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Bewerbungsfrist zur OB-Wahl ist vorbei – Fünf Kandidaten im Rennen

Tabea Rößner, Michael Ebling & Nino Haase bilden das Führungstrio (Fotos: Sascha Kopp, Lukas Görlach; Montage: VRM/zink)

Die Bewerbungsphase um das Amt des Oberbürgermeisters von Mainz ist nun offiziell abgeschlossen. Fünf Kandidaten befinden sich im Rennen: Amtsinhaber Michael Ebling (SPD), Tabea Rößner (Grüne) und Nino Haase (unabhängig). Dazu kommt Martin Malcherek (Linke) sowie Martin Ehrhardt (Die Partei). Die Oberbürgermeisterin / der Oberbürgermeister wird am 27. Oktober von den wahlberechtigten Bürgern der Stadt für die Dauer von 8 Jahren gewählt. Die offizielle Amtszeit beginnt am 18. April 2020. Der neue OB wird in ein Beamtenverhältnis auf Zeit berufen und erhält einen Bruttolohn von 10.624,76 Euro.

Der Macher
Nino Haase ging relativ früh ins Rennen, bereits ab Januar, vorgeschlagen von der CDU, mittlerweile auch mit Unterstützung von ÖDP und Freien Wählern. Haase war und ist großer Aktivist bei der Bibelturm-Nummer und auch durch seinen Auftritt bei Stefan Raab (Schlag den Raab) vielen Mainzern ein Begriff: „Ich möchte Brücken bauen. Mainz hat unfassbar viel Potenzial. Dieses muss aber besser genutzt werden. Ich bin ein politischer Mensch, aber kein Parteisoldat. Mainz braucht einen Neustart.“ Sein Konzept findet man unter dem Motto „Mainz braucht einen Zukunftsplan“ auf www.mainz-machen.de. Entsprechende Plakate hängen, Aktionen laufen. Nino Haase: der Macher also. Kämpfernatur, Wissenschaftler und Millionär.

Die Grüne
Tabea Rößner ließ sich am 7. Juni von den Grünen aufstellen. Die Noch-Bundestagsabgeordnete sagt: „Ich will neue Impulse setzen. Für moderne Mobilität, für die soziale Stadt, für Familien, für Klimaschutz. Kurz: Für ein lebenswertes Mainz“. Ihre Entscheidung sei über Monate gereift. In den Mittelpunkt ihres Programmes stellt sie die Themen Wohnen, Familie sowie Mobilität und Digitalisierung. Es sei ihr wichtig, dass Politik Perspektiven dafür eröffne, wie sich Mainz entwickeln muss. „Es geht nicht darum, den Mangel zu verwalten, sondern die Zukunft zu gestalten“. Außerdem müsse Mainz eine Fahrradstadt sowie „Green Smart City“ werden. Zudem wünscht sie sich Mainz als Kulturhauptstadt Europas: www.tabea-roessner.de.

 

 

Der Amtsinhaber
Mitte Juni erfolgte die offizielle (Wieder)Nominierung von Michael Ebling durch die SPD mit einem Paukenschlag: Ebling stellte ein umfangreiches Wahlprogramm vor, das in einem Punkt sofort eine größere Debatte auslöste. So plädiert er für einen neuen Stadtteil auf einer Fläche zwischen Hechtsheim und Ebersheim. Nicht nur die CDU regte sich darüber auf, weil es ursprünglich einmal ihr Vorschlag war; zusätzlich wird aktuell vermehrt über Frischluftschneisen in Mainz diskutiert. Die könnten durch einen neuen Stadtteil noch weiter eingeschränkt werden. Ganz abgesehen von der um sich greifenden Flächen-Versiegelung und der Mainzer Keselllage. Diesem komplexen Thema werden sich in Zukunft wohl alle Kandidaten widmen müssen. Dafür punktet Ebling mit einer soliden Politik und hohen Bekanntheitswerten (der einzige waschechte Meenzer).

Der linke Anwalt
Mitte August nominierten die Linken ihren Kandidaten, denn: „Wenn sie sich das Programm von SPD und Grünen anschauen, dann werden sie sehen, dass dort nichts zu erwarten ist“, erklärt Martin Malcherek seinen Antritt. Mit sozialen, gar sozialistischen Forderungen geht der 46-jährige Anwalt an den Start. Seine Themen sind einer sozialere Wohnungspolitik, eine klima- und menschenfreundliche Verkehrspolitik, die Vergünstigung des ÖPNV, (Sub) Kultur fördern und die Enteignung von leerstehenden Gebäuden. „Ein Weiter so` kann und darf es nicht geben. Wir brauchen einen radikalen Politikwechsel!“, fordert er und stellt auch das Ziel der schwarzen Null im Haushalt in Frage. Im Moment seien Investitionen und weitere Schulden nötig. Und kein Scherz: Der ehemalige Kostheimer besteht auf die Wiedereingemeindung von Amöneburg, Kostheim und Kastel. Die Leute dort fühlten sich Mainz zugehörig.

Der Mittelfinger
Last not least möchte Martin Ehrhardt, der Kandidat der Partei „Die Partei“ die Kaiserstraße zur begrünten Picknickmeile machen. Am deren Ende soll ein riesiger roter Mittelfinger in Richtung Wiesbaden zeigen. Tatsächlich setzt Ehrhardt aber auf diplomatischen Austausch: „Ich persönlich würde mich über einen ‘Spiegel’ aus Wiesbaden freuen.“
Die Wiedereingemeindung oder „Befreiung“ der ehemaligen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim ist außer der Einführung eines „reißfesten gelben Sacks aus Wellblech oder Beton“ noch ein Punkt auf seiner Agenda, gleich wie bei den Linken. Außer satirischen Programmpunkten möchte Ehrhardt aber auch Themen wie bezahlbaren Wohnraum ansprechen, ein Problem, mit dem er sich bereits in seiner Masterarbeit über die „Gentrifizierungseffekte“ am Beispiel des Zollhafens auseinander gesetzt hat.

Wenn der Run der Grünen jedenfalls so weitergeht und Nino Haase ebenfalls clevere Ideen beweist und auch die verärgerten Bürger ins Boot zu holen versteht, dann muss sich Amtsinhaber Michael Ebling ernsthaft Sorgen um seinen Job machen. Schafft es der Kandidat am 27. Oktober nicht, die erforderliche Mehrheit zu erreichen – was als sehr wahrscheinlich gilt – muss er oder sie in die Stichwahl am 10. November! Und hier sieht es ganz nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Aber wer gegen wen, ist dieses Mal nur schwer abzuschätzen.
Die heiße Phase des Wahlkampfs hat begonnen!

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