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Ankommen in Mainz – Ansichten unserer Stadt aus allen Richtungen

Nach Rom führen bekanntlich viele Wege – nach Mainz auch. Aus allen Himmelsrichtungen kann man die Stadt erreichen, ob mit dem Zug, dem Auto, per Flugzeug oder Flixbus, als Fahrradwanderer oder auf Schusters Rappen – und nicht zuletzt mit der Köln-Düsseldorfer auf dem „Schiffschebootsche“ oder auf schwimmenden Hotels aus der Schweiz oder Holland. Was uns Mainzern vielleicht gar nicht mehr auffällt, ist für Besucher, die noch nie hier waren, der „erste Eindruck“ – ganz konkret und visuell. Wie sieht das Antlitz unserer Stadt aus? Das haben wir uns gefragt. Und der erste Eindruck kann ja entscheidend sein, wie man weiß.

„Von hinten“ über die Schiersteiner Brücke

Aus Wiesbaden kommend sieht man von Mainz gar nichts außer Schornsteinen und Hochhäusern. Auf der Schiersteiner Brücke ist jede Sicht auf die Stadt durch Sichtblenden versperrt, eigentlich überflüssig, denn es gibt nichts, was den Blick von der Fahrbahn ablenken könnte. Hat man die Mombacher Abfahrt erwischt, grüßt ein ultrafeines Graffito für die Ultras von einem Brückenpfeiler und deutet an, dass hier (noch) Bundesligafußball zuhause ist. Und dann der Froschkreisel, eine absurde Gebirgslandschaft mit Grashügeln und Basaltsteinen. Dahinter ein schnurgerades Spießrutenfahren durch Industrie, Tankstellen und Autohändler. Wenn man dann auch noch aus Versehen die marode Hochstraße erwischt hat und sich anschließend in der Mombacher Straße über einen jüdischen Friedhof irgendwo zwischen Farbenhandel und portugiesischem Sportclub wundert, deutet erst die Rückseite des Bahnhofs an, dass man womöglich so etwas wie ein Stadtzentrum erreicht hat.

Ein richtiges Tor

Irgendwoher aus Rheinhessen kann man auch anreisen, gemütlich über Bretzenheim oder Hechtsheim. Wenn man bis dahin noch nichts von der Großstadt Mainz bemerkt hat, demonstriert zumindest das Gautor: „Hier beginnt die Stadt“. Durchfahren kann man zwar nicht (geht ja auch nicht beim Brandenburger Tor oder dem Pariser Triumphbogen), aber bis auf die Reste der Festungsanlagen am Rhein gibt’s auch keine anderen Tore mehr in Mainz. Also abwärts durch die Gaustraße geschlängelt, die Stephanskirche rechts steht im Reiseführer, und dann ist man auch schon gleich bei den Barockhöfen an der Schillerstraße. Ja, da stellt sich Stadtgefühl ein. Und dass hier mal Bomben fielen, steht nur in den Büchern.

Aus Frankfurt mit dem Zug

Nachdem die S-Bahn (oder der ICE) rechts die Kleingärten und links die Gustavsburger Tanklager hinter sich gelassen hat, fällt der Blick, durch Brückengitter staccatoartig unterbrochen, auf den Fluss – nein, nicht nur einen (und manche meinen immer noch, Mainz läge am Main, stimmt ja auch irgendwie…). Man kann getrost von einer Flusslandschaft sprechen, so weit dehnt sich das Wasser. Im Abendlicht der Dom und die anderen Kirchen nebst Bonifaziustürmen. Immer mal ein Riesenrad als Zeichen der Mainzer Feierlaune. Vom „Römischen Theater“ nur eine Ahnung in Mauerresten und modrigen Verschalungen, dann ein Tunnel, eine grüne Schlucht und noch ein Tunnel, noch finsterer. Parkplatz, Baustellen, dann per Rolltreppe rauf in den „Einkaufsbahnhof“ und wieder runter, und man steht draußen. Die Bahn sagt international „Good Bye“. Wer sagt „Welcome“ und wo geht’s denn hier zur Stadt??

Die schönste Zufahrt: Aus „AKK“

Kommt man bei gutem Wetter über die rechtsrheinische A 671 und Mainz-Kastel, verspricht die ferne Silhouette von Mainz mit Dom, Stephans-, Peters- und Christuskirche ein historisches Stadterlebnis. Im Schritttempo des täglichen Staus geht es dann erstmal zwischen Brachflächen, Metro, KFC, Beate Uhse und Ami-Kasernen durch, und man fragt sich, ob man schon in Mainz oder doch noch in Wiesbaden ist. Aber plötzlich, kaum hat man den Scheitelpunkt der Theodor-Heuss-Brücke erreicht, sind all diese Türme zum Greifen nah. Zudem scheint die Fahrbahn auf Augenhöhe direkt ins Arbeitszimmer der Ministerpräsidentin zu führen. Aber bisher haben alle Besucher die Kurve gekriegt und wurden direkt am Rhein durch das Schloss, das Rathaus, den Eisenturm und was man sonst so wahrnimmt, belohnt. Zweifellos die schönste Zufahrt ins goldische Meenz.

„Es kommt drauf an, was man draus macht“

… so warb mal die Betonindustrie um Sympathie fürs Dauerhafte. Kommt man aus Laubenheim über die B 9 oder über die Weisenauer Autobahnbrücke, fällt einem eher das beschönigende neudeutsche Wort „Rückbau“ ein – sprich Abriss. Denn das Zementwerk ist so ziemlich das hässlichste „Empfangsgebäude“, das sich eine Stadt wünschen kann, es sei denn man steht auf Industrie-Charme. Viel produziert wird dort auch nicht mehr, und das sieht man dem Monstrum an. Beim Weiterfahren erinnert die untere Hälfte von Weisenau an kleine Rheindörfer. Nach der Eisenbahnunterführung kann man über DB Cargo und Malakoff streiten und dann nur noch hoffen, dass das neue Archäologische Zentrum dem Motto „Zukunft hat Vergangenheit“ gerecht wird.

Text Minas Fotos Daniel Rettig & Stephan Dinges

 

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