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Neuer Staatstheater-Intendant Markus Müller nimmt Spielzeit 2014/15 in Angriff

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von Michael Jacobs (Artikel aus der Mainzer Allgemeinen Zeitung)

Markus Müller scheint es kaum erwarten zu können, dem Mainzer Staatstheater seinen Stempel aufzudrücken. Nachdem der Noch-Intendant des Oldenburgischen Staatstheaters schon im August vergangenen Jahres mit Honne Dohrmann den neuen Mainzer Ballettchef präsentierte, stellte er am Donnerstag, kaum dass die Silvesterböller verraucht sind, seine Führungsmannschaft vor, mit der er ab dem 1. August die Nachfolge des scheidenden Intendanten Matthias Fontheim antritt. (Foto: dpa)

Müller gilt als versierter Kommunikator und Teamplayer. Und so sieht er auch sein künstlerisches Kernteam, das er im Foyer des Großen Hauses in breiter Front um sich schart, als ein Kreativ-Kollektiv „selbstbewusster und künstlerisch eigenwilliger Persönlichkeiten“, das im konstruktivem Miteinander für eine offene, durchlässige und strukturell in die Breite wirkende Leitungs- und Theaterkultur sorgen soll.

Entfaltungsspielraum bieten

„Wir werden uns aneinander reiben, uns gegenseitig anregen und immer wieder spartenübergreifende Projekte aushecken“, meinte Müller. Rückgrat seines – schon in Oldenburg erfolgreich erprobten – „Mainzer Modells“ sind fünf Hausregisseure, die während der kommenden Jahre ihren Lebensmittelpunkt in Mainz haben, mindestens zwei Stücke pro Spielzeit inszenieren und im Zusammenspiel mit den Chefdramaturgen dem Ensemble möglichst viel Entfaltungsspielraum über die Grenzen von Schauspiel und Musiktheater hinweg ermöglichen sollen. Einen ausgewiesenen Opern- beziehungsweise Schauspieldirektor – mit Ausnahme des Balletts – wird es nicht mehr geben – stattdessen flache Hierarchien und einen beständigen Austausch untereinander.

Die Zeit der Theaterfürsten sei vorbei, sagte Jan-Christoph Gockel, dem Mainzer Publikum durch Inszenierungen von Schillers „Räuber“ oder dem Puppenspiel unterstützen Stück „Grimm“ bestens bekannt. Das System der Hausregisseure gewährleiste Kontinuität, ermögliche nachhaltige Projektentwicklungen und verhindere, dass der Regisseur zum Söldner des Spielplans degradiert werde, sagte Gockel. Als weitere Hausregisseure konnte Müller Niklas Helbing, der unter anderem klassische Stücke und Opern in Hamburg, Bochum, Zürich und Wien inszenierte, Elisabeth Stöppler für das Musiktheater und Sara Ostertag, die sich besonders dem Kinder- und Jugendtheater widmet, gewinnen.

Bühne frei für internationale Theatergruppen

Zudem „Nestor“ K.D. Schmidt, der in der Funktion des leitenden Regisseurs als „bösartiger Hinterfrager“, wie er augenzwinkernd ankündigt, die Schauspieler zu Höchstleistungen motivieren will. Schmidt arbeitet seit langem mit Müller zusammen, ebenso wie Ina Karr, die als Opern-Chefdramaturgin neben Operngeschäftsführer Stefan Vogel und Generalmusikdirektor Hermann Bäumer eine der kommunikativen Schaltstellen für das Musiktheater sein wird. Aus Oldenburg an den Rhein wechselt auch Jörg Vorhaben, der als künftiger leitender Schauspieldramaturg die Mainzer Bühne für freie und internationale Theatergruppen öffnen will. Erik Raskopf wird neuer künstlerischer Betriebsdirektor und Chefdisponent. Als Kaufmännischer Geschäftsführer bleibt Volker Bierwirth dem Haus erhalten.

Bei seinem transparenten künstlerischen Interaktionsmodell zählt Müller auf die Wirkungsmacht des Ensembles, die das Publikum mit zeitgemäßen und regionalen Themen für das Theater begeistern soll. „Wir schaffen die Strukturen, damit das Ensemble in Ruhe agieren kann“. Das darstellerische Personal sei sogar geringfügig aufgestockt worden. So startet der 40-Jährige mit 18 Tänzern, 24 oder 25 Schauspielern sowie 17 Sängern im Sommer in seine erste Spielzeit, wobei das Musiktheater besonders gestärkt werden soll. Die einzelnen Ensemblemitglieder wie auch den Spielplan, der bis auf wenige Positionen fertig ist, will Müller im Frühjahr präsentieren.