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Größerer Polizeieinsatz endet mit Kollateralschäden – sensor Kolumnist unter Schock

Eine Schreierei im Hausflur eines Mehrfamilienhauses in der Oberstadt hat am späten Montagnachmittag einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Mehrere Wohnungen wurden offenbar ergebnislos gestürmt, die Mieter stehen teils unter Schock, unter ihnen auch sensor-Kolumnist Dr. Treznok. Zum Geschehen:

Gegen 17:15 Uhr ging bei der Führungszentrale des Polizeipräsidiums ein Anruf ein, wonach eine männliche Person im Hausflur eines Mehrfamilienhauses in der Langenbeckstraße damit droht andere Menschen umzubringen. Der Mann, der von Zeugen nur gehört, aber nicht gesehen wird, habe laut herum geschrien, dass er jemanden erschießen will. Nachdem die ersten Einsatzkräfte vor Ort eintreffen, ergeben sich Hinweise darauf, dass der Drohende Zugriff auf eine Waffe haben könnte. Um Gefahren auszuschließen, wurde der Bereich des Einkaufskomplexes der Langenbeckstraße, in Höhe der Mund- und Zahnklinik, bis zum Bereich Römerlager abgesperrt. Das Mehrfamilienhaus wird in der Folge von einem Spezialeinsatzkommando betreten. Nachdem sich Hinweise auf eine bestimmte Wohnung ergeben, in der sich der drohende Mann aufhalten soll, wird diese von den Spezialkräften betreten. Hierbei können jedoch weder Personen angetroffen, noch Waffen aufgefunden werden.
Nun kommt jedoch hinzu, dass offenbar auch weitere Wohnungen gestürmt wurden. Denn auch sensor-Kolumnist Dr. Treznok wohnt im besagten Haus. Wie er berichtet, gab es gegen 20 Uhr es einen fürchterlichen Schlag, seine „Wohnungstür flog auf und eine gefühlte Hundertschaft schwer bewaffneter Polizisten in Kampfmontur stürmte meine Wohnung. Ohne einen Kommentar zogen sie mich aus dem Bett, warfen mich auf den Boden, fesselten meine Hände hinter dem Rücken und misshandelten mich mit Fußtritten. Diese Aktion dauerte höchstens 5 bis 10 Sekunden. Nach etwa einer Viertelstunde, währenddessen immer jemand einen Fuß auf meinen Rücken drückte, entfernten sie die Fesseln, ein Oberpolizist kam zu mir und sagte: „Ich entschuldige mich, wir haben uns in der Tür geirrt.“ Das genau waren seine Worte. Damit ließen sie mich stehen, terrorisierten noch einige andere Bewohner und verließen dann das Haus. Eine halbe Stunde später rief ich bei der Polizei an und verlangte, dass sofort ein Beamter kommt, eine Erklärung abgibt und die Reparatur der kaputten und nicht mehr funktionsfähigen Tür organisiert. Der kam auch tatsächlich nach einer Viertelstunde, erklärte mir, dass doch bereits alles gesagt sei, ich hätte immerhin eine Entschuldigung bekommen, und um die kaputte Tür müsse ich mich selbst kümmern. Die Rechnung könne ich dann allerdings im Nachhinein bei der Polizei einreichen. Die müssten dann prüfen, ob sie den Schaden bezahlen müssen. Ich habe seitdem immer wieder Zitteranfälle, muss zwischendurch zwanghaft schnell hin und hergehen und bekomme eine Panikattacke nach der anderen. Ich war beim Arzt, der einen schweren Schock diagnostiziert und mir Beruhigungsmittel verordnet hat. In meiner Wohnung halte ich es momentan trotzdem kaum aus, weil der Schock immer wieder hoch kommt. Momentan sitze ich an meinem Rechner, fahre aber zwischendurch immer wieder auf und blicke erschrocken zur Tür. Die eigene Wohnung ist kein Schutzraum mehr, die Polizei darf eindringen, die Tür kaputtschlagen, die Wohnung verwüsten, mich misshandeln und hinterher sagen: tut uns leid, wir haben uns in der Tür geirrt. Die Nachbarin, deren Tür ebenfalls kaputt getreten wurde, die aber zum Glück in diesem Moment nach Hause kam, hat eine ähnliche Antwort erhalten. Ich kann wegen der Panikattacken die nächsten Nächte nicht in meiner Wohnung verbringen. In meinem eigenen Bett zu liegen ist momentan der Horror.“

Im Rahmen der weiteren Ermittlungen bestätigt sich zuguter letzt lediglich ein lauter Streit zweier Männer im Hausflur, im Bereich der betroffenen Wohnung. Die Ermittlungen der Hintergründe und genauen Umstände des Streits dauern derzeit noch an. Die Absperrung wurde gegen 20:40 Uhr aufgehoben, nachdem eine Gefahr für Anwohner ausgeschlossen werden konnte.

Heute (1. April 2020 um 13:44 Uhr) folgte eine Stellungnahme der Polizei Mainz dazu:

Nach ersten Zeugenaussagen und Erkenntnissen hat die Polizei annehmen müssen, dass sich eine männliche Person mit Schussaffe und Munition in einem Mehrfamilienhaus aufhält und droht mehrere Menschen und „jedem der sich ihm in den Weg stellt“ zu erschießen. Die Polizei muss solche Mitteilungen immer ernst nehmen und stuft auf Grundlage der vorliegenden Informationen, den polizeilichen Einsatz am Montagnachmittag als Verdacht einer sogenannten „Lebensbedrohlichen Einsatzlage“ ein.

Die Polizei leitet dabei bereits in einer frühen Phase, aufgrund zunächst geringer Erkenntnisse, umfangreiche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ein. Am Montagnachmittag legen die Einsatzkräfte teilweise eine besondere Schutzausstattung an und sperren den Gefahrenbereich großräumig ab.

Auf Grund der Tatsache, dass Zeugen den mutmaßlichen Täter lediglich gehört, aber nicht gesehen haben, wird dieser zunächst nicht genau lokalisiert. Es ergeben sich jedoch Hinweise auf eine konkrete Etage und eine bestimmte Wohnung in dem Mehrfamilienhaus. Diese Wohnung wird nach Abwägung aller vorliegenden Informationen, durch die Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) geöffnet und die darin befindliche Person zunächst festgesetzt. Da das SEK von einem bewaffneten Täter ausgeht, wird die Wohnung sehr schnell betreten und die darin befindliche Person sofort festgesetzt. Hierbei geht es vor allem darum, Gefahren sofort zu minimieren. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass es sich bei der Wohnung um die eines unverdächtigen Nachbarn handelt und der Täter in der Wohnung unmittelbar daneben vermutet wird. In der unmittelbar danach geöffneten, richtigen Wohnung, trifft das SEK aber keine Personen an.

Nach dem Ende des Einsatzes und dem Ausschluss einer echten Bedrohung, wird der Wohnungsinhaber nochmals von zwei Polizeibeamten besucht und der Einsatzablauf und die polizeiliche Vorgehensweise erläutert. Eine erfahrene Polizeibeamtin drückt dem sichtlich beeindruckten Mann, das Bedauern der Polizei über diese Verwechslung aus. Gemeinsam wird der Schaden an der Wohnungstür begutachtet und der Wohnungsinhaber über die weitere Vorgehensweise aufgeklärt.

Die Polizei übernimmt grundsätzlich die Haftung für Schäden oder Verletzungen bei Unbeteiligten. Die Bearbeitung und Prüfung erfolgt in diesem Fall durch die Abteilung Polizeiverwaltung des Polizeipräsidiums Mainz. Sind Menschen von Straftaten oder polizeilichen Einsätzen besonders betroffen, stehen Sozialpädagoginnen der polizeilichen Opferberatung zur Verfügung. Diese setzen sich dann mit Betroffenen in Verbindung, um weitere Hilfe anzubieten oder bei der Vermittlung weiterer Hilfsangebote zu unterstützen.

Der Polizeiverwaltung des Polizeipräsidiums Mainz liegt der Sachverhalt bereits vor, um möglichst schnell und unkompliziert die Schadensabwicklung durchführen zu können. Der Vermieter der Wohnung steht seit Dienstag mit der Polizei Mainz in Verbindung. Die Opferberatung nahm Kontakt zu dem betroffenen Mann auf.

Um Einsatzabläufe ständig zu optimieren und zu verbessern, bereitet die Mainzer Polizei jede größere Einsatzlage, so auch diese, intensiv nach und passt ihre Einsatzkonzeptionen individuell an.

Wir bedauern, dass es in diesem Fall zu einer Verwechslung gekommen ist und entschuldigen uns gerne öffentlich bei dem betroffenen Wohnungsinhaber. Wir bitten um Verständnis für unser Vorgehen, bei dem die Abwehr von Lebensgefahren für unbeteiligte Menschen  immer im Vordergrund stand. Wir stehen ihm selbstverständlich zur Verfügung, um die Folgen für ihn weitestgehend zu minimieren.

Foto: Sascha Kopp

5 Kommentare “Größerer Polizeieinsatz endet mit Kollateralschäden – sensor Kolumnist unter Schock

  1. Das ist bei meinen Eltern vor einem Monat passiert da wurde der Nachbar um 6 Uhr morgens auch von einem Trupp besucht, mitgenommen und mit einer Entschuldigung wieder nachhause gebracht. Der stand auch Tage lang unter schock!

    Stell einen Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft gegen den ganzen Trupp und die Namen jeden einzelnen Ordnungshüters, wenn du willst das, dass wieder deine Freunde und Helfer werden solltest du, denen auf Augenhöhe begegnen können. Freunde und Helfer kannst du immer auf Augenhöhe begegnen da gibt es kein autoritäres Gehabe, sonst sind es eben nicht Freunde und Helfer!

    Das ist der einzige Rechtsweg/ das einzige Rechtsmittel was du hast.

    Auch, wenn das vielleicht nicht viel bringt, wird dieser Strafantrag in die Akte des jeweiligen Polizisten eingehen. Das setzt schonmal einen Punkt im Lebenslauf/ in der Akte eines Polizisten.

    Wenn du dich misshandelt fühlst, tu etwas das es dir besser geht, kümmere dich um dich.
    Damit du selbst deinen Handrücken streicheln kannst und sagst „gut gemacht Dr. Treznok“.

    Wünsch dir Alles Gute für deine Zukunft!

    Und Kopf hoch immer bedenken es gibt mehr Ar***lö**er als Menschen auf der Welt und Autoritätspersonen die nicht mit „dieser Macht“ umgehen können, sind die größten Schwachmaten.

  2. Wer missglückte SEK-Einsätze für vernachlässigbare Kleinigkeiten hält, irrt sich gewaltig. Das Eindringen im eine Wohnung ohne Rechtsgrund, die Misshandlung von Menschen, die nix unrechtes getan haben, die Zerstörung einer Tür, das alles sind eigentlich Straftaten, teils Grundgesetz-Verstöße. Dass die Polizei das häufig und folgenlos macht, ist ein Problem für den stets widergekäuten Rechtsstaat. Den sich einige Parteien unter dem Nagel gerissen haben. Der Rocker Kalli B. aus Anhausen / Westerwald hat sich vor einigen Jahren gg. SEK-Polizeigewalt erfolgreich gewehrt. Und durch seine Haustür geschossen. Und hat getroffen. Der BGH hat ihn vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Man kann sich also wehren !! In Einklang mit der Rechtsordnung. Wer sich nicht wehrt, hat in Merkel-Land schon verloren. Der Name Merkel ist austauschbar. Was haben Politik und Polizei aus dem Anhausen-Desaster gelernt ? NIX 😟

    1. Es gibt immer nen Stasstsanwalt oder Richter, der die Durchsuchung oder Festnahme anordnet und nen Polizeiführer, der die Taktik bestimmt. So auch in diesem Fall. Da fällt die Wahl als Polizeibeamter vor Ort schon recht dürftig aus.

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