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Unimedizin & Statdtwerke kommen stabil durch die Krise

Die Mainzer Stadtwerke, als auch die Universitätsmedizin Mainz, sind mit dem Geschäftsjahr 2020 zufrieden. Das Jahresergebnis der Stadtwerke klettert auf 26,1 Mio. Euro. Die Unimedizin erzielt mit 64,8 Mio. Euro einen immerhin niedrigeren Fehlbetrag als befürchtet – dennoch eine Verdopplung gegenüber der Prognose.

Die Stadtwerke AG hatten u.a. den Fahrgastrückgang im Öffentlichen Nahverkehr oder die monatelange Schließung des Taubertsbergbades zu verkraften. Das Geschäftsjahr 2020 war für sie dennoch ein äußerst erfolgreiches. So beläuft sich das Jahresergebnis der stadtnahen Gesellschaft nach Zahlung von Steuern und Abgaben auf etwa 26,1 Mio. Euro. Das sind fast 9 Mio. Euro mehr als im Jahr zuvor. Im positiven Jahresergebnis ist der Ausgleich des Nahverkehrsverlustes der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) von etwa 22 Mio. Euro durch die Stadtwerke berücksichtigt. Das Defizit der MVG lag 2020 damit mehr als 5 Mio. Euro über dem des Vorjahres. Es hätte aber finanziell gesehen für die Mobilitätssparte noch schlimmer kommen können, wenn die Corona-Hilfen des Bundes und des Landes die teils dramatischen Einnahmeausfälle bei Bussen und Straßenbahnen nicht zum großen Teil aufgefangen hätten.

Das Eigenkapital hat sich um 20,1 Mio. Euro auf 289,3 Mio. Euro erhöht. Die Eigenkapitalquote stieg damit auf 37,3 %, 2019 hatte diese noch 36,8 % betragen. Vorstandschef Gahr wies mit Blick auf die gute Eigenkapitalausstattung auf die Herausforderungen hin, die in den kommenden Jahren auf die Stadtwerke-Unternehmensgruppe zukommen: Dazu zählen in diesem und vermutlich auch mindestens im kommenden Jahr unter anderem die Folgen der Corona-Krise für den Mobilitätsbereich durch stark gesunkene Fahrgastzahlen, dazu zählen mittel- und langfristig aber vor allem der vom Stadtrat geforderte weitere Ausbau und die Modernisierung des Öffentlichen Nahverkehrs sowie notwendige beträchtliche Investitionen in die Trinkwasserversorgung.

„Die letzten, extrem trockenen Jahre haben hier deutlich gemacht, dass höhere Spitzenwerte beim täglichen Trinkwasserverbrauch auf uns zukommen und wir mehr Flexibilität in der Wasserversorgung benötigen. Deshalb haben wir für die nächsten Jahre rund 85 Millionen Euro an Investitionen für die Sparte Wasser freigegeben“, erläutert Dr. Tobias Brosze. Im Strombereich kommen große Investitionen auf die MSW-Unternehmensgruppe zu durch die wachsenden Anforderungen an die Stromnetze im Zusammenhang mit der Energiewende. „Im Wesentlichen sehen wir über die nächsten Jahre durch die Elektromobilität und Wärmepumpen einen deutlichen Zuwachs an benötigter Leistung, aber auch die Anfragen durch neue Rechenzentren in unserer Region spielen eine zunehmende Rolle.“

OB Ebling weist als Aufsichtsratsvorsitzender darauf hin, dass die Stadtwerke für die gesicherte kommunale Daseinsvorsorge verantwortlich sind, mit ihren Investitionen im zweistelligen Millionenbereich auch die regionale Wirtschaft unterstützen und die Entwicklung von Mainz in vielen Bereichen mitvorantreiben. „Trotz der Corona-Pandemie haben die die Mainzer Stadtwerke AG ihren Weg erfolgreichen Wirtschaftens fortgesetzt und dabei sogar ihren Aktionsradius vergrößert.“ So wurde 2020 beispielsweise das Kompetenzzentrum Intelligente Mobilität – kurz KIM – als neue MSW-Gesellschaft gegründet, außerdem beteiligten sich die Stadtwerke an der insertEFFECT GmbH, einem Anbieter von APP-Lösungen. Die KIM GmbH soll die Gesellschaften der MSW-Gruppe, aber auch externe Kunden rund um intelligente Mobilitätskonzepte, Digitalisierung kommunaler Unternehmen und Smart City beraten. Neu hinzu gekommen ist 2020 auch der MainzRIDER der Mainzer Verkehrsgesellschaft: Nach dem Start dieses On-demand-Fahrdienstes zu Nachtzeiten in zunächst fünf Stadtteilen im September vergangenen Jahres, wurde der umweltfreundliche Shuttle-Service mit insgesamt zehn Elektrofahrzeugen Anfang 2021 ausgeweitet auf weitere Gebiete in Mainz. Ab 1. März 2021 ermöglichte die MVG mit dem MainzRIDER Impflingen kostenfreie Fahrten mit den Elektro-Shuttles zum Impfzentrum Mainz-Gonsenheim.

Ebenfalls neu im Stadtwerke-Konzern ist die Pionext GmbH, die die Mainzer Stadtwerke gemeinsam mit den Partnern Pfalzwerke AG und EWR AG gegründet hat. Daniel Gahr: „Immer nur breiter ist dabei nicht unsere Devise. Aber wir gehen mit der Zeit und schauen, welche Kompetenzen und welche Wertschöpfungsstufen wir im eigenen Beritt haben oder zumindest an ihnen beteiligt sein wollen. Mit der Pionext GmbH in Alzey haben wir unsere Kompetenzen im Hinblick auf die Erneuerbaren Energien mit den Kollegen der Pfalzwerke und der Wormser EWR gebündelt. Entstanden ist eine neue Gesellschaft, die in den nächsten Jahren unsere bestehenden Anlagen aus dem EE-Bereich betreiben wird, die zudem alte Anlagen durch neue ,repowern´ soll und darüber hinaus zusätzliche Windkraft- und Photovoltaikanlagen realisieren wird. Das hätte allein als Mainzer Stadtwerke keinen Sinn gemacht.“

Unimedizin
Die Pandemie hat die Universitätsmedizin, wie viele andere Kliniken auch, im Jahr 2020 wirtschaftlich getroffen, dennoch fiel der Jahresfehlbetrag mit 64,8 Mio. Euro nicht so tiefgreifend aus, wie auf dem Höhepunkt der zweiten und dritten Welle befürchtet worden war. Statt einem prognostizierten Verlust von 32,9 Mio. Euro ist dieser jedoch nun doppelt so hoch. Wobei es durchaus noch hätte schlimmer kommen können, so Professor Norbert Pfeiffer, Vorstandsvorsitzender der Unimedizin. Die Umsatzerlöse stiegen um 5,7 Prozent von 821 auf 867 Mio. Euro an.

Die Personalaufwendungen stiegen wegen vermehrter Neueinstellungen im Bereich Pflege an. Zudem wirkten sich die in den Jahren zuvor mit ver.di und dem Marburger Bund vereinbarten Tarifabschlüsse kostensteigernd aus.
Zur Finanzierung von Forschungsprojekten gelang es der Universitätsmedizin Drittmittel in Höhe von 64,4 Mio. Euro einzuwerben – ein Anstieg von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Mitarbeitenden lag zum 31. Dezember 2020 bei 8.580, was einem Zuwachs auf Jahresbasis um 3,14 Prozent entspricht. Auf Vollzeitbasis beträgt die Beschäftigtenzahl 5.866, gegenüber dem Vorjahr eine Reduktion um 1,03 Prozent.
Die Erlöse aus Krankenhaus-Leistungen stiegen 2020 um rund zwölf Prozent. Dazu zählen auch die Freihaltepauschalen, die im Rahmen der Corona-Pandemie gewährt wurden, jedoch nicht kostendeckend gewesen sind. Die Erlöse aus Wahlleistungen blieben mit 1,1 Prozent Plus nahezu konstant, während die Erlöse aus ambulanten Krankenhaus-Leistungen pandemiebedingt um rund ein Viertel einbrachen.

„Bislang sind wir gut durch die Pandemie gekommen. Wir werden unser Sanierungskonzept, das bereits 2019 zu positiven Effekten geführt hat, konsequent fortführen. Unter Corona- Bedingungen konnten 2020 nicht alle Sanierungsansätze gemäß der Zeitplanung umgesetzt werden. Auch wenn 2021 wohl erneut herausfordernd werden wird, so sind wir zuversichtlich, dass wir uns in den kommenden Jahren kontinuierlich verbessern werden“, sagt PD Dr. Christian Elsner, Kaufmännischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz.

Ausgewählte Geschäftsfelder und Projekte der Stadtwerke

Mobilität
Die Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) betreibt mit ihren rund 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das regionale Bus- und Straßenbahnnetz mit 41 Straßenbahnen und rund 140 Bussen – vier davon mit Elektroantrieb. Auch das Fahrradvermietsystem meinRad mit rund 1200 Rädern und etwa 220 Stationen in Mainz, Wiesbaden, Ingelheim, Ginsheim-Gustavsburg und Budenheim ist seit vielen Jahren Teil der regionalen Mobilitätswende. 2020 war maßgeblich durch die Corona-Pandemie beeinflusst und führte bei der MVG zu einem deutlichen Fahrgasteinbruch auf rund 33 Millionen. Die durch die Pandemie entstandenen Verluste bei den  Fahrgeldeinnahmen wurden durch Bundes- und Landesrettungsgelder größtenteils ausgeglichen. Dennoch sind unterm Strich wirtschaftliche Verluste in Millionenhöhe verblieben. Der Stadtrat hat im Juni 2020 einen Grundsatzbeschluss zum weiteren Ausbau der Straßenbahn in Mainz gefasst, dafür wurden die ersten Planungsschritte vorbereitet. Im Sommer 2020 wurde der Betrieb des autonom fahrenden Shuttleservice EMMA² auf dem Gelände der Mainzer Universitätsmedizin aufgenommen. Ein neues Produkt, der On-demand-Shuttleservice MainzRIDER, wurde vergangenen September eingeführt und fährt seit September in vielen  Mainzer Stadtteilen und ergänzt das ÖPNV-Angebot in den Abend- und Nachtstunden.

Infrastrukturprojekte
Weiterhin überaus positiv verläuft die Entwicklung bei den Infrastrukturprojekten Zollhafen und Heiligkreuz-Viertel (HKV). Im Heiligkreuz-Viertel in Weisenau entsteht in den nächsten Jahren ein Quartier mit insgesamt rund 2500 Wohnungen, etwa 25 Prozent davon ist öffentlich geförderter Wohnraum. Dabei sind die Stadtwerke für etwa zwei Drittel des neuen Quartiers verantwortlich, das andere Drittel entwickeln die privaten Investoren Richter/ten Brinke. 26 Baufelder entfallen auf die Stadtwerke, sechs davon waren 2020 bereits veräußert, 2 weitere kamen bislang 2021 dazu. Bezugsfertig sind die ersten Wohnungen auf diesen Baufeldern etwa Anfang 2023.
Im Stadtquartier Zollhafen ist die Mehrzahl der 30 Baufelder an deutschlandweit agierende Investoren und Bauträger vermarktet. Zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser sind bereits bezogen oder kurz vor der Fertigstellung. Geförderter Wohnraum entsteht an der Rheinallee. Zwei Hotels, zwei Kitas und zwei Lebensmittelmärkte runden das zukünftige Quartiersangebot ab.

Netzbetrieb
Von zentraler Bedeutung für die gesamte Unternehmensgruppe bleibt auch in den kommenden Jahren das Geschäftsfeld Netze. Hier erfolgt die Planung, der Bau und der Erhalt der zuverlässigen, bezahlbaren und umweltgerechten Versorgungsinfrastruktur für die Bereiche Strom, Straßenbeleuchtung, Gas und Wasser für Mainz und die Region. Mit ihren mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet die MSW-Tochtergesellschaft Mainzer Netze GmbH darüber hinaus technische Lösungen für Sonderkunden an und erbringt Kommunikations- und Sicherheitsdienstleistungen. Dr. Brosze: „Die Versorgungssicherheit in unserer Region ist weiterhin eine der höchsten in Deutschland. Dafür sorgen auch die stetigen Erneuerungsmaßnahmen im Netz.“

Das Jahr 2020 stand für die Mainzer Netze GmbH als Betreiber kritischer Infrastruktur sozusagen im Schatten der Corona-Pandemie. Es war geprägt von sehr viel vor-bereitender Krisenstabsarbeit sowie fortlaufenden flexiblen Anpassungen und Einschränkungen in den betrieblichen Abläufen und der Zusammenarbeit. Das ganze Jahr über war die Umsetzung aller technischen Baumaßnahmen durch mögliche Infektionsgeschehen potenziell gefährdet. Auch die zugehörigen Materiallieferungen waren durch die vorgelagerten globalen Lieferketten stets mit einem gewissen Risiko behaftet.  Dennoch ist es den Mainzer Netzen gelungen, die gesteckten technischen und wirtschaftlichen Ziele zu erreichen und die Versorgung der Menschen mit Strom-, Gas- und Trinkwasser jederzeit zuverlässig zu gewährleisten.

Mainzer Breitband GmbH
Die Mainzer Breitband (MBB) unterstützt mit Glasfaseranschlüssen und Telekommunikationsdiensten die Unternehmen in Mainz und der Umgebung bei der digitalen Transformation. Seit Ende Mai ist die Mainzer Breitband an den Internet-Knoten von DE-CIX Frankfurt angebunden. Durch die gute Zusammenarbeit mit der Mainzer Netze GmbH können große Projekte gemeinsam umgesetzt werden. Das Glasfasernetz der Mainzer Breitband ist Ende 2020 auf 157 Kilometer gewachsen und 221 Gebäude sind an das Netz angeschlossen. Im Rahmen der KDZ-Ausschreibung startete vergangenes Jahr die Digitalisierung an den Schulen durch – bis zum Herbst 2021 schließt die Mainzer Breitband knapp 50 Mainzer Schulen an das Glasfasernetz an. Bei einer weiteren Ausschreibung der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) erhielten die Gebäude der ISB einen Glasfaserhausanschluss mit Highspeed-Internet und für Mitarbeitende und Gäste wurde eine flächendeckende WLAN-Infrastruktur installiert. Auch die Bürgerhäuser Finthen und Hechtsheim wurden an das hochleistungsfähige Netz angeschlossen.

Konventionelle Energieerzeugung
Ob konventionelle oder regenerative Erzeugung, Müllverbrennung oder Verteilung von Energie – über 400 Beschäftigte der Kraftwerke Mainz- Wiesbaden AG (KMW) sowie der ALTUS AG kümmern sich um das perfekte Zusammenspiel im Ballungsraum Mainz-Wiesbaden bzw. bei der regenerativen Erzeugung deutschlandweit. Anteilseigner der KMW sind zu jeweils 50 Prozent die Mainzer Stadtwerke AG und die ESWE Versorgungs AG. Die KMW verfügt am Standort Ingelheimer Aue seit 2020 über drei funktionstüchtige Kraftwerke. Im neuen 100-Megawatt-Blockheizkraftwerk wird aus Erdgas Strom sowie Fernwärme erzeugt. Weil die Motoren innerhalb weniger Minuten an- und abfahren können, ist die KMW mit diesem Blockheizkraftwerk idealer Partner der Energiewende. Sie kann schnell auf schwankende Stromproduktion der Erneuerbaren Energien bei Windflaute oder wenig Sonneneinstrahlung reagieren.

Taubertsbergbad
Die Mainzer Stadtbad GmbH betreibt seit 2018 mit rund 30 Beschäftigten das Mainzer Taubertsbergbad – mit  Innen- und Außenanlagen. Aufgrund der Corona-Pandemie war das Taubertsbergbad zwischen März und Juni sowie ab November 2020 geschlossen. Entsprechend gering sind die Besuchszahlen im Vergleich zu den Vor-jahren ausgefallen. Aufgrund eines Zeitfenster- und eines neuen digitalen Buchungssystems konnte das Freibad in den Monaten Juli und August allerdings  öffnen und gute  Besuchszahlen erzielen. Das neu gestaltete Multifunktionsbecken wie auch der neue Matschspielplatz wurden positiv angenommen.

Der Geschäftsbericht 2020 ist unter www.mainzer-stadtwerke.de veröffentlicht.

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