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Ausstellung „Der Mainzer Domschatz – Meisterwerke aus 1000 Jahren“

Die Sonderausstellung „Der Mainzer Domschatz – Meisterwerke aus 1000 Jahren“ im Mainzer Dom- und Diözesanmuseum stellt die Entwicklung und das Ende des „alten“ Mainzer Domschatzes vor und präsentiert, erstmals vereint in einem Raum, jene Objekte, die 1803 der Vernichtung entgingen und heute noch vor Ort erhalten sind. Am Freitag, 25. November, wird der Mainzer Domdekan Henning Priesel die Ausstellung in der Memorie des Mainzer Domes eröffnen. Zu sehen ist die Sonderausstellung bis Sonntag, 19. März 2023.

Begleitend zur Ausstellung erscheint im Verlag Schnell & Steiner ein umfangreicher Bestandskatalog, der die wichtigsten Werke des Domschatzes umfassend in Text und eigens angefertigten Neuaufnahmen vorstellt. Das Buch ist der vorgezogene dritte Band der Auswahlkataloge des Museums. Der zweite und abschließende Band zu den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Kunstwerken des Museums ist für das Jahr 2025 vorgesehen, wenn das Mainzer Dom- und Dommuseum 100 Jahre alt wird.

Der Mainzer Domschatz galt einst als einer der bedeutendsten des Abendlandes, doch 1803 ließ ihn der letzte Mainzer Erzbischof Karl Theodor von Dalberg aus Furcht vor französischen Ansprüchen einschmelzen. Seither ist der „neue“ Domschatz wieder auf etwa 400 Goldschmiedearbeiten angewachsen. Zuletzt habe das Dommuseum in diesem Jahr rund 200 Objekten als Dauerleihgabe bekommen, erläutert Wilhelmy. „Das ist der größte Zuwachs seit Bestehen des Museums.“ Beim Domschatz handelt es sich im liturgische Gerätschaften aus 1000 Jahren. Hierzu zählen neben Werken aus dem Umfeld von Erzbischof Willigis (975-1011) und weiteren Exponaten aus mittelalterlicher Zeit auch barocke Spitzenstücke wie die heute noch in der Liturgie genutzte „Große Prunkmonstranz“ oder die vom französischen Kaiser an Bischof Colmar (1802-1818) geschenkte Napoleonsgarnitur. Auch der Martinusstab von Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1850-1877) wird heute noch von den Mainzer Bischöfen an hohen Feiertagen in der Liturgie genutzt. Ein eigener Raum der Sonderausstellung beherbergt ausschließlich Objekte, die in den letzten zehn Jahren den Weg aus der Liturgie in die museale Obhut genommen haben. Zu sehen ist unter anderem auch der Kelch, den der Mainzer Kardinal Karl Lehmann anlässlich seiner Kardinalserhebung von seiner Titelkirche San Leone in Rom geschenkt bekommen hat.

Dr. Winfried Wilhelmy, der Direktor des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums: „Der Domschatz war immer auch ein politisches Instrument, um Herrschaftsansprüche deutlich zu machen“. Er verwies außerdem darauf, dass mit der Arbeit an der Ausstellung auch ein großer wissenschaftliche Forschungsertrag verbunden sei. So sei der Domschatz anhand der erhaltenen Inventare rekonstruiert und erstmals in seinem kirchenpolitischen Kontext analysiert worden. Gelungen sei auch der Nachweis einer lückenlosen Provenienz der Napoleonsgarnitur und der Nachweis, dass die „Große Prunkmonstranz“ das Herzstück der barocken Ausstattung des Westchores im Dom war. Die wissenschaftliche Aufarbeitung des Mainzer Domschatzes sei bislang nur ansatzweise erfolgt. Und in seinem Geleitwort zum Katalog schreibt der Mainzer Domdekan Henning Priesel zu den Ausstellungsobjekten: „Sie gehören zu den Meisterwerken des europäischen Kunsthandwerks und verdienen es, erstmals umfassend in Farbe und im Detail abgebildet und wissenschaftlich in die Tiefe gehend bearbeitet zu werden.“

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