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Taktile Stadtpläne ab sofort am Hauptbahnhof und Tourist Service Center

Als neues Projekt inklusiver Teilhabe sind in dieser Woche zwei taktile Stadtpläne in der Eingangshalle des Mainzer Hauptbahnhofs und vor dem Tourist Service Center im Brückenturm montiert worden. Hierbei handelt es sich um eine Orientierungshilfe für blinde und stark sehbehinderte Menschen. Die Pläne zeigen im Innenstadtbereich die Hauptachsen des Mainzer Straßennetzes im Maßstab 1 : 1800, die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten und touristischen Höhepunkte, aber auch wichtige infrastrukturelle Einrichtungen wie Behörden, Kultureinrichtungen, Fußgängerüberwege, Fußgängerzonen, barrierefreie Toiletten, Taxistände und Schiffsanlegestellen in Mainz.

„Wir arbeiten daran, dass möglichst viele Menschen unsere Stadt erfahren und erleben können. Die beiden taktilen Stadtpläne sind ein weiteres Puzzleteil in unserem Einsatz für Inklusion. Die stark frequentierten Standorte Hauptbahnhof und Tourist Service Center im Brückenturm wurden dabei ganz bewusst ausgewählt“, so Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

Die Pläne mit den Maßen 68 x 160 cm wurden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Blindenanstalt Marburg (blista), der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und der Abteilung Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Mainz angefertigt. Profil- und Brailleschrift (Deutsche Blindenvollschrift) nach DIN 32986 sowie die taktile Darstellung mit unterschiedlichen Höhenebenen bis zu einer Gesamthöhe von ca. 4 mm erleichtern blinden Menschen das Ertasten. Deutliche Farbkontraste tragen dazu bei, dass auch sehbehinderte und kognitiv eingeschränkte Personen sich leichter orientieren können. Die taktilen Abbildungen wurden mit UV-Direktdruck erstellt, haben eine Schutzlackierung und sind somit auch für den Außenbereich geeignet. Auf einem unterfahrbaren Pult aufgebracht, das ähnlich wie bei einem Redepult eine leichte Schrägneigung hat, können die Pläne auch für Menschen im Rollstuhl barrierefrei genutzt werden

Anja Geißler, Blinden- und Sehbehindertenverein Rheinhessen: „Taktile Stadtpläne verschaffen blinden und sehbehinderten Menschen einen ersten Eindruck über die Gegebenheiten vor Ort und bieten ihnen eine erste Orientierungshilfe. Anhand unterschiedlicher Strukturen und kontrastreicher Darstellungen werden Straßen, Plätze oder Fußgängerzonen dargestellt sowie in einer Legende in Blindenschrift die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen abgebildet. Auf diese Weise können blinde Menschen ertasten, wo sie sich gerade befinden oder wie eine Straße verläuft. Auch sehende Passanten werden zum Tasten animiert und können sich in die Situation Blinder und Sehbehinderter besser hineinversetzen. Damit leistet der taktile Stadtplan einen Beitrag zu mehr Inklusion und Barrierefreiheit, über den wir uns sehr freuen.“

„Die Stadtpläne sind in allererster Linie für blinde und sehbehinderte Menschen gedacht. Zudem helfen sie kognitiv eingeschränkten Personen. Gleichzeitig bieten sie jedoch durch ihre gute Übersichtlichkeit allen Menschen eine schnelle Orientierung in unserer Stadt. Die Pläne können mit den Augen und mit den Händen erfasst werden. Damit sind sie ein gutes Beispiel für das „Prinzip der zwei Sinne“, das bei der barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Raumes verfolgt wird, so dass möglichst viele Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, so Sozialdezernent Dr. Eckart Lensch (SPD).

In Kooperation mit der Deutsche Bahn AG und der GVG Mainz konnten optimal zugängliche Standorte für die beiden Pläne ausgewählt werden. Klaus Berdan, Leiter Bahnhofsmanagement Mainz: „Für die DB Station&Service AG als Betreiber von 5.400 Bahnhöfen in Deutschland ist der barrierefreie Zugang zur Bahn eines der wichtigsten Ziele. Aus diesem Grund freut es mich, dass wir die Landeshauptstadt Mainz mit der Platzierung des taktilen Stadtplans im Mainzer Hauptbahnhof bei der Förderung der Barrierefreiheit unterstützen können.“

Die Gesamtkosten der beiden Stadtpläne betragen circa 22.000 Euro. Durch die Unterstützung der Erblasserin Magdalena Hübner konnte der größte Anteil der Kosten mit einem Betrag von 20.000 Euro finanziert werden. Auch mainzplus CITYMARKETING GmbH und der Tourismusfonds Mainz e.V. unterstützen das Projekt, sodass der städtische Haushalt (die Personalkosten ausgenommen) nicht beansprucht werden musste.

Weitere Informationen zum Thema „Barrierefreies Mainz“ finden sich auf www.mainz.de/barrierefrei. Hier steht unter anderem auch der Mainzer Innenstadtplan für Menschen mit Gehbehinderungen zum Download bereit, der in diesem Jahr aktualisiert aufgelegt wurde.

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