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Erste Liga: Die Tischtennis-Aufsteiger vom FSV Mainz 05

Heimspiel gegen Rekordmeister Borussia Düsseldorf vor rund 500 Zuschauern: 05-Kapitän Luka Mladenovic

Seit Neuestem fasziniert auch Bundesliga-Tischtennis in Mainz: Kamen zu den Zweitliga-Spielen etwa 100 Fans, so sind es jüngst – etwa in der Mainzer Sporthalle Gymnasium Oberstadt gegen die Rheinländer – fünf Mal so viele. Die könnten vor allem bei den Heimspielen die 05er bei der Mission Klassenerhalt nachhaltig puschen. Denn der Tischtennisverein ist angesiedelt bei Mainz 05, die nicht nur im Fußball aktiv sind, sondern auch im Handball und eben im Tischtennis.

Schon einmal stand Mainz ganz dicht vorm großen Abenteuer Tischtennis- Bundesliga (TTBL). Doch als die Cracks des FSV Mainz 05, jahrzehntelang eines der Aushängeschilder im Leistungssport der Region, im Frühjahr 2019 die Meisterschaft in der Zweiten Liga feierten und sich sportlich für ganz oben qualifizierten, passte es noch nicht, in der Eliteliga um Punkte zu kämpfen mit prominenten Klubs wie Borussia Düsseldorf, 1. FC Saarbrücken oder TTC Zugbrücke Grenzau. Die Struktur mit talentierten und regional verwurzelten Spielern sowie international erfolgreichen Cracks war noch nicht vorhanden. Es fehlten auch routinierte Betreuer und Ehrenamtler, um die höheren Anforderungen an Sport und Event zu meistern. Dann, als der „Bruchwegklub“ bereits auf die sportliche und organisatorische Zielgerade eingebogen war, kam Corona in die Quere. Die erste der beiden abgebrochenen Spielzeiten beendeten die 05er auf Rang zwei – mit Aussichten, sich endlich zu belohnen.

Qualifikation erreicht
Erst im März dieses Jahres, im vorletzten Saisonspiel der Zweiten Bundesliga, machte man mit dem Auswärtssieg beim direkten Verfolger TV Hilpoltstein sportlich die Qualifikation für die TTBL perfekt. Die Vereinsführung hatte schon vorher erstmals ihre Unterstützung für den Aufstieg zugesagt. Nun musste es noch nur mit der Lizenzierung klappen. Ende Mai hatte das lange Warten ein Ende: Der Aufstieg wurde endlich amtlich: Zusammen mit einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen hatte die TTBL Sport GmbH die Zulassung der zwölf für die TTBL gemeldeten Klubs nach rechtlichen, personellen, administrativen, infrastrukturellen und finanziellen Kriterien geprüft – und für alle grünes Licht gegeben. „Ein aufwendiger Prozess“, atmet Tomasz Kasica, Sportlicher Leiter und Cheftrainer der 05er, tief durch.

Volle Konzentration: Andrei Putuntica

Spielerkader steht früh fest
In der TTBL vertraut Kasica weiterhin seinem Personal, das den Aufstieg perfekt gemacht hat. Es sind der Luxemburger und Kapitän Luka Mladenovic, der Moldawier Andrei Putuntica, der Türke Abdullah Talha Yigenler (alle 23 Jahre alt) und der Italiener Carlo Rossi (21). Entscheidende Verstärkung erhoffen sich die Mainzer vom bundesliga-erfahrenen Japaner Yuto Muramatsu (25), der wie Mladenovic als einer der wenigen Bundesliga-Akteure das Abwehrspiel famos beherrscht. Die „Multi-Kulti-Truppe“ versteht sich blendend. Sie übt unter der Woche gemeinsam im Tischtennis- Leistungszentrum in Saarbrücken. Rossi trainiert am weiteren Bundesliga- Stützpunkt in Ochsenhausen. Einen Tag vor den Spielen kommen alle zusammen und stimmen sich in weiteren Übungseinheiten auf die Spiele ein. In der zweiten Mannschaft, die immerhin in der Regionalliga spielt, aber auch in weiteren Teams, bereiten sich zusätzliche Talente auf höhere Aufgaben vor.

Sportliche Herausforderungen
„Der Klassenerhalt ist das Ziel – ganz klar“, betont Tomasz Kasica. „Wir geben alles und werden unsere Chance bekommen“, lautet die Devise des Neulings. Weiteres Top- Ziel: „Wir achten sehr auf die Entwicklung jedes einzelnen Spielers und können an Erfahrung nur gewinnen.“ Welch großer Leistungsunterschied zwischen Erster und Zweiter Liga besteht, das haben die jungen Aufsteiger aus Mainz bereits an den ersten Spieltagen zu spüren bekommen: Beim Vorjahres-Letzten TTC Schwalbe Bergneustadt unterlagen die Rheinhessen mit 1:3, im ersten Heimspiel gegen den amtierenden Rekordmeister Borussia Düsseldorf mit 0:3 und in einem Match auf absoluter Augenhöhe im Hexenkessel beim Vorjahresdritten Post-SV Mühlhausen denkbar knapp mit 2:3. Immerhin: Vor allem Kapitän Luka Mladenovic wusste mit seinem Sieg in Bergneustadt gegen den Ägypter Omar Assar (Nummer 19 der Weltrangliste) zu begeistern. Gegen den Düsseldorfer Europameister Dan Qiu verkaufte sich der 05er teuer und knöpfte Qiu immerhin einen Satz ab. Dafür wurde er von den Mainzer Fans frenetisch gefeiert. Ebenfalls stark in Form präsentierten sich in Mühlhausen Putuntica und Muramatsu, die die beiden Punkte sammelten. Einen Befreiungsschlag gab es dann doch noch beim TTF Liebherr Ochsenhausen mit dem ersten Saisonsieg. Neuzugang Muramatsu zeigte, wie wertvoll er für den Mainzer Aufsteiger ist. Einmal mehr punktete Mladenovic mit seinem spektakulären und unorthodoxen Abwehrspiel. In allen Pflichtspielen konnten die 05er zeigen, dass sie durchaus mithalten können: „Wir sind konkurrenzfähig“, bestätigte denn auch 05-Trainer Kasica, der fest auf den Klassenerhalt hofft. Dieser wäre erreicht, wenn die Mainzer im Zwölferfeld mindestens zwei Klubs hinter sich lassen.

www.tischtennis.mainz05.de

Text
Martin Gebhard
Fotos Mainz 05

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