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Akut-Jazz-Festival am 15. & 16. November im Frankfurter Hof

Das AKUT-Festival hat seit nunmehr über 30 Jahren seinen festen Platz in der Festivallandschaft.
Hier findet ein frei und sperrig gedachter Jazz sein Zuhause, hier werden Grenzgebiete ausgelotet, Neues und Traditionsreiches kombiniert.
Namhafte Musiker, wie Peter Brötzmann, Louis Sclavis, Alexander von Schlippenbach, Gianluigi Trovesi, Heiner Goebbels & Alfred Harth, Elliott Sharp, Joachim Kühn, The Necks, Nik Bärtsch’s Ronin, Fred Frith und viele andere standen in Mainz auf der Bühne. Unter anderem zu Gast: „Zur schönen Aussicht“ (Foto: Dovile Sermokas).

An diese Tradition knüpfen wir auch dieses Jahr wieder an. upArt e.V. freut sich, auch dieses Jahr wieder ein 2-tägiges AKUT-Festival ankündigen zu können.
Ein besonderer Dank geht dafür an den Kulturfonds, der das mit seiner finanziellen Zuwendung ermöglicht hat und dies zudem auch eine besondere Wertschätzung unserer ehrenamtlichen Tätigkeit ist.
So können alle Freunde des Jazz und Besitzer (m/w/d) offener Ohren sich auch dieses Jahr auf ein tolles Programm freuen, wie immer unter der Prämisse, deutsche und internationale Künstler der etablierten und Newcomer-Szene zu präsentieren.
Am ersten Tag scharen sich die Trios ums Klavier und am 2. Tag dominiert das ‚Gebläse‘.
An beiden Tagen starten wir um 19:00 Uhr und freuen uns auch auf die gute Akustik im Frankfurter Hof zu Mainz!

Freitag, 15. November 2019 ab 19:00 Uhr

Gilbert Paeffgen Trio (CH, D)

Claude Meier: Acoustic Bass
Raphael Loher: Piano
Gilbert Paeffgen: Drums/Hackbrett

„Klaviertrios gibt es im Jazz fast wie Sand am mehr. Es gibt sehr, sehr viele sentimentale Trios. Und es gibt sehr, sehr viele trendige Trios. Und dann gibt es noch ein paar wenige wirklich einzigartige Trios: Sie besetzten eine sehr kleine Nische innerhalb einer sehr großen Nische.
In dieser sehr kleinen Nische bewegt sich seit gut einem Vierteljahrhundert auch der Schlagzeuger Gilbert Paeffgen.
Weil er die meisten seiner Trio-Stücke auf seinem Zweitinstrument, dem Hackbrett, komponiert, unterscheiden sich diese Stücke deutlich vom „courant normal“ des Klaviertrio-Jazz; kommt hinzu, dass Paeffgen das Hackbrett auch im Trio ab und zu auf hypnotische Weise zum Einsatz bringt.
Die Stücke Paeffgens oszilleren auf faszinierende Weise zwischen folkloristischer Eingängigkeit und modernistischer Abstraktion – und lassen sich letztlich keinem Genre eindeutig zuordnen. Mit anderen Worten: Sie sind vieldeutig und facettenreich.
Paeffgen agiert als gleichermaßen sensibler und impulsiver „Primus inter pares“.
Er prägt den wunderbar transparenten Bandsound nicht nur durch sein außerordentlich feinnerviges und vielfarbiges Schlagzeugspiel, sondern natürlich auch durch die hypnotischen Tonkaskaden, die er dem Hackbrett entlockt – nicht selten verschmelzen Klavier und Hackbrett zu irisierenden Klangflächen.
Hier sind keine Jazzpuristen am Werk, sondern weltoffene Musiker, in deren Schaffen sich Forschungsdrang und Formbewusstsein die Waage halten.
Mit Raphael Loher am Piano sowie dem Bassisten Claude Meier hat er zwei Musiker dabei, die mit Klarheit und Überblick für einen Schwebezustand zwischen Trance und Traum und Tanz sorgen.
Weit entfernt von weltlichen Großstädten heißt Sie dieses Trio in seinem Universum zwischen Humus und Tau mit poetischem Schwung willkommen“

Elliot Galvin Trio (UK)

Tom McCredie: Double Bass
Elliot Galvin: Piano
Corrie Dick: Drums

Mit dem Elliot Galvin Trio tauchen wir ein in die aufstrebende Jazzszene Großbritanniens.
Galvin wurde bereits während des Studiums am renommierten Trinity College of Music mit Django Bates verglichen, einem der wichtigsten Masterminds des zeitgenössischen englischen Jazz.
Mit ihm hat der blitzsaubere Pianist und Komponist einen gewissen Hang zum Eklektizismus gemeinsam.
Dieser macht weder vor klassischen Bezügen, Blues oder Marschrhythmen, noch vor sakral anmutenden Stimmungen oder freejazzartigen Ausbrüchen Halt.
Galvins pianistische und kompositorische Intelligenz ist gepaart mit Spielwitz, politischem Bewusstsein und einem respektvoll-respektlosen Umgang mit der Tradition.
Mit Kreativität, Humor und verrückten Ideen steht das Trio für eine junge Generation von Jazzmusikern die sich ungeniert am übervollen Buffet aller Stile und Nicht-Stile bedient und daraus eine eigene Ästhetik formt.

Tin Men & The Telephone (BG, NL, UK)

Tony Roe: Piano
Pat Cleaver: Bass
Bobby Petrov: Drums

Spannend wird es, wenn Tin Men & The Telephone das Publikum interaktiv bei ihren Live Jazz-Electronics und Videos teilhaben lässt.
Mit der Hilfe einer extra für die Liveshows programmierten App und den Smartphones der Konzertbesucher kann das Publikum das Konzertprogramm nicht nur beeinflussen, sondern auch Teil davon werden.
Diese Multimedia-Performances sind absolut sensationell! TM&T schillern in den unterschiedlichsten Farben.
Sie sind Hip-Hop Crew, Balkankapelle, Kammermusikensemble, urbane Jazzer, die kompromiss-, aber niemals humorlos knallhart Konventionsmauern einreißen.
Augenzwinkernd verwandeln sie in ihren multimedialen Shows Alltagsgeräusche in Klangwelten oder lassen das Publikum zu zeitgenössischer klassischer Musik mit dem Kopf nicken.
In einer einzigartigen Mischung aus Musik, Projektion und Technologie erweitert das Tin Men-Trio das Vokabular improvisierter Musik und kommuniziert auf allen Sinnesebenen.

Samstag, 16. November 2019 ab 19:00 Uhr

Zur Schönen Aussicht (D)

Paul Berberich: Saxophone
Joachim Wespel: Guitar
Florian Lauer: Drums

Mit Zur Schönen Aussicht kommen drei junge Musiker der „Dresdner Schule“ zu uns; Baby Sommer schaut ihnen dabei keck über die Schulter.
Mit traumwandlerischer Sicherheit spielen sie ihren fetten Trio-Sound. Dabei geht es mit rasant wechselnden Tempi und überraschender Dynamik über Schleichwege, Panorama-Promenaden und Parcours.
Als Zuhörer staunt man und wird mitgerissen in eine Klangwelt voller Kuriositäten.
Eine hoch konzentrierte, spannungsgeladene und zugleich entspannte Musiziersituation, deren Energie sich mitteilt und den kunstvollen Balanceakt der Drei zwischen durchkomponierten Themen und improvisatorischer Interpretation auf das nächste Level hebt, voll Leidenschaft, mit Fantasie und – natürlich – jenem handwerklichen Können, welches das Musizieren auf diesem hohen Niveau erst möglich macht.

Mia Dyberg Trio (DK, AT)

Mia Dyberg: Saxophone
Asger Thomsen: Double Bass
Rudi Fischerlehner: Drums

Mit dem Mia Dyberg Trio kommt eine junge, aufregende Altsaxophonistin nach Mainz, die mit ihren zwei Begleitern einen unvergesslichen und zum Nachdenken anregenden freien Jazz erschafft.
Beeinflusst vom Beatautor William S. Burroughs, dem schonungsloser Erzähler, bringt das Trio seine Inspiration auf den Punkt und ist in Bezug auf Klarheit eindeutig.
Die geschickte Phrasierung und Tonflexibilität der Saxophonistin drücken eine Vielzahl von Stimmungen und Texturen deutlich aus, und ihre melodische Vorstellungskraft sorgt dafür, dass jede Geste emotional bewegt.
Mit reaktionsschnellen Interaktion und einer ausdrucksstarken Spielweise liefert das Trio ein beeindruckendes Feeling.
Die Stücke fangen die nachdenkliche Melancholie ein, die man erleben kann, wenn ein langer Abend Spaß macht.
In dieser Freilaufmusik ist klar, dass Dyberg, während sie der Vergangenheit zustimmend zunickt, unerschütterlich in die Zukunft blickt.

Jaimie Branch „Fly Or Die“ (USA)

Jaimie Branch: Trumpet
Lester St.Louis: Cello
Jason Ajemian: Bass
Chad Taylor: Drums

Zum Abschluss spielt die Band Fly Or Die der Trompeterin Jaimie Branch. Bis vor einiger Zeit noch ein Geheimtipp, so galt sie beim letztjährigen Jazzfest in Berlin als die Entdeckung.
Ursprünglich im Punk und Grunge verwurzelt, fand sie mit Ornette Colemans Album „The Shape of Jazz to Come“, mit dem Trompeter Don Cherry ihren Zugang zum Jazz.
Durch den Rückhalt in der Freejazzszene Chicagos, insbesondere Fred Anderson, entwickelte sie ihren eigenen Stil.
Mit der unkonventionellen Besetzung Trompete, Cello, Bass und Schlagzeug trumpft ihr Quartett nun mit einem exquisiten, akustisch geprägten Klangbild auf.
Klar konturierte Melodien, die den Ausgangspunkt für bisweilen eruptive Durchführungen und Fortschreibungen bilden, mit feinem Gespür für Spieldramaturgie, Dynamik und Klanggestaltung.
Fly or Die, entweder – oder. „Im Jazz ist alles möglich“, sagt sie.

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