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Kitas: Rückkehr zum Regelbetrieb bis 1. August

Gemeinsam mit den Kita-Spitzen wurde heute im Bildungsministerium beschlossen, spätestens zum 1. August 2020 den „Alltag“ in die Kitas zurückkehren zu lassen. Mit Blick auf Waldkindergärten und eingruppige Einrichtungen wurde sogar vereinbart, dass diese ab sofort wieder zu ihrer früheren Betriebsgröße zurückkehren können. Alle anderen Einrichtungen können ebenfalls ab sofort ihre Betreuungssettings mit bis zu 25 Kindern anbieten. Das Landesamt wird alle hierüber mit einem Rundschreiben kurzfristig informieren.

Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig: „Heute ist ein guter Tag für unsere Familien mit Kita-Kindern: Die Kita-Spitzen bestehend aus kommunalen, kirchlichen und freien Trägern, Gewerkschaften, Eltern, Landesjugendamt und Ministerium sind sich einig, dass die Rückkehr zum Regelbetrieb das ist, was sich alle wünschen und wofür sich alle nach Kräften einsetzen werden. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten sehr, denn wir arbeiten in dieser Krise gut und konstruktiv zusammen. Heute sind wir einen weiteren wichtigen Schritt zu mehr Kita und damit zu mehr Entlastung der Familien und mehr frühkindlicher Bildung für unsere Jüngsten gegangen.“

Ein Kommentar “Kitas: Rückkehr zum Regelbetrieb bis 1. August

  1. Die Anstrengungen um die Nöte der Eltern in Zeiten von Corona im Blick zu behalten sind notwendig und ehrenhaft. In der täglichen Auseinandersetzung mit Eltern, Träger, Kolleginnen und Kollegen kommen viele Fragen, Unsicherheiten und auch Ängste hervor. Diese Ängste reichen von Bildungslücken bei Kindern, über Gesundheitsängste bis hin zu Existenzängsten durch Jobverlust der Eltern.
    Ministerin Hubig und auch Herr Winheller, LEA, vertreten in ihren Statements die Sicht der Eltern und der Kinder. Die Sicht der Kinder erscheinen jedoch vorgeschoben: „Endlich wieder die Freunde treffen; den Kindergarten wieder besuchen können, …“. Die Realität in den Kitas hat aber Nichts mit dem zu tun, was die Kinder hinterlassen haben, als sie im März herausgerissen wurden. Wo teiloffene / offene Gruppen und viel Selbstständigkeit gefördert wurde, sind nun geschlossene Türen, kontrollierte Gruppen, leere Flure. Mal schnell in die Nachbargruppe zum Freund gehen – geht nicht, wegen den Settings. Mit der Lieblingserzieherin spielen – geht nicht, weil sie in einer anderen Gruppe eingeteilt wurde um möglichst viele Kinder die Rückkehr zu ermöglichen.
    Das nun aber mit einem so großen Tempo ein uneingeschränkter Regelbetrieb umgesetzt werden soll, wohlwissend um den Fachkräftemangel und den freigestellten Kolleginnen und Kollegen wegen Risikofaktoren, erschließt sich nicht. Warum haben wir fast 3 Monate die Kitas geschlossen, wenn nun hoppla-hopp alles wieder im Schnellgang aufs Spiel gesetzt wird. Ist es denn nicht noch zumutbar mit der großen Öffnung bis 2 Wochen nach den Sommerferien zu warten? Durch die Reisebewegungen der Menschen sind neue Ansteckungswege möglich/wahrscheinlich und können uns dann wieder sehr schnell im Alltag treffen und ausbremsen.
    Die Zeitschienen, in denen in den letzten Wochen Öffnungen/Lockerungen und Anforderungen an die Kindertagesstätten gestellt worden sind, sind eine Zumutung für das Personal und hier im speziellen für Leitungskräfte. Etwas mehr Vorlaufzeit zur Planung und zum Transparentmachen innerhalb des Teams und der Eltern wäre mehr als notwendig und angebracht. Das nun in diesem Artikel aber 6 Wochen Zeit für Planungen für Vertretungsregelungen und Personalsuche geworben wird bis 01.08., ist in der Praxis Augenwischerei: Die Hälfte der Kitas sind 3 Wochen davon in der jährlichen Sommerschließung! Personal, wie oben schon erwähnt, ist rar. Welche Vertretungsszenarien sollen entwickelt werden, wenn es niemanden gibt, der für die Betreuung von Kinder und Kindergruppen ausgebildet ist?
    Ich warte auf die Zeit, dass vorgeschlagen wird, dass vor jeder Kita Passanten angesprochen werden nach dem Motto: „Kommen Sie rein – machen Sie mit – hier ist Spaß für alle drin!“
    Qualität in der Bildung und Kinderschutz sind hier nur zwei Dinge, die in Gefahr sind.
    Ich kann mir schwer vorstellen, dass die Gewerkschaften da unkritisch mit gehen, wenn es um Vertretungslösungen abseits der Fachkräfteverordnung geht. Und Eltern sollten dies auch nicht blind tun – im Interesse der Kinder.
    Oder das jemand auf die Idee kommt den digitalen Bildungspakt auf die Kitas zu erweitern und jedes Kind ein Tablet bekommt. Das hätte dann natürlich den Vorteil, dass die Kinder beschäftigt wären und so weniger Aufsichtspersonen benötigt werden. Abstand zueinander halten würde dann auch leichter fallen, weil jeder in der Ecke sitzt und in seinen Bildschirm vertieft ist. Und sollte es dann doch mal zu nahe werden, könnte ja eine entsprechend vernetzte App auf jedem Gerät ein Signalton erklingen…
    Das ist Ironie und soll keine Anleitung für die Realität sein!
    So stelle ich mir nämlich NICHT den Kindergarten für ihre und unsere Kinder vor.

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