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Mainzer Fastnachter und Kabarettist Herbert Bonewitz gestorben

Artikel aus der Allgemeinen Zeitung von Michael Bermeitinger:

Eine traurige Nachricht erschüttert Mainz – Herbert Bonewitz ist tot. Der große Fastnachter und Kabarettist ist am Mittag im Alter von 85 Jahren im Mainzer Universitätsklinikum im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen, berichtet sein Sohn Michael.

Der Name Herbert Bonewitz ist untrennbar mit der Mainzer Fastnacht verbunden, er gehört unzweifelhaft zu den Größten, die diese Stadt auf der Bühne gesehen hat. Auch nach seinem Abschied aus der Bütt und dem Wechsel ins Kabarettfach 1975 blieb die Fastnacht immer ein Teil von ihm, aber eben nur ein Teil: „Ich habe die Narrenrolle nie bereut, aber nur darauf reduziert zu werden, stimmt halt auch nicht“, sagte er vor einigen Jahren in der AZ. „Ein Drittel war Fastnacht, zwei Drittel macht das Kabarett aus.“
Am 9. November 1933 kommt Bonewitz zur Welt, erlebt im Krieg Schlimmes, wird verschüttet, entkommt eben noch der Flammenhölle in der Neubrunnenstraße. „Aber es ging weiter“, sagt er einmal. Er macht 1953 Abitur am Schloss-Gymnasium, studiert Jura, aber nur halbherzig. Bei vielen Klassenkameraden ist der Weg vorgezeichnet, Bonewitz ist aber ein Suchender.

Auch privat hat er Glück
Dafür spielt er brillant Klavier, in US-Clubs und in der Fastnacht: GCV, MCV, Fernsehsitzung – schon bei der ersten 1955. Noch mit den „Dippelbrüdern“ Marga Dippel, Arthur Becker und Norbert Henzel auftritt. Er ist als „Musikalclown“ mit spektakulärer Akrobatik am Flügel der Star. Die „Narrhalla“ jubelt: „Beim MCV haben viele tausend Menschen über seine Clownerien Tränen gelacht, gleichzeitig aber hatten sie hohen Respekt vor der Musikalität und Technik dieses Jungen.“ Die Bedeutung der Fernsehübertragung ist noch keinem bewusst.
Auch privat hat er Glück: Als Herbert Bonewitz nach der zweiten TV-Sitzung beim Empfang nach der Sitzung nicht eingelassen wird, geht er zum Landtagsball, wo sich sein Weg mit dem verschlungenen Weg des Flüchtlingsmädchens Bärbel Heye kreuzt – und vereint. Sie ist 17, er 23 – geheiratet wird zwei Jahre später. Bärbel Bonewitz ist für ihn so unglaublich wichtig. „Ohne sie hätte ich nie das erreicht, was ich geworden bin.“
Steile Karriere in der Fastnacht
Während es im Beruf für ihn als Werbefachmann bei Hakle rasch aufwärts geht, ist die Karriere in der Fastnacht fast noch steiler. Mit der genialen Gesangsformation „Gonsbachlerchen“, die über Jahre zum Inventar der Fernsehsitzung gehören, gelangt er zu bundesweiter Berühmtheit. Er geht auch allein in die Bütt, und als genialer Wandler zwischen allen Stilen erfindet er die Büttenrede quasi neu.
Seit der ersten TV-Sitzung dabei, ist er eigentlich ein Alt-Star, ein Etablierter – aber mit jedem Jahr wird er jünger, entfernt sich mehr vom Fastnachts-Establishment. Er revolutioniert die Bütt. Seine Figuren sind so etwas wie der rote Faden, der sich in den 70ern durch die Fernsehfastnacht zieht. Großartig, unvergessen: „Liedermacher“, „Prinz Bibi“, „Platzanweiser“, „Musikprofessor .“ Er hält der Fastnacht mit ihren Eitelkeiten den Spiegel vor, machte sich über die Honoratioren-Rituale der vierfarbbunten Jahreszeit lustig.

Als Nestbeschmutzer beschimpft
Nicht, dass Bonewitz es letztendlich geschafft hätte, die Gesellschaftsfastnacht mit ihren Eitelkeiten, Eifersüchteleien und ihrer angelegentlichen Wichtigtuerei zu ändern. Aber vieles, was in den folgenden Jahrzehnten möglich wird, ist ihm zu verdanken. Er hat den biederen Rahmen gesprengt. Dafür, dass er den Fastnachtern den Spiegel vorhält, muss er aber viel einstecken. „Nestbeschmutzer“ nennt man ihn. Und nach einem TV-Auftritt muss er rasch das Schloss verlassen, bevor ihm Funktionäre an die Wäsche können.
Noch in seiner aktiven Zeit als Fastnachter tritt er 1975 erstmals als Kabarettist im Mainzer Unterhaus auf. Sein erstes Programm: „Ein Narr packt aus“. Kein Geringerer als Hanns Dieter Hüsch hat ihn zu diesem Wechsel ermutigt, und schließlich widmet er sich ganz der Kleinkunst. Er gibt erst die Fastnacht auf und dann, 1984, schließlich seinen Beruf bei Hakle. Als Kabarettist ist er in der ganzen Republik unterwegs.
Er veröffentlicht zahlreiche Bücher, es gibt Schallplatten von seinen Programmen, wobei auch seine Fähigkeiten als Liedermacher, der sich selbst am Klavier begleitet, herausragend sind. 2006 erhält der Kabarettist Herbert Bonewitz auf dem Mainzer Walk of Fame des Kabarett einen Stern der Satire.

Stammgast bei der Nachtvorlesung
Bereits seit 2004 ist Herbert Bonewitz auch regelmäßiger Gast der damals von Herzchirurg Christian-Friedrich Vahl gegründeten Reihe Nachtvorlesung an der Mainzer Universitätsmedizin. Jahrelang bestreitet er in unnachahmlicher Art kurz vor Weihnachten die letzte Nachtvorlesung des Jahres, und er erhält als erster den aus dieser Reihe hervorgegangenen „ Mainzer Medienpreis für nachhaltiges Mediales Wirken“. Das ist im November 2017, kurz nachdem er offiziell von der Bühne zurückgetreten ist. Sein Nachfolger als Preisträger ist 2018 kein Geringerer als der mittlerweile weltbekannte Fußball-Trainer Jürgen Klopp. Beide freuten sich – Herbert Bonewitz über seinen Nachfolger, Jürgen Klopp über seinen Vorgänger.

Foto: Werner Feldmann