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Baustellenchaos Mainz – Stadt will Kommunikation verbessern

Ist man derzeit in Mainz unterwegs, kommt man einfach nicht an ihnen vorbei: Baustellen. So schlimm wie das derzeitige Chaos war es schon lange nicht mehr. Das halbe Straßennetz scheint aufgerissen und von Warnbaken versperrt. Die Stadt gibt Versäumnisse zu. Eine externe Firma soll nun bei der Abstimmung helfen.

Mainz im Sommer 2017: Die Baustellenübersicht der Stadt zeigt eine Flut von roten Warnschildern. 2.000 Baustellen in ganz Mainz! Ganze Straßen sind gesperrt. Vor allem die Bahnhofstraße gleicht einem Trümmerfeld. Hier entsteht seit drei Monaten ein neuer Boulevard. Die alte Straßenbahntrasse wird um zweieinhalb Meter in Richtung Sparkasse verlegt, weg mit der Autospur. Die Neugestaltung ist nur ein kleiner Teil des „Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK)“, um die gesamte Innenstadt aufzuwerten. Herz der Umbaumaßnahmen ist die komplette Achse Bahnhofstraße, Langgasse und Ludwigsstraße. Rund 16 Mio. Euro an Fördermitteln stellt das Land dazu bereit. Auch auf der Schillerstraße fahren derzeit nur noch die Bagger. Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) verlegt neue Gleise. Für den Normalverkehr gilt bis zum 22. September Vollsperrung. Alle Buslinien werden über die Große Langgasse umgeleitet, was für weitere Staus und Behinderungen sorgt.

Lage angespannt

Ähnliche Bilder in der ganzen Stadt. Auch die Saarstraße wird zwischen Europakreisel und Autobahn-Auffahrt ausgebessert und bis voraussichtlich 18. August auf jeweils eine Spur verengt. Immerhin in den Sommerferien. In der Weißliliengasse sanieren die Stadtwerke das Stromnetz, die Verkehrsführung wird geändert. Baustellen und Umleitungen auch in der Windmühlen- und Emmeranstraße, in der Ober- und Neustadt.

Hinzu kommt das Nadelöhr Schiersteiner Brücke. Die Autobahnbrücke über den Rhein zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz wird komplett erneuert. Seit Monaten ist an der Anschlussstelle Mombach nur eine Fahrspur für den Verkehr offen. Zu Stoßzeiten bildet sich hier täglich ein Rückstau bis weit in die Stadt. Viele Autofahrer versuchen den Stau über den Mombacher Kreisel zu umfahren, doch auch der ist überlastet.

„Die Lage bei der Zuwegung zur Innenstadt ist so angespannt wie noch nie“, gibt OB Ebling zu. Die Baumaßnahmen seien aber notwendig. „Kritik an Schlaglöchern, maroden Versorgungsleitungen oder fehlendem Wohnungsbau bei gleichzeitigem Unverständnis über dafür notwendige Baumaßnahmen, das passt nicht zusammen“, kritisiert er die Kritiker. Dabei ist es vor allem die schiere  Masse an Gleichzeitigkeit, die viele nervt. Nicht nur die Stadt, auch die Verkehrsbetriebe, der Landesbetrieb Mobilität, die Stadtwerke und andere „Versorger“ buddeln in Mainz. Bei der Kommunikation gibt es Nachholbedarf.

Umsatzeinbußen im Handel

Auch einige Gastronomen und Einzelhändler fürchten um ihre Existenz. Laufkundschaft kommt teilweise nicht mehr an die Läden ran. Der Einzelhandelsverband Mittelrhein- Rheinhessen-Pfalz kritisierte die Baustellenplanung der Stadt als unübersichtlich und geschäftsgefährdend. Die Innenstadt sei durch die Baustellen in den Einfahrtsstraßen „quasi lahmgelegt“. Vor allem die Sperrung der Schillerstraße sorgte für Unmut. Einige Einzelhändler kritisierten, sie seien erst wenige Tage vor Beginn der Baumaßnahmen informiert worden. Die MVG räumte bereits Fehler ein. Auch OB Ebling war wenig amused: „Die Bauarbeiten in der Schillerstraße und am Schillerplatz waren nicht kommuniziert. Solche Dinge müssen wir in Zukunft anders anpacken.“

Externe Berater

Eine Maßnahme steht bereits fest: Die Stadt hat eine externe Firma aus Darmstadt beauftragt, die in Sachen Infrastruktur-Management zusätzlich beraten soll. 94.000 Euro Kosten fallen an. Ziel sei das Finden einer Organisationsstruktur, in der alle beteiligten Ämter, sowie Externe besser miteinander koordiniert werden. OB Ebling betont: „Es ist nicht Aufgabe des Beraters, die Baustellen im Stadtgebiet zu koordinieren, dies ist nach wie vor Aufgabe der städtischen Mitarbeiter in den zuständigen Abteilungen.“

Die CDU sieht das als Ohrfeige für Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne). „Man hätte bei dieser wichtigen Frage schon viel weiter sein können, wenn man denn gewollt hätte“, sagt CDU Fraktionsvorsitzender Hanns-Georg Schönig. Und auch die SPD gibt zu: Es wirkt oft so, als seien die Baustellen nicht aufeinander abgestimmt und als würden die Einschränkungen im Verkehr noch verstärkt. Doch Eder entgegnet viele Probleme seien für den Außenstehenden kaum erkennbar. Und die Zahl der bei der Stadt angemeldeten Baustellen steige: „Wenn die Bahnhofstraße fertig ist, die Schlaglöcher auf der Saarstraße weg sind und die Mainzelbahn wieder durch die Innenstadt fahren kann, werden wir sehen, was wir alles für die Stadt erreicht haben. Wir machen die Stadt fit für die Zukunft.“

Soweit die gute Nachricht: Spätestens bis zum 3. Oktober dürften einige Umbauarbeiten, wie die am Münsterplatz, beendet sein, denn dann findet die Feier zum Tag der Deutschen Einheit statt. Hier will sich die Stadt sicher nicht als Groß- Baustelle präsentieren. Zudem sind an die 100.000 Gäste auf ein funktionierendes Schienennetz angewiesen. Der Zeitdruck bedeutet aber auch vermehrte Arbeiten, selbst nachts und am Wochenende. Und: Die Ruhe-Phase ist trügerisch. 2018 stehen schon die nächsten Großprojekte an, unter anderem die Erneuerung der Großen Langgasse, inklusive Abriss der Residenzpassage. Spätestens nach Fastnacht 2018 beginnen die Arbeiten.

von Florian Barz
Foto: Sascha Kopp

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