
Mit den Händen arbeiten und am liebsten mit anderen zusammen: Der Werdegang von John Fellhauer lief nicht ganz gerade auf das zu, was ihm am meisten Freude bereitet. Jetzt verdient er seinen Lebensunterhalt damit. John hat zwei Berufe. Er ist Tischler und Diplom-Industriedesigner. Die Ausbildung zum Schreiner hat er in Geisenheim, das Studium an der Hochschule in Darmstadt absolviert. Beides liegt in Hessen. John sagt es fast entschuldigend. Ist aber nicht schlimm. Längst ist er in Mainz verwurzelt. Den Ausflug in die – eher theoretische – Welt an der Hochschule Darmstadt möchte er nicht missen. Es blieb ein Ausflug. Das akademische Umfeld ist nicht so seins. Er will nicht nur planen, sondern auch umsetzen, ein Ergebnis sehen. Mit den Händen arbeiten, pragmatisch und lösungsorientiert: „Alles andere macht mich nicht glücklich.“
Nachdem er sein Diplom in der Tasche hatte, ist John Fellhauer bei „Klotz&Quer“ eingestiegen – „die handwerkliche Kreativzentrale mit Showroom, Designbüro & Mitmach-Werkstatt in der Mainzer Neustadt“. Gegründet von Susanne Wagenbach hat die hauseigene Möbellinie „kq.interior“ bald zehn Jahre auf dem Buckel, sie kommt an. John lernte die Kreativwerkstatt als Kunde kennen: 2018 hat er hier einen Unterschrank fürs Waschbecken gebaut. Dann unterstützte er Susanne fünf Jahre als Werkstudent und stellte fest: „Wir sind ein gutes Team.“ Die beiden gründeten eine GbR, John ist nun als technischer Betriebsleiter in der GbR selbstständig.
Lieblingsstücke: Gerüstbohlen

Die Werkstatt ist Anlaufstelle für Menschen, die sich Möbel selbst bauen wollen. Hier gibt es die passenden Geräte und Werkzeuge, professionelle Beratung und Anleitung. In Workshops entstehen Tische und andere Möbel. Gegen Bezahlung, versteht sich. Hier ist aber noch etwas besonders: Die Materialien, vor allem das Holz, haben schon ein Leben hinter sich. Gerüstbohlen, zum Beispiel. Johns Favoriten, die sich unter kundigen Händen in vielfältige Tische verwandeln. Der 31-Jährige steht auf Upcycling, auf Wiederverwertung. Wegwerfen war noch nie sein Ding. Er kann in fast allem, was angeknackst wirkt, erkennen, was sich damit und daraus machen ließe.
Sein erstes Jahr als Mitgesellschafter im Klotz&Quer war nicht einfach, erzählt er. John ist finanziell in die GbR eingestiegen und damit ein Risiko eingegangen. Darüber hat er viel nachgedacht. Als Selbstständiger muss er zudem Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung selbst aufbringen. Gleichzeitig hat er mit Susanne den Betrieb neu aufgestellt, zu zweit können sie mehr Workshops anbieten und mehr DIY-Events. Upcycling ist bei Klotz&Quer DAS Thema. Ein Grund mehr, warum die Kreativwerkstatt und John so gut zusammenpassen. Schon beim Vater hat er gelernt: Was kaputt ist, wird repariert und alles, was irgendwie nutzbar ist, wird verwertet. Verschwendung gab es auch nicht im Ausbildungsberuf als Tischler: Die Materialien kosten Geld, sie müssen abfallarm eingesetzt werden. Im Industrie-Design-Studium traten Ökologie und Nachhaltigkeit in Verbindung mit Re-Use auf.

Nicht-Reparierbarkeit – das ist für John eine Horrorvorstellung: „Ich werde mir nie ein Auto kaufen, das nicht mehr repariert werden kann.“ Privat hat er sich einen alten Mercedes-Bus gekauft und mit seiner Frau zum Wohnmobil umgebaut.
Ein großes Projekt beschäftigt die kq-Crew in Nierstein. Eine Einliegerwohnung samt Apartment wird komplett saniert. Die 70er Jahre-Deckenpaneelen aus Zedernholz sind fachgerecht aufgearbeitet und zu Möbelstücken verarbeitet worden. Was John und Susanne in ihrer eigenen Werkstatt nicht ausführen können, lassen sie von befreundeten Kollegen bearbeiten. Überhaupt: Freunde, Bekannte, Kolleginnen – der Mikrokosmos im Hinterhof des Kaiser-Wilhelm- Rings basiert auf Austausch, gegenseitiger Unterstützung, Hand-in- Hand-Arbeit und gemeinsamen Projekten – wie die „Bouquinistes-Boxen“ mit Bastian Vogt. Das Projekt gewann im Sommer den Publikumspreis beim „mainzgefühl“-Wettbewerb. Es ist eine kreative Interpretation der traditionellen Bücherschränke in Paris, die in Höhe des Fischtors am Mainzer Rheinufer aufgestellt werden soll.
Text: Marion Diehl
Fotos: Marion Diehl & John Fellhauer