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Flüchtlingsstrom stockt – Stadt schließt Notunterkünfte


Aus der Allgemeinen Zeitung von Kirsten Strasser, (Foto: Katharina Dubno):

Seit die Balkanroute dicht ist, kommen deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland. Das ist auch in Mainz zu spüren. In der Erstaufnahmeeinrichtung Layenhof etwa – in dem Containerdorf, in dem bis vor ein paar Wochen noch rund 500 Männer, Frauen und Kinder untergebracht waren, leben derzeit noch 266 Menschen. Und in der Erstaufnahme Kommissbrotbäckerei in der Neustadt, die Platz für bis zu 800 Menschen bieten sollte, sind es gerade einmal 237, teilt die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) mit.

Die Erstaufnahmen sind Einrichtungen des Landes, hier werden die Flüchtlinge untergebracht, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden. Das Integrationsministerium war trotz mündlicher und schriftlicher Anfragen der AZ nicht bereit oder in der Lage, mitzuteilen, wie es mit den beiden Mainzer Erstaufnahmestellen weitergeht, sollten die Flüchtlingszahlen so gering bleiben. Immerhin – von der ADD war zu erfahren, dass wohl an eine Schließung zumindest einer der Einrichtungen derzeit nicht gedacht werde. Dazu sei die Lage einfach zu unsicher, erklärt ADD-Pressesprecherin Eveline Dziendziol. „Man weiß ja nicht, ob nicht doch eine weitere Flüchtlingswelle kommt.“

Die Erstaufnahme auf dem Layenhof wird vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Bad Kreuznach betreut. „Wir spüren den Rückgang erst seit Kurzem, bis vor zwei Wochen gehörte der Layenhof – wohl eher zufällig – zu den Einrichtungen, die bis an die Kapazitätsgrenze belegt waren“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Jan Kammerer. Nun stehen etliche Container leer. Wie es weitergeht? „Prognosen“, sagt auch Kammerer, „gibt es kaum. Wir warten auf ein Signal des Landes.“ Wie andere Organisationen, die Flüchtlingsheime betreuen, hat auch der ASB dafür zusätzliches Personal eingestellt. „Diese Mitarbeiter wollen natürlich auch wissen, wie es weitergeht.“ Noch sei kein Personal abgezogen worden. Die Stellen seien befristet vergeben worden, „und natürlich ist klar, dass wir nicht alle Mitarbeiter an anderen Stellen unterbringen können.“

Über 1.500 auch dieses Jahr

Auch die Lage in den städtischen Unterkünften hat sich entspannt. „Wir bekommen derzeit Zuweisungen von rund 25 Flüchtlingen pro Woche“, sagt Sozialdezernent Kurt Merkator. Macht rund 100 pro Monat. Zur Erinnerung: Im „Rekordmonat Dezember musste die Stadt 480 Menschen aufnehmen – fast fünfmal so viele. Damals rüsteten sich die Verantwortlichen schon für die fast unlösbare Aufgabe, allein 2016 3.000, 4.000 oder sogar noch mehr Neuankömmlinge versorgen zu müssen.

„Natürlich hatten wir schon Pläne für die Unterbringung in Turnhallen oder Zelten in der Tasche – dort können sie Gott sei Dank bleiben, zumindest vorerst“, sagt Merkator. Trotzdem bleibt die Versorgung der Flüchtlinge eine Herausforderung – in den ersten drei Monaten dieses Jahres kamen immerhin 600 neu dazu, bleiben die Zahlen auf dem Stand von heute, werden es bis Jahresende weitere rund 950 sein.

Notunterkünfte schnell schließen

Derzeit verfügt die Stadt sogar über 300 freie Plätze, vor allem in der Housing Area. Trotzdem, so der Sozialdezernent, bleiben die Planungen weiterer Flüchtlingsunterkünfte aktuell. „Das ehemalige Jobcenter realisieren wir, ebenso das ehemalige Hotel auf dem Layenhof.“ Dort ist derzeit noch die Kleiderkammer drin, die von Ehrenamtlern betrieben wird. „Aber die zieht Ende des Monats in einen der leergewordenen Container“, weiß Merkator.

Auch an Allianzhaus und GFZ-Kaserne als mögliche Unterkünfte sei er nach wie vor interessiert, betont der Dezernent. Der Bedarf sei da. „Wir wollen die Notunterkünfte Peter-Jordan-Schule und Portland-Casino so schnell wie möglich schließen und die Menschen besser unterbringen.“

Arbeit geht nicht aus

Die zusätzlichen Mitarbeiter, die die Stadt wegen der Flüchtlingskrise eingestellt hatte, würden auch weiterhin dringend gebraucht. Sei es bislang vor allem darum gegangen, den Menschen Nahrung und ein Dach über dem Kopf zur Verfügung zu stellen, müsse man sich nun der größeren Herausforderung stellen, sie zu integrieren. Sozial- und Jugendamtsmitarbeiter würden dringend gebraucht, betont Merkator – in problematischen Flüchtlingsfamilien ebenso wie bei der Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF). Deren Zahl steige zwar derzeit nicht weiter an. „Aber wir haben uns um 125 UMFs zu kümmern, das darf man nicht vergessen.“

Auch den Maltesern, die mehrere städtische Unterkünfte betreuen, geht die Arbeit nicht aus. Trotzdem – durchatmen ist möglich. „Es ist einen Tick entspannter geworden“, sagt Flüchtlingskoordinator Behrouz Asadi, „das gibt uns Luft, uns intensiver um die einzelnen Menschen zu kümmern.“