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Mainzer Wirtschaftsdezernent Sitte räumt 2 Tage vor Stadtratswahl seinen Posten

Aus der Allgemeinen Zeitung von Alexandra Eisen und Paul Lassay:

Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) wird anders als zuvor angekündigt in der Sitzung des Stadtrates am Mittwoch nicht zur Wiederwahl für eine weitere Amtszeit antreten. Dies gab Sitte am Montagnachmittag im Rahmen einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im Rathaus bekannt. Grund für die überraschende Entscheidung sei ein unterschriftsreifes Angebot aus der Privatwirtschaft, erklärte er.
„Manchmal ist das so im Leben, dass Entscheidungen zu Zeitpunkten anstehen, die man selbst anders gewählt hätte“, sagte Sitte. Es sei eine schwierige Entscheidung gewesen, die er unter anderem mit seiner Familie intensiv und reichlich beraten habe. „Jeder muss das für sich entscheiden und ich bitte, das zu respektieren.“ Er werde zu einem Finanzdienstleistungsunternehmen in Frankfurt wechseln kündigte der FDP-Politiker an. Den Namen werde er erst zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben. Politischer Druck aus der Ampelkoalition habe bei seiner Entscheidung zum Rückzug keine Rolle gespielt. „Ganz im Gegenteil“, sagte Sitte. „Die Signale waren sehr positiv.“
Dies ist zwei Tage vor der Stadtratssitzung, in der er sich nach acht Amtsjahren zur Wiederwahl gestellt hätte, ein Paukenschlag. Die offizielle Bewerbungsfrist für das Amt des Beigeordneten ist längst abgelaufen. Nach aktuellem Stand dürfte also nur noch die Gegenkandidatin der CDU, Manuela Matz, zur Wahl vorgeschlagen werden. Obwohl Sitte intern auch umstritten war, war die Wiederwahl des 45-Jährigen aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat sicher.

Beck: „Das ist verantwortungslos, inakzeptabel und unverschämt.“
Für die Ampel kommt diese Wende ein knappes halbes Jahr vor der Kommunalwahl zur Unzeit. Zumal die CDU als größte Opposition in der Vergangenheit nicht müde wurde, den Wirtschaftsdezernenten scharf zu kritisieren. Unter anderem wird ihm Versagen bei der Neuvergabe der Stände für den Weihnachtsmarkt und Zögerlichkeit bei der Anpassung des Zentrenkonzepts vorgeworfen. Auch die bundesweit in die Schlagzeilen geratene „Brücke ins Nichts“ über der Koblenzer Straße wird ihm angelastet, weil der Grundstückserwerb für die Weiterführung der Brücke nicht rechtzeitig erfolgt war.

Finanzdezernent Günter Beck (Grüne) hat die Entscheidung seines Kollegen im Stadtvorstand wie viele andere kalt erwischt. „Das ist verantwortungslos, inakzeptabel und unverschämt. Christopher Sitte stürzt uns ins Chaos.“ Der Wirtschaftsdezernent habe alle hinters Licht geführt. Dass das Angebot für Sitte so spontan gekommen sein soll, will Beck nicht glauben. Seine Entscheidung, drei Tage vor der Dezernentenwahl seinen Rückzug zu erklären, sei schlecht für die Ampelkoalition, aber auch schlecht für die Politik im Allgemeinen. „Ich glaube Christopher Sitte weiß gar nicht, was er angerichtet hat. Das wird hohe Wellen schlagen.“ Nun müsse man schauen, wie es weitergehe. In der Position Sittes wäre er nach einer solchen Aktion nicht mehr in der Lage, in den Spiegel schauen, sagte der Finanzdezernent.

Die nicht minder von den Entwicklungen überraschte CDU-Stadtratsfraktion befindet sich mit ihrer Kandidatin für die Dezernentenwahl, Manuela Matz, in einer vergleichsweise komfortablen Situation. „Wir haben eine überaus kompetente Kandidatin aufgestellt, die aus der Praxis kommt und frischen Schwung in die Wirtschafts- und Ansiedlungspolitik der Stadt Mainz bringen kann. Wir hoffen sehr und sind zuversichtlich, dass sie jetzt am Mittwoch gewählt wird“, sagt Fraktionschef Hannsgeorg Schönig. Manuela Matz wäre mit ihren Ideen und ihrer zupackenden Art eine „hervorragende Wirtschaftsdezernentin“.

Foto: Sascha Kopp

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