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Der große Test: Orientalische Herrenfriseure in Mainz

Im Mainzer Stadtzentrum gibt es inzwischen mehrere türkisch-arabische Salons, die auch fest auf ihre deutsche Kundschaft bauen. Ihr Geschäftsmodell: mindestens um die Hälfte billiger als andere Salons. Das ist einigen alteingesessenen Geschäften ein Dorn im Auge. Viele dieser Shops arbeiten nicht als Meisterbetrieb, sondern mit einer Sondergenehmigung der Handwerkskammer. Daher dürfen sie auch keine Frauen, sondern nur Männer bedienen. Dabei arbeiten häufig Meister ihres Faches hier, die in Syrien und andernorts gelernt haben, deren Ausbildung hier jedoch nicht anerkannt wird. Das macht es vielen von ihnen schwer, einen regulären Friseurbetrieb zu öffnen oder mehr Geld zu verdienen. Soviel also zu gelungener Integration… Dennoch sind die Friseure bei den jeweiligen Läden heiß begehrt und es kommt immer wieder zu Wechseln. Gutes Personal ist trotz der vieler Angebote in dieser Branche also trotzdem Mangelware. Inzwischen sind allein vom Bahnhof Richtung Bleiche und Neustadt an die zwanzig bis dreißig arabische oder türkische Friseursalons entstanden. Tendenz steigend. Angesichts der 225 Friseurbetriebe in Mainz, wie sie die Handwerkskammer gezählt hat, jedoch nur eine Nische. Zum Standardpreis von zumeist 10 Euro gibt es das volle Paket: Haarschnitt und die Beseitigung kleinster Härchen, Rasur und Waxing. Dafür kommt nicht selten die Minifackel, ein Zwirnsfaden oder eben Wachs zum Einsatz. Schließlich bleibt noch die Domäne der Nassrasur mit Messer. Wir haben einige Shops besucht. Hier unsere Erfahrungen und Tipps.

Chaarisma

Goethepark / Heinrich-Heine-Str. 11

Extrem netter und auch kompetenter Laden direkt am Park auf zwei Etagen. Im unteren Geschoss befindet sich ein Mini Beauty Institut von einer Shamiran. Hier gibt es dauerhafte Haarentfernung, Waxing, Massagen und Peelings. Oben der Friseur-Shop der Gebrüder Ramazan und Mehmet Khan. Weitere Friseure aus Syrien sind mit im Team. Die Stimmung ist brüderlich, Ramazan eigentlich Fliesenleger, sein Bruder kümmert sich um den Shop. Viele Kollegen und Bekannte schauen vorbei. Das Publikum ist bunt gemischt, die Lage am Park beinahe idyllisch. Haare schneiden kostet 12 Euro, der Kinderhaarschnitt ein Zehner. Wir hatten eine geile Nassrasur für 7 Euro, nach der man(n) sich duftend und wie neugeboren fühlt. Dabei war auch eine Ohrenhaar- Entfernung mit kleiner Flamme sowie ein Nasenhaar-Waxing, dass einen mit kurzem Schmerz durchzuckt, dafür aber später freien Raum zum Atmen schafft. Und die Frauen stehen drauf. Authentischer Laden. Empfehlung!

Osman

Barbarossaring 3

Endlich mal unter Männern! Auf vier Plätzen pflegen 05-Fan Osman Gürel und seine Jungs den Haarwuchs der Geschlechtsgenossen. Die Nassrasur einschließlich Bartschnitt und aller Nebenschauplätze (Nase, Ohren, Augenbrauen, Nacken) kostete 10 gut angelegte Euro: schnell, sorgfältig und sensibel. Um am regen Gespräch an diesem Neustadt-Treffpunkt teilzunehmen, sollte man allerdings türkisch können. Täglich außer sonntags bis 20 Uhr geöffnet.

Friseur Paris

Ecke Zanggasse / Hintere Bleiche

Im Bleichenviertel ist von den fünf Sesseln bei „Friseur Paris“ immer einer frei. Hier geht es nicht selten um „Nacken 2 oder Null“ – womit die Einstellung des Langhaarschneiders gemeint ist. Fix und effektiv geht es mit Rasiergel (statt Schaum) zur Sache. Das Messerchen kratzte etwas spürbarer als sonst, und der abschließende Sprühangriff mit Duftwässerchen war etwas aufdringlich. Doch das erfrischende Gefühl, das kein High-Tech- Braun-Brummer zu Hause vermitteln kann, hält den ganzen Tag. Für einen normalen Haarschnitt verlangt man hier 10 Euro. Wer Extrawünsche, wie Bartstutzen hat, muss draufzahlen.

Fayez

Emmeransstraße 34

Auch in teurerer Innenstadtlage gibt es gute Barbiere. Der Jordanier Fayez und seine Leute verschönern Männer seit gut einem Jahr in großzügigem und modernem Ambiente mit Neigesesseln. Zu orientalischen Klängen stutzt Mustafa aus Syrien ruhig, feinfühlig und sehr exakt Bart, Augenbrauen und andere Gewächse nach Wunsch. Die Messerrasur war sanft und kaum spürbar. Die Zugabe am Ende: eine kleine Schultermassage. 15 gut angelegte Euros, einfache Rasur wie üblich nur 10. Ein Favorit.

Mainzer Barbershop

Kaiser-Wilhelm-Ring 72

Im Barbershop kann man sich auch ohne Termin Haare und Bart schneiden lassen. Uns frisierte Mohammad, ein Syrer. Er kam vor drei Jahren nach Deutschland und beherrscht die Sprache schon richtig gut. Seine eigenen, recht langen Haare versteckt er unter einer Schirmmütze, ist gut gelaunt und macht auch mal Scherze, wie die Schere so anzusetzen, als wolle er fast alles abschneiden. Alles geht schnell, das Ergebnis ist akkurat und ein Tee wird vom Kollegen serviert. Sauber, hell und gemütlich ist es hier, selbst beim Warten auf Sofas. Die Preise sind günstig, für Schüler und Studenten mit 20 Prozent Rabatt auf alles: Kinder bis 10 Jahre werden für 8 Euro frisiert, Augenbrauen zupfen macht 7 Euro, Bartschneiden 8 bis 10 Euro, Haarschnitt 12 Euro, mit Waschen und Styling 14 Euro.

Yilmaz Friseursalon

Mittlere Bleiche

Yilmaz Friseursalon ist ein türkischer Laden. Die Mitarbeiter sind alle jung und sehr nett. Auch wird großer Wert auf Sauberkeit gelegt. Zudem ist der Service ganz gut. Einen Termin kann man, muss man aber nicht vereinbaren. Ab und an kommt es zu Wartezeiten, wenn man spontan vorbeischaut, aber in der Regel kommt man hier gleich dran. Ich ließ mir nur die Haare schneiden. Waschen, Schneiden und Stylen kostet insgesamt 15 Euro für einen Herrenschnitt. Hier sind dennoch beide Geschlechter willkommen. Alles in Allem ein guter Friseursalon, den man gut und gerne weiterempfehlen kann.

Image

Frauenlobstraße / Ecke Boppstraße

Seit 2010 gibt es den „Image“ unter Murat Erbag, einem Türken. Ein osmanischer Krummsäbel am Tresen sowie türkische Bilder an den Wänden zieren den ansonsten in schwarz gehaltenen Laden. Ausschließlich Herren werden bedient, und alles ist ein wenig teurer, um die zwei bis drei Euro. Man will damit eine „bessere“ Kundschaft ansprechen, viele Deutsche kommen hier her, 70-80 Prozent der Besucher machen sie aus. Haare schneiden liegt bei 13, rasieren bei 10 Euro. Den Kinderhaarschnitt gibt es für nen Zehner. Vormittags hat man gute Chancen direkt dran zu kommen, nachmittags ist die Wartezeit etwas länger. Murat ist schon über zwanzig Jahre Friseur. Er hat sein Handwerk vom Vater gelernt, auch seine Frau ist Friseuse. 4 bis 5 Mitarbeiter komplettieren sein Team, darunter auch sein Bruder, irgendwie alles Familie. Typisch orientalisch.

Barber Club

Bahnhofstraße 17, neben „Crazy“

Neu in Mainz ist der Barber Club. Direkt nebendran ist der „Crazy-Puff“ zuhause. Der Laden wirkt innen groß, hinten die Theke hat Bartresen- Charme. Ein Hund namens Chico hängt ab – sonst ist nicht so viel los, so dass weder Termin noch Wartezeit von Nöten sind. Schnell und etwas hektisch entsteht der Schnitt (für 12 Euro), ganze 18 Minuten inklusive Fönen. Ein Gespräch entsteht nicht. Mit Waschen wären es 15 Euro gewesen. Bartschneiden hätte 8 Euro zusätzlich gekostet, Augenbrauenzupfen 7 Euro. Überraschung: Es schnippelt hier die Frau. Als diese zum Schluss fragt, ob alles in Ordnung sei, lautet meine Antwort und somit das Fazit: „Ging schnell. Ist kurz genug und kann man so lassen“. Übrigens werden hier auch Damen (Strähne 2 bis Färben 35 Euro) und ab 10 Euro Kinder frisiert. Fällt aus der Reihe.

Test Minas, David Gutsche, Isa Kabaki, Thomas Schneider Fotos Stephan Dinges

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