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So wohnt Mainz: Das Abgeordnetenhaus des Landtages

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von Monica Bege, Fotos: Frauke Bönsch

Arbeiten, wohnen, schlafen – an zwei bis drei Tagen in der Woche genügen Manfred Geis für diese Tätigkeiten rund 20 Quadratmeter. Dann hat der SPD-Landtagsabgeordnete die kommunale Weide seines Heimatwahlkreises Bad Dürkheim verlassen und vertritt seine Region im Mainzer Landtag. So wie die übrigen einhundert rheinland-pfälzischen Kollegen auch.
Büroschlaf erlaubt
Gerieten früher Wege oder Tage für die Parlamentarier zu lange, ging man ins Hotel. 1999, mit Fertigstellung des Abgeordnetenhauses, änderte sich das. In den vier nach Fraktionen getrennten Geschossen reihen sich Zimmer gleichen Zuschnittes aneinander. Oberflächlich gaukeln sie Bürooptik vor, sind aber auch für die Übernachtung konzipiert. „Man kann sich nun spontan fürs Bleiben entscheiden, die Wege sind kurz, alles was man braucht ist da. Das ist genial“, so der Part-Time-Mainzer Geis und verweist auf WC, Dusche und dezente Durchgangs-Küchenzeile. In deren Hängeschränken lagern sowohl Gläser als auch Kleidung. Darunter ein Spülbecken und ein hochkant gestellter Zweiplattenkocher. Seit 14 Jahren wartet er schon geduldig auf seinen Ersteinsatz. Beschäftigt ist dagegen der Kühlschrank, er kümmert sich um Marmelade, Schokolade, Kräuterquark und Weißwein. Die hohe Tür in der Büroschrankwand – ein Fake. „Das ist meine Pritsche“, grinst Geis und klappt die Schlafstatt knapp an der Schreibtischplatte vorbei in die Horizontale. Das macht er oft. Öfter als die Kollegen. Warum? Er habe es nicht so mit der Technik und infolgedessen keinen Führerschein. Selbst ohne derzeitigen Bahn-Ausnahmezustand fehle es an guten abendlichen Verbindungen Richtung Pfalz. Ein gewichtigeres Argument sei allerdings auch der lockende Ruf der Landeshauptstadt. „Es gibt so viele kulturelle Angebote, tolle Kneipen und Gaststätten mit unangestrengtem Publikum. Menschen treffen und erzählen oder einfach abends am Rhein entlang radeln – ganz spontan, das ist sehr schön“, schwärmt Geis von Mainz. So gesehen erscheint die kompakte Zimmer-, Sanitär und Küchenfläche mehr im Lichte einer Studentenbude. Zu eigenen Universitätszeiten konnte er sie sich nicht leisten. Der späte Geis, nun hat er sie. Nostalgisch, wenn auch mit melancholischem Einschlag, ist auch die Musik, die aus seinem alten CD-Player wummert: Canned Heat & John Le Hooker. Dies oder wilden Balkanrock dreht er gerne auf, wenn er nachts in seinem Zimmer im größtenteils verlassenen Abgeordnetenhaus sitzt. Manchmal sind es auch Schuberts klassische Stücke, die den Raum klanggewaltig fluten. Die Wandisolierung ist exzellent, über die Lautstärke hat sich bisher noch niemand beschwert.

Kunst- und Kulturliebhaber
Mit grauer Löwenmähne und Björndal-Pantoletten trifft Manfred Geis das landläufige Bild des unabhängigen und freigeistigen Künstlertypen. „Früher Stüwaren die Haare noch länger. Dass mich die SPD damals direkt nach der Uni als Geschäftsführer überhaupt genommen hat, ist mir heute noch ein Rätsel“, schmunzelt er. Von seinem politischen Schwerpunktthema, der Kultur, ist es nur ein kleiner Schritt zur bildenden Kunst. Sie ist in seinem Alltag präsent, das bezeugen die vielen Bilder und Objekte in seinem Raum. Manche Stücke bleiben nach den Ausstellungen bei ihm hängen oder finden den Weg auf ein Regal. Zu jedem gibt es eine Geschichte. Mit Verweis auf den Respekt vor der Professionalität ist er selbst nicht kreativ tätig – das überlässt er den Künstlern. Und die gehen mit ihren Werken fünfmal im Jahr in seinem Mainzer Büro-Wohn-Schlafzimmer ein und aus. Dann nämlich wird es zur Galerie. Nicht als Eintagsfliege. Am 24. September eröffnet die 65. Ausstellung der „Kunst im Abgeordnetenbüro“. Diesmal mit einer Fotografin und Videokünstlerin. Das Publikum hat sich im Laufe der Jahre eher verjüngt, geblieben ist die lockere und unprätentiöse Atmosphäre. Auf eröffnende Grußworte als Zeichen der Wertschätzung für Künstler und Gäste, die oft von weit her kommen, verzichtet Geis dabei nie. Die lebendigen und angeregten Fachgespräche und Diskussionen an den Stehtischen auf dem Flur vor seinem Zimmer entwickeln sich anschließend von alleine. Und wie trifft er die Auswahl der Künstler? Mal wird er angesprochen, mal spricht er an. „Ich bin kein Galerist oder Kunsthistoriker, aber ich habe großes Interesse an zeitgenössischer Kunst“, erklärt Geis. Wichtig ist ihm allerdings, dass er eine Beziehung zu dem ausstellenden Menschen aufbauen könne. Ende September ist er zum ersten Mal beim Mainzer Kunstwochenende „3 x klingeln“ mit dabei – für ihn ein kleiner „Adelschlag“ und weiterer Beleg, dass ein Büro auch privater Lebensraum sein kann.