidat der Grünen für die Neustadt, bitter erfahren musste. Lag Lange im ersten Wahlgang noch deutlich vor Johannes Klomann (SPD), musste er sich diesem in der Stichwahl geschlagen geben. Klomann und Lange waren sich einig, dass es der SPD besser gelungen war, ihre Wählerschaft ein zweites Mal zu aktivieren. „Viele hatten mir bereits nach dem ersten Wahlgang gratuliert. Die wussten gar nicht, dass es noch eine Stichwahl geben würde“, berichtete Lange. Das Open Ohr und das gute Wetter über Pfingsten hätten dann ihr übriges getan, dass viele potenzielle Grünen- Wähler nicht zur Stichwahl erschienen waren, so die These. Dass sich viel ändern wird in Mainz, ist durch diese Wahl jedoch insgesamt nicht zu befürchten…