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Staatstheater Mainz stellt Spielplan 2019/20 vor

Das neue Programm ist da. Intendant Markus Müller präsentierte am heutigen Freitag gemeinsam mit Ina Karr (Chefdramaturgin Oper), Jörg Vorhaben (Chefdramaturg Schauspiel), Honne Dohrmann (Tanzdirektor) und Hermann Bäumer (Generalmusikdirektor) den Spielplan der Saison 2019/20 am Staatstheater und das druckfrische Jahresheft.

„In deiner Haut will ich nicht stecken“, heißt es, wenn wir auf keinen Fall mit unserem Gegenüber tauschen wollen. Im Theater aber tun wir explizit eben dies – die Perspektive wechseln, „mit den Augen des Anderen“ (Georg Büchner) auf die Welt und uns selbst blicken.
Aus der Pressemitteilung des Theaters:

Die Fähigkeit zu Empathie wird heute viel beschworen,
während zugleich der gefährliche Impuls wächst, sich
vor der Vielstimmigkeit und Komplexität unserer
Gegenwart zu verschließen. Das ist nicht nur ein
soziales, sondern vor allem ein politisches Thema:
Multiperspektivität beschreibt das Grundprinzip
demokratischer Gesellschaften, deren Verweigerung
und der Rückzug auf einen unveränderlichen Standpunkt
gefährdet sie im Kern. Das Theater aber öffnet
uns eine Probebühne für uns selbst – ein großes
Übungsgelände für Empathie, in dem wir gefahrlos in
die Haut eines anderen schlüpfen und uns das fiktive
Erfahrungswissen der Figuren borgen können.

Das Programm aller Sparten am Staatstheater Mainz ist
eine Einladung, dies in der Spielzeit 2019/20 wieder
gemeinsam zu unternehmen.

SCHAUSPIEL
Der Spielplan 2019/20 im Schauspiel wird geprägt von
großen Ensemblestücken und einem Schwerpunkt auf
genuin dramatischen Stoffen – die sich wiederum durch
ihre facettenreichen Frauenfiguren auszeichnen, wie
Tschechows Drei Schwestern, Horvaths Geschichten aus
dem Wiener Wald und Arthur Millers Hexenjagd. Ein
starkes Ensemble und ein umfangreiches, stets wachsendes
Repertoire sind seit Beginn der Intendanz vor
fünf Jahren wesentlich für das Profil der Sparte. Mit 15
Premieren und 19 Wiederaufnahmen ist das Schauspielprogramm
ebenso umfangreich wie vielfältig. Inhaltlich
schreibt sich auch im Spielplan 19/20 die Auseinandersetzung
mit gesellschaftlichen und politischen
Themen fort – ästhetisch übersetzt in die verschiedensten
Theaterformen: als moderner Klassiker, als
Projekt wie in Lucas de Mans In Search of Democracy
3.0., als Monolog wie in der deutschsprachigen Erstaufführung
von Aggro Alan, als Uraufführung und
Stückentwicklung wie u.a. in Wer werden oder als
Romanadaption wie mit Heinrich Manns Der Untertan.
Ein weiteres wesentliches Prinzip der Theaterarbeit in
Mainz bleibt die kontinuierliche Vernetzung mit Partnertheatern
und internationalen Künstler*innen. Mit mehreren Austauschgastspielen (aus Köln, Luxemburg,
Mülheim u.a.) macht sich diese auch in der kommenden
Saison bereichernd bemerkbar. In der Regie führen wir
die erfolgreiche Zusammenarbeit mit K.D. Schmidt,
Jan-Christoph Gockel, Asli Kişlal, Alexander Nerlich,
Brit Bartkowiak u.a. fort und freuen uns darauf, dass
unter anderem Hannah Biedermann und Maren E.
Bjørseth erstmals bei uns inszenieren.

OPER
Mit Luigi Nono setzt auch das Musiktheater einen
dezidiert politischen Schwerpunkt. Al gran sole carico
d’amore verhandelt textlich, anders als der poetische
Titel vermuten lässt, Revolutionen – oder besser: deren
Scheitern. Musikalisch ist Nonos Werk von 1975 herausfordernd,
was u.a. nach den erfolgreichen Deutschen
Erstaufführungen von Pascal Dusapins Pérelá und
Georges Aperghis’ Avis de Tempête sowie der Uraufführung
von José M. Sánchez-Verdús Argo eine Kontinuität
der Opernsparte in der Auseinandersetzung mit anspruchsvollen,
zeitgenössischen Stücken beschreibt.
Musikalisch aus einer völlig anderen Zeit, aber nicht
weniger politisch, geht es auch in Modest Mussorgskijs
Boris Godunow um gesellschaftliche Umbrüche und
Aufstände, die Macht Einzelner und die Wankelmütigkeit
der Masse.
Zum Beethoven-Jahr 2020 denkt Hausregisseur Jan-
Christoph Gockel, der zu diesem besonderen Anlass
Kontakt zur Nachbarsparte aufnimmt, wie gewohnt
groß: In einer spartenübergreifenden Produktion wird
kein einzelnes Werk aufgeführt – stattdessen wird
Gockel gemeinsam mit Generalmusikdirektor Hermann
Bäumer und Puppenbauer Michael Pietsch der Musik,
dem Mythos und der Biografie des Komponisten auf
ungewöhnliche Art die Bühne des Großen Hauses
bereiten.
Spartenübergreifend ist auch der Zugriff bei der Musicalproduktion
The Producers, eine rabenschwarze und
hochkomische Satire auf das Showbusiness, die ebenfalls
im Großen Haus zu sehen sein wird.
Von der Barockoper Zanaida im Kleinen Haus über
Puccinis Manon Lescaut im Großen Haus bis zu Uraufführungen
der Hörtheaterreihe in der Filiale wird der
zeitliche und ästhetische Bogen auch in der kommenden
Opernspielzeit wieder weit gespannt. Nach seinem
erfolgreichen Auftritt als Sprecher in Der Ring an einem
Abend kehrt Max Hopp als Regisseur von Zanaida
zurück nach Mainz. Darauf freuen wir uns sehr — ebenso
wie auf die Fortsetzung unserer künstlerischen
Zusammenarbeit mit Elisabeth Stöppler und Anselm
Dalferth. Und mit jungen Regisseur*innen wie Wolfgang
Nägele, Gerard Jones oder Krystyn Tuschhoff,
die erstmals in Mainz arbeiten, darf das Publikum
außerdem auf neue Inszenierungshandschriften in der
Sparte gespannt sein.

TANZ
tanzmainz bereitet auch in der kommenden Spielzeit
wieder als Place of Creation internationalen
Choreograf*innen und der tanzmainz-Company die
Bühne. Zum einen können die künstlerischen Früchte
dieser kontinuierlichen Arbeit geerntet werden, wenn
im Kleinen Haus Sharon Eyals mit dem FAUST-Preis
ausgezeichnete Choreografie Soul Chain wieder zu
erleben ist, Krawall im Kopf wegen des großen Erfolgs
weiter auf dem Spielplan steht und auch Guy Weizmans
und Roni Havers Freiheit wiederaufgenommen wird.
Zum anderen entwickeln u.a. mit Giuseppe Spota und
Pierre Rigal spannende Choreografen neue Kreationen
mit tanzmainz. Spota widmet sich in seiner Arbeit der
Faszination und dem Schrecken der Natur. Tambora ist
der Name eines indonesischen Vulkans, dessen Ausbruch
Anfang des 19. Jahrhunderts vorübergehend
weltweite Auswirkungen auf das Klima hatte. Unser
paradoxes Verhältnis zur Natur, das sich zwischen der
Sehnsucht nach unverfälschtem Idyll und dessen
gleichzeitiger Zerstörung beschreiben lässt, wird
Thema des Tanzabends – und der weltweit gefragte
Lichtdesigner Avi Yuona Bueno „Bambi“ dazu beitragen,
es uns ästhetisch außergewöhnlich nahe zu bringen.
Die Zusammenarbeit mit dem französischen Choreografen
Pierre Rigal, der unter anderem für das Ballett
der Pariser Oper gearbeitet hat, steht im Kontext eines
größer angelegten Projekts des Institut Français. Die
bereits bestehenden und kontinuierlich gepflegten
Kontakte von tanzmainz mit dem französischen Tanz
sollen ausgebaut und vertieft werden.
In dem Kooperationsprojekt 3D International mit der
Göteborg-Operans Danskompani und dem Scapino
Ballett aus Rotterdam wird jungen Tänzer*innen die
Möglichkeit gegeben, sich als Choreograf*innen zu
entwickeln – was in hohem Maße dem Profil der Tanzsparte
in Mainz entspricht, das selbstbewusste Potenzial
der künstlerischen Persönlichkeiten im Ensemble zu
sehen und zu fördern.

Im tanzmainz festival UPDATE #3 schließlich, das
unter dem Arbeitstitel The other Europe konzipiert
wird, werden Choreograf*innen aus Ländern zu erleben
sein, die sonst selten auf Festivals vorkommen – wie
etwa Serbien, Griechenland oder Rumänien. JUSTMAINZ
Auch in der Spielzeit 2019/20 wird das Programm der
Kinder- und Jugendtheatersparte justmainz wieder von
allen Sparten des Hauses bespielt. Im Schauspiel stehen
mit Astrid Lindgrens Ronja Räubertochter im Großen
Haus und Otfrid Preußlers Krabat im Kleinen Haus
gleich zwei große Familienstücke auf dem Programm,
wobei letzteres auch und gerade im Abendspielplan zu
sehen sein wird. Die Oper zeigt auf U17 Das Kind der
der Seehundfrau und das Hörtheater Fish Forward mit
Werken von Ludwig van Beethoven, Heinrich Böll u.a.
als Uraufführung im Kleinen Haus – und im Tanz gibt
es ein Wiedersehen mit Andreas Denk, einem der
profiliertesten Choreografen für Kinder und Jugendliche.
Seine Choreografie Popcorn wird ihrem Namen
Ehre machen und alles und jede*n durcheinanderschütteln.

Den vollständigen Spielplan 2019/20 finden Sie im Jahresheft und auf www.staatstheater-mainz.com.

Foto: Andreas Etter

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