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Wer wird neuer mainzplus-Chef? Entscheidet das Parteibuch?

Die geplante Neubesetzung der Geschäftsführung des stadtnahen Unternehmens mainzplus Citymarketing sorgt für Kritik. Bürgermeister Günter Beck (Grüne) und Stadtwerke-Vorstandschef Daniel Gahr haben sich in ihrer Funktion als Geschäftsführ der Zentralen Beteiligungsgesellschaft der Stadt Mainz (ZBM) – deren 100-prozentige Tochter Mainzplus Citymarketing ist – für Stadt-Pressesprecher Marc André Glöckner (SPD) und Katja Mailahn (Grüne), derzeit Referentin für Umwelt und Energie im Mainzer Umweltdezernat, ausgesprochen. Beck: „Glöckner war jahrelang bei der ÜWG tätig und Mailahn Projektleiterin bei mainzplus. Beide Kandidaten scheinen uns die am besten geeignetsten zu sein. Daher benötigen wir keine weitere Ausschreibung. Man sollte jetzt eher versuchen diese Bewerber vor dieser medialen Debatte zu schützen.“
Etliche Persönlichkeiten aus Mainz forderten dagegen eine offizielle Ausschreibung der Nachfolge von mainzplus-Geschäftsführer August Moderer, der im kommenden Jahr in Rente geht. Im Raum steht auch der Vorwurf, dass das Parteibuch entscheidend sei, was Beck jedoch von sich weist. Der Aufsichtsrat der ZBM soll am 15. Juli über die beiden Personalien entscheiden.

„Die für Mainz so wichtige Gesellschaft „mainzplus Citymarketing“ muss von einem Fachmann / einer Fachfrau geführt werden und nicht von einer fachfremden Geschäftsführung mit dem „richtigen“ Parteibuch.“ ärgert sich Erwin Stufler, Stadtrat der FREIEN WÄHLER. „Fast wie in einem schlechten Film“ mute die Benennung der Nachfolge an: Beck schlägt eine Grüne vor, die 2022 in die Geschäftsführung der „mainzplus Citymarketing GmbH“ einziehen soll. Auch für die stärkste Fraktion im Stadtrat muss scheinbar ein gutdotierter Geschäftsführerposten herausspringen. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Oberbürgermeister Michael Ebling, möchte zusätzlich einen SPD-Kandidaten – seinen einstigen Pressesprecher Marc Andre Glöckner – zum Geschäftsführer berufen. „Es sieht für uns ganz danach aus, als wolle man der Wirtschaftsdezernentin den Einfluss auf das Marketing, auf Kongresse und Messen mit einer „grün-roten“ Geschäftsführung entziehen“, äußert sich Wenderoth, Vorsitzender der FREIEN WÄHLER Mainz.

„Eine parteipolitisch besetzte Doppelspitze für mainzplus Citymarketing ist wirtschaftlicher Unsinn. Die städtische Gesellschaft ist seit 25 Jahren mit einem Geschäftsführer gut ausgekommen. Diese wichtigen Positionen allerdings ohne Ausschreibung „nach Gutsherrenart“ „freihändig“ zu vergeben ist mehr als fragwürdig. Und für eine Übergangs-/Einarbeitungszeit hat die GmbH dann drei Geschäftsführer mit drei Gehältern.“ bemängelt Wenderoth. „Wenn Mainz bei Messen und Kongressen wieder vorne mitspielen will, Wiesbaden und dem RheinMain CongressCenter nicht alles überlassen will, braucht es eine Bestenauswahl und keine Hotelfachwirtin oder einen Pressesprecher, die nur aus Parteignaden ein Gehalt erhalten sollen, das sie mit ihrer Qualifikation bis jetzt nie erreichen konnten.“ so Wenderoth weiter. Skandalös findet Stufler, dass die von der Stadtspitze ausgewählten Geschäftsführer von mainzplus Citymarketing (Jahresbilanz 2019 ca. 3,8 Mio. Euro) wahrscheinlich mehr verdienen würden als die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

Auch die ÖDP-Stadtratsfraktion kritisiert die Vorgehensweise der Stadtverwaltung: „Man braucht sich über Politikverdrossenheit und Misstrauen in der Bevölkerung nicht wundern, wenn die Demokratie durch fehlende Ausschreibung solcher wichtigen Stellen untergraben wird“ erklärt Dagmar Wolf-Rammensee, ÖDP-Stadträtin. Solch hochdotierte, wichtige Geschäftsführerposten sollten mit den dafür geeignetsten Fachpersonal besetzt werden, um auf die coronabedingten Ausfälle von Veranstaltungen und alle künftigen Herausforderungen adäquat reagieren zu können. Wolf-Rammensee fordert daher: „Schluss mit der Postenschieberei und Versorgung von Günstlingen der regierenden Parteien“. Dr. Claudius Moseler, Vorsitzender der ÖDP-Stadtratsfraktion, appelliert an die Mitglieder des Aufsichtsrats der ZBM der vorgeschlagenen Personalie nicht zuzustimmen und für eine bundesweite Ausschreibung der Stelle zu plädieren.

Die Diskussion um die Neubesetzung der Geschäftsführung der mainzplus CITYMARKETING GmbH darf nicht zu einer Belastung des Standortes führen, erklärt die Vorsitzende der Mainzer FDP, Almut Rusbüldt: „Die Pandemie und der mit ihr verbundene Lockdown haben dem Einzelhandel, der Gastronomie, dem kulturellen Leben wie dem Tourismus- und Kongressgeschäft extrem stark zugesetzt. Mainzplus ist für alle diese Branchen ein wichtiger Partner und mit den zahlreichen Angeboten auch Antreiber nach den pandemiebedingten Auszeiten“, betont Almut Rusbüldt. „An der Spitze dieses so wichtigen stadtnahen Unternehmens braucht es deshalb auch bei der Neuaufstellung inhaltliche Kontinuität und absolut kompetente, bestens vernetzte Persönlichkeiten.“
Der scheidende Geschäftsführer August Moderer habe über viele Jahre hinweg den Kongress-, Kultur- und Tourismusstandort Mainz mit einem engagierten Team gestärkt und zahlreiche Highlights setzen können. „Die Konzerte, Kongresse und über die Grenzen der Region hinaus bekannten Feste haben der Landeshauptstadt ein gutes Image und hervorragende Besucherzahlen beschert. Gerade zum Neustart nach der Pandemie wäre nun eine Besetzung an der Spitze von mainzplus zu wünschen, die alle überzeugt. Zweifel an dieser Stelle dagegen verunsichern die Branche und das Umfeld“, mahnt die freidemokratische Kreisvorsitzende.

Weitere Stimmen in der Allgemeinen Zeitung: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/mainzplus-geschaftsfuhrung-der-gegenwind-nimmt-weiter-zu_24113156

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