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Food & Culture: Das alte Postlager öffnet nun endlich am 10. Mai

Als Victor Anta-Muñoz, Mitinhaber des Gutleut auf der Ludwigsstraße, das erste Mal die riesigen Räumlichkeiten im Alten Postlager hinter dem Hauptbahnhof gesehen hatte, war er zunächst erschrocken. Hier gastierte zwar schon die Stijl-Messe, und auch die „Körperwelten“ und die Otto- Ausstellung lockten Tausende in das von außen wenig ansprechende Gebäude. Allerdings versprühten die 3000 qm leere Fläche und die kalkweißen Wände, eher den Charme einer Lagerhalle für Tiefkühlkost – mit Eventlocation hatte das wenig zu tun. „Wir haben erstmal Graffiti- Künstler aus ganz Deutschland kommen lassen, die der nüchternen Atmosphäre Charme und Charakter geben sollten“, sagt Victor.

Markthallen-Style

Der Einsatz hat sich gelohnt. „Was wir hier vorhaben, ist ein lebendiges und gelebtes Projekt“, ergänzt sein Gutleut-Partner Fabian Heubel, „wir wollen Mainzer Kreativen einen Raum geben und Leute zusammenbringen. Wir glauben, dass so etwas in Mainz bislang gefehlt hat.“ Fest steht schon jetzt: Auch in den kommenden Monaten wird noch viel passieren. Zwei Jahre läuft der Vertrag mit der Grundstückseigentümerin, der J. Molitor Immobilien GmbH in Ingelheim. Ob das Gebäude dann abgerissen wird oder ob es danach noch eine Verlängerungsoption geben kann, ist aktuell nur Spekulation. „Wir planen auf zwei Jahre und wollen möglichst viel bewegen“, so Heubel. Eigens für das Postlager haben die drei Inhaber (der Dritte im Bund ist Victor Bergmann) die Besserleut GbR ins Leben gerufen.

Skater und Bühnen

Die ersten, die sich im Alten Postlager eine Ecke ausgesucht haben, waren die Mitglieder des Mainzer Rollsportvereins, die eine Mini-Rampe und Halfpipe aus Holz einbauten, um ihre Skate-Ambitionen auszuleben. So ist auf deren Rückseite eine Eventfläche entstanden, inkl. DJ-Platz, Bühnenelementen und einer Holzbar. „Den Bühnenbereich haben wir dem Kollektiv Fuchsbau zu verdanken, die mit Ihrer Kreativität und ihrem handwerklichen Geschick dem Postlager einen besonderen Stempel aufdrücken.“ So gab es bereits an Silvester die große Einweihung. Was die sonstigen Veranstaltungen angeht, steht die Besserleut GbR in engem Kontakt mit der Agentur Inselglück, die Klein- und Großveranstaltungen betreuen. Den größten Raum, und sozusagen das Herzstück im Alten Postlager, nimmt aber der Streetfood-Bereich ein. Fast alles was in Mainz inzwischen kulinarischen Rang und Namen hat, ist hier versammelt: die Weinbar Laurenz, N’Eis, Nigls – mit einem speziellen Teigspeisen-Angebot und „kleine Pause“, die mit ihrem Food-Truck schon für Furore sorgten. Das „an o ban“ bietet seine vietnamesische Küche und auch Marcel Speidels „Edelbeef Fleischboutique“ ist mit an Bord. Das Gutleut ist mit einer großen Bar vertreten. Und in der Mitte stehen reichlich Tischgarnituren und Tafeln mit jeder Menge Sitzgelegenheiten. Geplant ist, dass der Food-Bereich immer freitags ab 16 Uhr, sowie samstags und sonntags ab 12 Uhr geöffnet ist.

Weitere Planungen

„Wir sind aktuell mit vielen Leuten im Gespräch“, sagt Fabian, „unter anderem auch mit den Jungs von Vino Kilo, die inzwischen in halb Europa ihre Events mit Second- Hand-Klamotten veranstalten.“ Ob Festivals, Weinmärkte, Dinner- Events, Skatejams – das Postlager versteht sich nun als Partner und Kulturort, Sammel- und Treffpunkt für Kreative. Am 11. Mai gastieren übrigens zehn Winzer unter dem Motto „Partners in Wine“.

Gekommen, um zu bleiben

Fabian Heubel, der übrigens vor zwölf Jahren zum Archäologie-Studium nach Mainz kam, ist schon lange im Gastrobereich aktiv. Genauso wie Victor Anta-Muñoz, der anfangs Architektur studierte. Victor Bergmann ist Urmainzer und von Haus aus Physiker. Kennengelernt haben sich die drei Kreativen buchstäblich vor und hinter der Theke. Aus einer Schnapsidee wurde dann im April 2014 das Gutleut geboren. Zu dritt treibt sie meistens die gleiche Motivation an: „Wir wollen das kulturelle Leben in Mainz bereichern. Wo andere Probleme sehen, suchen wir nach Lösungen“, so Victor. So gesehen könnte das Postlager auch eine Alternative zum überlaufenen Marktfrühstück werden: „Wir haben Platz, wir haben Angebote und wir haben ausreichend Toiletten“, schmunzelt er. Die haben die Jungs übrigens selbst gebaut. Wie? Ganz einfach. Da hat die Besserleut GbR zwei 40-Fuß-Container gekauft und zusammen mit dem Sanitär-Spezialisten Aydin aus Grolsheim jeweils eine komplette Herren- und Damentoilette eingebaut. So geht kreativ.

Text Michael Bonewitz
Fotos Daniel Rettig (Stick Up Studio)

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