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Perfekte Illusion – der Zauberer Christoph Demian


von Sophia Weis, Fotos: Katharina Dubno

Das Kaninchen, das aus dem Zylinder hoppelt, ist für Christoph Demian ein alter Hut. Der Mainzer will die Zauberei von ihrem verstaubten Image befreien und sie wieder als das etablieren, was sie ursprünglich ist: Kunst!
In einer Zeit, in der das Internet eine schier unerschöpfliche Wissensquelle darstellt und man sich jedes noch so spezifische Phänomen in Sekundenschnelle von Google oder Wikipedia erklären lassen kann, gibt es scheinbar nicht mehr viel, was im Verborgenen bleibt. „Das Gefühl, Zugang zu allen möglichen Informationen zu haben, hat für mich auch etwas Ernüchterndes. Das Leben wird doch erst durch kleine Geheimnisse spannend“, sagt Christoph Demian. Der 31-jährige Mainzer hat sich der Zauberkunst verschrieben und will mit deren Hilfe „re-illusionieren“. Aufgewachsen in einer Theaterfamilie, liegt ihm die Unterhaltung im Blut. Sein Vater war Opernsänger, die Mutter Maskenbildnerin. „Ich habe als Kind viel Zeit hinter der Bühne verbracht. Dort waren alle ein bisschen verrückt“, lacht er. Seine Lieblingssparte ist die Close Up-Zauberei, also auf der Straße oder im Varieté, denn dabei kann er die Zuschauer in seine Stücke einbeziehen. Sie sollen seine Magie hautnah erleben. Dabei möchte er niemanden vorführen oder reinlegen. Christoph ist es wichtig, dem Publikum ein positives Gefühl zu vermitteln und es für den Moment der perfekten Illusion zu öffnen: „Das Tolle an der Zauberei ist, dass sie kultur-, einkommens- und altersunabhängig ist. Ich kann einem kleinen Kind genauso ein Staunen in die Augen zaubern wie einer 90-jährigen Rentnerin, einem hochbezahlten Manager oder einem Touristen auf der Straße.“

Vom Bücherwurm zum professionellen Zauberer
Die ersten Tricks lernte Christoph von seinem Großvater: „Der hatte ein Faible für Spielkarten und zeigte mir so einige Kniffe.“ Mit 22 machte er dann Urlaub in Barcelona. Auf der berühmten „Ramblas“ beobachtete er einen Straßenzauberer, wie dieser eine brennende Zigarette verschwinden ließ. Christophs Neugier war geweckt und zurück in Mainz lieh er sich in der Bibliothek jedes Buch über Zauberkunst, das er finden konnte. Zwei Jahre lang gab er die Schmöker nicht zurück. Den Trick mit der Zigarette fand er darin nicht, dafür aber eine Menge anderer Kunststücke und er begann, unermüdlich zu üben. Irgendwann hörte Christoph vom „Magischen Zirkel“, einer internationalen Vereinigung professioneller Zauberkünstler, der auch Größen wie David Copperfield oder Siegfried und Roy angehören. Zunächst war er Anwärter und musste vor anderen Zauberkollegen zeigen, was er kann. „Da ist man ganz schön nervös, weil alle wissen, wie die Tricks funktionieren“, so Christoph über seine Anfänge. Geholfen hat ihm sein Lehrmeister „Gaston“ aus München, 2006 Weltmeister in der Zauberei, „aber das meiste habe ich mir selbst beigebracht“. Indem er einen Tisch zum Schweben brachte, schaffte er 2007 die Aufnahmeprüfung und ist seitdem Mitglied im Magischen Zirkel. Zudem nimmt er Schauspielunterricht, Sprechtraining und spielt Improvisationstheater, um seine Auftritte zu perfektionieren. Trotz hoher Professionalität möchte er sich dennoch eine gewisse Natürlichkeit bewahren: „Ich spiele auf der Bühne natürlich schon eine Rolle, aber es steckt auch viel von mir selbst darin.“

Zauberei als Berufung
Man merkt Christoph an, dass das Zaubern für ihn nicht nur ein Hobby oder ein Beruf ist, sondern eine Lebenseinstellung. Erst vor kurzem ist er umgezogen, die meisten Kisten stehen noch verpackt in der neuen Wohnung. Nur seine Zauber-Utensilien hat er heraus geholt. „Im Prinzip hat jeder Gegenstand für mich etwas Magisches. Die Zauberei begleitet mich überall hin, sie ist Teil meines Alltags.“ So kann es sein, dass er in der S-Bahn gedankenversunken Kartentricks übt oder so schnell und trickreich eine Münze durch seine Hände gleiten lässt, dass die übrigen Fahrgäste anfangen zu klatschen. Auch während eines Referats an der Uni hat der Philosophie-Student schon gezaubert. „Irgendwie passt das ja auch gut zur Philosophie: Was ist Wirklichkeit und was ist Illusion?“, schmunzelt er. Sein Traum ist es, irgendwann einmal seine eigenen Kunststücke in einem Lehrbuch verewigt zu sehen, das dann als „Der Demian“ in die Geschichte eingeht. Denn am Ende ist die Zauberei dann doch nicht nur eine Kunst, sondern irgendwie auch ein wenig Wissenschaft.
Christoph Demian am 16. Mai beim Poetry Slam im KUZ

www.christoph-demian.de