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Stadtwerke 2019 mit hohem Jahresergebnis – Corona reduziert um Millionen

Das Geschäftsjahr 2019 war für die Unternehmensgruppe Mainzer Stadtwerke AG (MSW) ein sehr erfolgreiches Jahr. Das Jahresergebnis der stadtnahen Gesellschaft beträgt nach Zahlung von Steuern und Abgaben 17,2 Mio. Euro. Das sind etwa 3,1 Mio.  mehr als im Vorjahr. Im positiven Jahresergebnis ist der Ausgleich des Nahverkehrsverlustes der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) von etwa 16,5 Mio. Euro durch die Stadtwerke bereits berücksichtigt.
Der Vorstand geht davon aus, dass die Corona-Krise die Stadtwerke mindestens 3 bis 4 Mio. Euro kosten wird. Vor allem durch den rückläufigen ÖPNV und die Reduzierung des Taubertsbergbades, welches am 27. Juni öffnet.

Weiter angestiegen ist dank des positiven Jahresergebnisses das Eigenkapital der Stadtwerke: Es erhöhte sich um 16,1 Millionen Euro auf 269,1 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote stieg damit auf 36,8 Prozent, ein Jahr zuvor hatte diese noch 35,4 Prozent betragen. Vorstand Daniel Gahr dankte in diesem Zusammenhang der Stadt Mainz als Aktionärin der Mainzer Stadtwerke und dem Aufsichtsrat. „Eine gute EK-Quote ist notwendig, weil wir vor großen Herausforderungen in den nächsten Jahren stehen, die wir ohne die Unterstützung der Stadt nicht mehr schaffen werden.“ Das gelte in diesem und vermutlich auch im kommenden Jahr für die Folgen der Corona-Krise, dazu zählt aber mittel- und langfristig insbesondere der weitere Ausbau und die Modernisierung des Öffentlichen Nahverkehrs sowie der Bereich der Trinkwasserversorgung.

Oberbürgermeister Michael Ebling wies als Aufsichtsratsvorsitzender darauf hin, dass die Stadtwerke für die gesicherte kommunale Daseinsvorsorge verantwortlich sind, mit ihren Investitionen im zweistelligen Millionenbereich auch die regionale Wirtschaft unterstützen und die Entwicklung von Mainz vorantreiben. „In der Corona-Krise hat sich erneut gezeigt, wie wichtig eine funktionierende Infrastruktur ist. Dafür sorgen die Mainzer Stadtwerke seit vielen Jahrzehnten sehr zuverlässig. Und das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Und nicht zuletzt kommen die Gewinne der Mainzer Stadtwerke den Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zu Gute.“

2019 glichen die Mainzer Stadtwerke den ÖPNV-Verlust der Mainzer Mobilität von 16,5 Millionen Euro aus und zahlten darüber hinaus die Konzessionsabgabe an die Stadt Mainz von rund 15 Millionen Euro. Sie unterstützten unter anderem die Mainzer Stiftung für Klimaschutz und Energieeffizienz mit 300 000 Euro sowie die Kunsthalle Mainz. Darüber hinaus zahlten sie 2019 eine Dividende an die Zentrale Beteiligungsgesellschaft der Stadt Mainz (ZBM) und damit indirekt an die Kommune von insgesamt 6,5 Millionen Euro. Außerdem engagiert sich die SWM-Unternehmensgruppe als kommunales Unternehmen auf vielfältige Weise in den Bereichen Kultur, Sport und Soziales.

Ein Lob gab es von Gahr, Dr. Brosze und OB Ebling für die inzwischen mehr als 1.700 Beschäftigten der Stadtwerke-Gruppe. Gahr: „Wir können mit tiefer Überzeugung sagen, dass wir sehr motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die sich ihrer Verantwortung in einem kommunalen Unternehmen im Bereich der Daseinsvorsorge bewusst sind. Deshalb sind wir sicher, dass wir auch in den nächsten Jahren neue Herausforderungen gut gemeinsam bewältigen werden.“

Bereits 2020 wird dabei ein besonderes Jahr für die Mainzer Stadtwerke: Der Vorstand geht davon aus, dass die Corona-Krise die Mainzer Stadtwerke mindestens drei bis vier Millionen Euro kosten wird. Vor allem der starke Rückgang der Fahrgastzahlen im Bus- und Straßenbahnverkehr reißt bereits jetzt ein großes Loch in die Kasse. Zudem ist noch nicht absehbar, wie sich die Fahrgastzahlen mittelfristig entwickeln. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch nach einem Abklingen der Auswirkungen der Corona-Beschränkungen Menschen zunächst noch Bedenken haben, Busse und Straßenbahnen wieder im gewohnten Maße zu nutzen. Für das Jahr 2020 hatte die Mainzer Mobilität ursprünglich mit einem Minus von 18,7 Millionen Euro geplant. Das lässt sich Corona-bedingt nicht mehr halten, das Minus wird 2020 vermutlich um mehrere Millionen Euro höher ausfallen als geplant.

Auch die Schließung des Taubertsberg-Sportbades seit Mitte März sorgt für Einnahmeausfälle bei der Stadtwerke-Tochter Mainzer Stadtbad GmbH, wenn auch im Vergleich zum ÖPNV in weit geringerem Umfang. Dennoch wird 2020 sicher ein sechsstelliger Betrag bei den Einnahmen fehlen, die Kosten werden wegen der strengeren Hygieneauflagen im Bad aber gleichzeitig steigen. Positiv: Der im Herbst 2019 gestartete Umbau des Freibades wird bis Ende Juni 2020 planmäßig abgeschlossen, das Freibad öffnet Ende Juni. Das zu einem Mehrzweckbecken umgebaute 50-Meter-Becken ist für viele Badegäste deutlich attraktiver als das alte Freibad-Becken. Dank einer neuen Traglufthalle kann dieses Becken außerdem künftig auch im Winter genutzt werden und hilft so den Schulen und Schwimmvereinen.

Geschäftsfelder und Projekte

Mobilität

Im Geschäftsfeld Mobilität hat sich 2019 einiges beim Thema des Umstiegs auf umweltfreundliche Antriebsarten getan: So konnte im vergangenen Jahr der erste batteriebetriebene Elektrobus in Mainz getestet werden. Inzwischen sind vier Batteriebusse im Linienverkehr im Einsatz. Zudem gab es aus Berlin einen Förderbescheid über die Anschaffung von weiteren 23 Batteriebussen durch die Mainzer Mobilität. Zwar konnte im vergangenen Jahr die ursprünglich geplante Anschaffung von vier Brennstoffzellenbussen wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers nicht wie geplant umgesetzt werden, die Mainzer Mobilität testet dennoch seit einigen Wochen einen mit Wasserstoff angetriebenen Brennstoffzellenbus und möchte diese innovative Antriebstechnik gerne weiterverfolgen. Der Wasserstoff für diesen Bus stammt aus dem Energiepark Mainz. Die Anlage im Wirtschaftspark Mainz erzeugt seit 2015 per Elektrolyse aus Wasser die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff. Die für die Elektrolyse notwendige Energie kommt unter anderem aus den benachbarten vier Windkraftanlagen der Stadtwerke-Unternehmensgruppe.

Infrastrukturprojekte

Weiterhin überaus positiv verläuft die Entwicklung bei den Infrastrukturprojekten Zollhafen und Heiligkreuz-Viertel (HKV). Im HKV-Areal in Weisenau wird in den nächsten Jahren ein Quartier mit insgesamt rund 2.000 Wohnungen entstehen, etwa 25 Prozent davon ist besonders geförderter, bezahlbarer Wohnraum. Dabei zeichnen sich die Stadtwerke für etwa zwei Drittel des neuen Quartiers verantwortlich, das andere Drittel entwickeln die privaten Investoren Richter/ten Brinke. 26 Baufelder entfallen auf die Stadtwerke, fünf davon sind bereits veräußert. Bezugsfertig sind die ersten Wohnungen auf diesen Baufeldern etwa Ende 2022.

Im Stadtquartier Zollhafen sind 24 von 30 Baufeldern an deutschlandweit agierende Investoren und Bauträger vermarktet. Zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser sind bereits bezogen oder kurz vor der Fertigstellung. Geförderter Wohnraum entsteht an der Rheinallee. Zwei Hotels und zwei große Nahversorger runden das zukünftige Quartiersangebot ab. Auch die Marina erfreut sich großer Beliebtheit: Bereits in der zweiten Saison sind alle Liegeplätze vermietet. 2019 wurde die gesamte Freifläche Südmole der Öffentlichkeit übergeben. Als nächster Meilenstein gilt der jetzt begonnene Umbau der Nordmole zu einer 10.000 Quadratmeter großen naturnahen Grün- und Erholungsfläche.

Netzbetrieb

Von zentraler Bedeutung für die gesamte Unternehmensgruppe ist auch in den kommenden Jahren das Geschäftsfeld Netze. Hier erfolgt die Planung, der Bau und der Erhalt der zuverlässigen, bezahlbaren und umweltgerechten Versorgungsinfrastruktur für die Bereiche Strom, Straßenbeleuchtung, Gas und Wasser für Mainz und die Region. Mit ihren mehr als 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bietet die MSW-Tochtergesellschaft Mainzer Netze GmbH darüber hinaus technische Lösungen für Sonderkunden an und erbringt Kommunikations- und Sicherheitsdienstleistungen. Dr. Brosze: „Die Versorgungssicherheit in unserer Region ist weiterhin eine der höchsten in Deutschland. Dafür sorgen auch die stetigen Erneuerungsmaßnahmen im Netz.“ Über alle Sparten hinweg haben die Stadtwerke im vergangenen Jahr rund 31,1 Millionen Euro in den Ausbau und den Erhalt der Netze investiert.

Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf hohen Investitionen im Wasserbereich. Abschnittsweise wird seit einigen Jahren eine neue große Transportleitung vom Wasserwerk Hof Schönau in Richtung Mainz errichtet, um die Versorgung aus dem Wasserwerk bei Rüsselsheim in den nächsten 100 Jahren zuverlässig sicherzustellen. Auch wurden neben vielen kleineren Maßnahmen zwei neue Brunnen im Wasserwerk Eich gesetzt sowie umfassende Instandhaltungsmaßnahmen im Wasserwerk Petersaue umgesetzt. Die Trinkwasserversorgung des Großraums Mainz ist jederzeit gesichert, sie stellt die Mainzer Netze GmbH, als ausführende Einheit der Stadtwerke jedoch zunehmend vor Herausforderungen. Nach drei Hitzejahren von 2017, 2018 und 2019 waren auch die ersten fünf Monate 2020 extrem trocken. Zudem steigt der Wasserverbrauch in der Region. Aufgrund der Corona-Situation ist zudem zu befürchten, dass in den Sommermonaten viele Menschen lieber nicht in Urlaub fahren werden und zuhause vermehrt Gartenpools nutzen. 2020 könnte der Tageshöchstverbrauch im Netz der Mainzer Netze GmbH daher auf über 90 000 Kubikmeter steigen. Zum Vergleich:  2014 waren es 60 000 Kubikmeter gewesen. Diverse Gegenmaßnahmen laufen seit Jahren. Brosze: „Da sich die Trinkwasserproduktion in den drei Wasserwerken kurzfristig jedoch nicht beliebig erhöhen lässt, wollen wir die Bevölkerung wieder stärker sensibilisieren, an trockenen und heißen Tagen behutsam und bewusst mit dem wertvollen Gut Wasser umzugehen.“

Sollten solche freiwilligen Maßnahmen keinen Erfolg haben können 2020 zeitweise Einschränkungen in der Trinkwassernutzung für nicht dringend notwendige Anwendungen wie die Bewässerung von Gärten oder das Waschen von Fahrzeugen in Trockenperioden zumindest nicht ausgeschlossen werden.

Erneuerbare Energien

Bei den erneuerbaren Energien gehören die Mainzer Stadtwerke weiterhin zu den Vorreitern unter den deutschen Stadtwerken. Direkt oder indirekt über Tochter- und Beteiligungsgesellschaften ist die MSW AG an rund 200 Photovoltaikanlagen und etwa 110 Windkraftanlagen beteiligt. Hinzu kommen noch zwölf Wasserkraftanlagen entlang der Ruhr und der Sieg. Der MSW-Anteil an der Stromerzeugung dieser EE-Anlagen beläuft sich auf rund 370 Millionen Kilowatt im Jahr – rein rechnerisch können die Mainzer Stadtwerke mit dieser Menge alle Mainzer Haushalte mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgen.

2019 erfolgte zudem die Gründung der Pionext Asset GmbH & CO. KG zusammen mit der EWR AG aus Worms und der PFALZWERKE AG aus Ludwigshafen. Das Ziel: Die drei kommunalen Unternehmen bündeln den kaufmännischen und technischen Betrieb ihrer bereits bestehenden rund 500 Wind­ und Photovoltaikanlagen. Darüber hinaus möchten die drei Stadtwerke in den nächsten Jahren die Planung und Projektierung neuer Windkraft­ und Photovoltaikanlagen gemeinsam voranzubringen.

Der Geschäftsbericht ist im Internet unter www.mainzer-stadtwerke.de veröffentlicht.

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