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Bühnenfieber: Die Musical Inc. tanzt und singt seit 25 Jahren

Ein bunter Menschenpulk auf der Bühne. Verschlungene Körper, zuckende Arme. Hier im P1 Gebäude auf dem Campus der Universität probt die Musical Inc. ihre neue Produktion „Natürlich Blond“. Es wird gedehnt, gestreckt, gehüpft und gesungen. Ein Durcheinander auf den Brettern. Der Schein trügt: Auf Kommando formieren sich die etwa 40 Ensemble-Mitglieder zu einem homogenen, singenden Schwarm, der in nahezu perfekter Synchronizität über die Bühne schwebt. „Und 1,2,3,4, Arme!“, dirigiert Choreographin Sina Eckardt quer durch den Hörsaal. „Ihr müsst das Publikum mit euren Bewegungen abholen. Wir transportieren hier ein Gefühl, Leute!“

Euphorische Stimmung

Es ist dieses Gefühl der grenzenlosen Euphorie, für das Musical Inc. bekannt ist. Das Stück (Natürlich Blond) basiert auf dem gleichnamigen Film und erzählt die Geschichte der Blondine Elle, die sich nach der Trennung von ihrem Verlobten zum Trotz als Jurastudentin in Harvard einschreibt. Quirlig und naiv wird sie bald von einer Außenseiterin zur selbstbestimmten Frau, die sich nicht mehr von Männern abhängig machen will. In der Musicalversion wird die schrille Story von ebenso schrillen Songs und Tanzeinlagen untermalt. „Das ganze Stück ist eine einzige Choreographie“, sagt Regisseur Steffen Starck. Jede Bewegung ist einstudiert, alles ist in einem Fluss mit Gesang und Text. Die Akteure sind somit Sänger, Tänzer und Schauspieler in einem, daher wird von Anfang an alles zusammen geprobt. Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Teil auf der Strecke bleibt. „Der Gesang hat heute nicht so gesessen“, bemerkt Steffen zur Probe, „aber dafür war die Choreo top.“

Hobby mit Herzblut

Marie Friedl ist neben Steffen für die Regie zuständig. Neben ihrer Funktion als Regisseurin wirkt sie auch als Darstellerin mit. Wie die meisten Mitglieder stemmt sie die Proben ehrenamtlich neben dem Studium. Um die aufwendigen Produktionen zu finanzieren, muss jeder mit anpacken: stundenlang proben, am Ticketverkauf herum lungern oder auf dem Campus Waffeln verkaufen. Gestartet vor 25 Jahren als Hochschulgruppe der Fachbereiche Film- Kultur- und Theaterwissenschaft, ist die Musical Inc. seit 2008 ein eingetragener Verein. Für ihre demokratischen Strukturen wurde sie bereits von der EU als Jugendinitiative des Jahres ausgewählt. Pro Jahr gibt es eine große Inszenierung: Im vergangenen Jahr „Big Fish“, 2012 Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ und 2008 „Hair“. Maske, Bühne und Kostüm werden aus der Vereinskasse finanziert und innerhalb des Ensembles organisiert. Mittlerweile ist die „Inc.“ in Mainz weit über die Grenzen des Campus bekannt und zählt auch nicht-studentische Musical-Nerds zu ihren Mitgliedern.

Laien und Profis

Immer im Herbst wird zum Casting geladen. Mitmachen kann im Grunde jeder, der sich für Musicals begeistert und ein wenig Talent mitbringt. Neben Laien und Hobbysängern stehen auch ausgebildete Tänzer und Darsteller auf dem Parkett. „Wir hatten schon richtige Musical-Profis im Ensemble, die Erfahrungen abseits der großen Produktionen sammeln wollten“, erzählt Marie. Umgekehrt haben auch schon Laien-Mitglieder Karriere im Big Business gemacht. „Einige schaffen den Absprung, und starten als Darsteller, Bühnenbildner oder Regisseure durch. Doch für die meisten bleibt es eher ein Hobby.“ Auch Marie könnte sich eine Karriere als Darstellerin oder in der Regie vorstellen, bleibt aber realistisch: „Ich bin Musicalfan seit ich mit acht zum ersten Mal Tanz der Vampire gesehen habe“, grinst die 26-Jährige, „aber ob das reicht, um es zum Beruf zu machen, weiß ich nicht. Erst mal den Master fertig machen.“

www.musicalinc.de

Premiere am 24. Mai

Text Ida Schelenz Fotos Domenic Driessen

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