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Im Check: Die schönsten Mainzer Hinterhöfe

 

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von Naomi Erlenwein, Fotos (auch siehe unten) vom Elisa Biscotti

Zum Endsommer im letzten Grün blicken wir hinter die Fassaden von Mainz und küren hier die schönsten Hinterhöfe

Werkstattgalerie (Neutorstraße 29) Am Rande der Altstadt liegt die Werkstattgalerie von Anne Böschen. Das Vorderhaus wirkt unscheinbar, nur ein Schild weist auf die Galerie im Innern hin. Hinter- und Vorderhaus trennt ein quadratischer, mit Kopfstein gepflasterter Innenhof. Zu den unzähligen Blumentöpfen im Hof ranken sich ringsum Efeu, wilder Wein und andere Kletterpflanzen empor. Ein kleiner Dschungel mitten in der Stadt. Für einen kurzen Moment fühlt man sich wie in einem Kinderbuch von Astrid Lindgren. Die blau gestrichenen Holztüren des Ateliers haben den passenden skandinavischen Charme. Wir treffen Anne, die uns von ihrem Engagement für den Innenhof berichtet: „Es kann nie genug grün sein!“ Jeden Samstag steht ihre Werkstattgalerie von 14 bis 19 Uhr für Besucher offen. Ein kleiner Moment Urlaubsfeeling.

Schott-Music Verlag (Weihergarten 5) Schott-Music gehört zu den weltweit führenden Musik- und Medienverlagen. Der Pförtner winkt uns durch und durch ein edles Foyer tritt man ein in den prachtvollen und unerwartet großen Garten. Im Zentrum des Gartens befindet sich ein kleiner Weiher, der dem Gebäude und der Straße zwar nicht seinen Namen gegeben hat, aber dennoch die Perfektion dieses paradiesischen Anblicks ausmacht. Beim Rundgang durch den Garten schweift der Blick über das Gebäude-Ensemble oberhalb des Gartens vorbei an verschiedenen exotischen Baum- und Pflanzenarten. Vom späten Frühling bis Sommer ist die Blumenpracht beeindruckend. Fürstlicher Glanz vergangener Zeiten … Da sich der Garten in Privatbesitz befindet, ist mehr als ein andächtiger Rundgang nicht möglich. Zu gerne würde man sich auf die Wiese neben den Weiher legen, die Sonne genießen und dem Plätschern des Wassers lauschen.

Maria Ward Schule (Ballplatz) Durch zwei große Tore gelangt man in den Innenhof der Schule. Vom großen Hof aus lockt die barocke Balustrade. Sie wird von einem Tamarisken- Bogen überspannt. Rote Rosen bilden das nächste Tor, das den Blick unwillkürlich auf eine Madonna im Rosenhag richten lässt. Alte und junge Bäume, Sträucher und Blumenbeete säumen die Terrassen. Beeindruckend schön erstreckt sich hier die Blumenpracht. Da der Garten durch das Jahr hinweg als Pausenhof der Schule dient, ist der Ort zumeist voller Leben. Übrigens lieben die Schülerinnen „ihren“ Garten und für nicht wenige ist er ausschlaggebend für die Entscheidung, auf diese Schule zu gehen. Da der Garten im Privatbesitz der Schule und der Ordensgemeinschaft ist, ist er für Besucher nicht öffentlich zugänglich. Auf Anfrage ist ein Rundgang aber möglich.

Café Lönneberga (Gaustraße 67) An den Straßenbahnschienen entlang, findet man schnell den Weg zum Café Lönneberga in der Gaugasse 67. Noch vor drei Jahren ein baufälliges Sanierungsobjekt, erstrahlt das Haus jetzt in altem / neuem Glanz. Das Schmuckstück des Lönnebergas ist der Garten im Hinterhof. Wiederverwendete Baumaterialien, die ihre eigene, teils sehr alte Geschichte erzählen, machen ihn geheimnisvoll. Zu Sommer- und Frühlingszeiten erstrahlt der Garten in voller Pracht, aber auch über das gesamte Jahr hinweg ist hier, dank regionaler und saisonaler Bepflanzung der Cafébetreiber, immer etwas im Kommen. Exot in der Runde ist der kleine Zitronenbaum. Der achtsame und nachhaltige Umgang mit wiederverwertbaren Produkten und Materialien ist nicht nur das Aushängeschild des restaurierten Hofes. Das gesamte Geschäftskonzept vom Lönneberga orientiert sich an dieser Philosophie. Auf den Bänken im Hof kann man ungestört vom Straßenlärm Platz nehmen.

Weingut Landenberger (Adam-Karillon Straße 4) Durch das große Holztor betritt man den Hinterhof des Weinguts Landenberger. Marcus Paul Landenberger eröffnete hier 2008 seinen eigenen Weinladen. Sein bisher schon intensiv betriebenes Hobby, den Weinbau und das Keltern, machte er mit der Eröffnung des Weinguts zu seinem Steckenpferd. Als Eigentümer der Hausnummer 4 ist Landenberger auch für die Gestaltung des Hofes zuständig. Die Mischung aus Wohn- und Geschäftshaus wurde schon von den ehemaligen Besitzern zu Winzer- Zwecken genutzt. Im Hinterhaus befindet sich der historische Gewölbekeller. Hier finden freitags auch die beliebten Weinproben statt. Das Vorderhaus beherbergt heute Verkaufsladen und Wohnhaus. Zurückhaltend, mit klaren Linien ist der Hof gestaltet. Wie Landenbergers Weinangebot und sein Betrieb, ist auch der Hof auf das Wesentliche reduziert. Im Sommer ist er mit Tischen und Stühlen ausgestattet. So können Besucher bei gutem Wetter den Abend genießen. Eingeschlossen von den hohen Backsteinmauern des Vorder- und Hinterhauses entsteht hier bei entspanntem Innenstadt- Chic eine intime Atmosphäre.

Greiffenklaustraße Wir machen einen kleinen Schlenker über die „8 Mile“ von Mainz. Was Alt- und Neustadt trennt, ist die vielbefahrene, sechsspurige Fahrbahn der Kaiserstraße, neben der Schlafen bei offenem Fenster ein aussichtsloses Unterfangen ist. Die Bewohner der Hausnummer 13 können sich daher glücklich schätzen, dem Rummel nach hinten raus entfliehen zu können. Der ordentlich sanierte Altbau öffnet seine Hintertüren zu einem sehr schmucken, nicht ganz kleinen Hinterhof, der vom Blätterdach einer riesigen Kastanie überspannt wird. Durch kleine gestalterische Arbeiten gewinnt der Hof an Individualität. Hier haben sich die Mieter des Hauses Gedanken gemacht und ihrer Affinität zu moderner Gestaltung und buntem Design freien Lauf gelassen. Alles wirkt zusammengewürfelt und dabei perfekt aufeinander abgestimmt: von den grell bunten Gartenmöbeln, über Kerzen und bunten Blumentöpfen entlang der Mauer, hin zu Europaletten als Sitzgelegenheit. Selbst das bunte Kinder-Plastikspielzeug sieht an dieser Stelle richtig aus. Normalität in ihrer schönsten Form.

Irgendwo am Zollhafen … Das Motto dieses Hinterhofes ist klein. aber sehr fein. Unterteilt ist er in eine gemeinschaftliche Fläche und den Garten von Domenico und Denise. In ihren Garten haben die beiden seit ihrem Einzug im letzten Sommer viel Arbeit gesteckt und so das ehemalige Erdloch, wie sie es selber nennen, in einen Garten Eden verwandelt. Den Ertrag ihrer Arbeit genießen sie nicht nur zu zweit, sondern mit Familie und Freunden. Zum Beispiel bei der eigenen, kleinen Gartenhochzeit. Denise und Domenico haben es vorgemacht und bewiesen, dass nicht viel Platz oder Möglichkeiten vorhanden sein müssen, um aus einer Idee und ein wenig Erde etwas wachsen zu lassen. Anstatt unsere Hinterhöfe unter Beton, Wellblech und Fahrradständern zu verstecken, sollten wir auch ein bisschen Hand anlegen und mit ein wenig Mühe die Kehrseite unserer Stadt grüner machen, damit man bei jedem Klingeln auf etwas Neues hinter der Hausfassade gespannt sein kann. Abschließend stellen wir fest, dass Mainz auf seiner Kehrseite einiges zu bieten hat. Wer klingelt und nett fragt, kann das ein oder andere Schmuckstück entdecken.