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“Lufo”-Auftakt: Aus dem Experiment lernen


Am gestrigen Dienstag 21. Juni, hatte die Stadt Mainz zum ersten von insgesamt fünf „Ludwigsstraßen-Foren in den Gutenberg-Saal der Rheingoldhalle geladen. Ziel war eine breite Ideenfindung als Grundlage der weiteren Planungen im Dialog mit allen Beteiligten. Neben Experten waren vor allem die Bürger zur Teilnahme und Beteiligung eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Darmstädter Architektin und Stadtplanerin Brigitte Holz. Neben verschiedenen Impulsreferaten sollte die Festlegung von belastbaren Empfehlungen und Zielaussagen für die weiteren Planungen und das bevorstehende Bauleitplanverfahren im Mittelpunkt stehen. (Bild: Andreas Coerper)

„Das war eine wichtige Erfahrung“, konstatierte Oberbürgermeister Jens Beutel nach Abschluss der Veranstaltung. „Ich hatte in dem Experiment der frühzeitigen Bürgerbeteiligung eine Lernchance für die Verwaltung, für die Politik und auch für die Planer gesehen. Missverständnisse sind offensichtlich in der schönen neuen Welt der Bürgerbeteiligung vorprogrammiert: denn nicht die Stadt will eine Einkaufspassage an der Ludwigsstrasse bauen, sondern ein privater Eigentümer mit potentiellen Investoren; nicht die Verwaltung will ein Bauvorhaben durchsetzen, sondern der Stadtrat hat hierzu einen öffentlich kommunizierten Grundsatzbeschluss gefasst, den die Verwaltung umsetzen soll; nicht die Fiktion eines überdimensionierten Betonklotzes, sondern der Neubau des maroden Karstadt-Gebäudes aus den 60er-Jahren ist Kern des Projektes. Die zuvor intensiv diskutierte virtuelle Frage nach dem Erhalt nach dem Domblick spielte dagegen praktisch keine Rolle. Im Vordergrund stand vielmehr die Frage nach möglichen Ausstiegsszenarien.“

Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte: Das erste „Lufo“ war aus meiner Sicht als Wirtschafts- und Stadtentwicklungsdezernent erfolgreich. Nachdem die Aktivisten, die ein Einkaufszentrum im Grundsatz in Frage stellen, vorzeitig nach Hause gegangen waren, kamen zahlreiche konstruktive Anregungen aus der Bürgerschaft. Klar wurde dort auch, dass eine Modernisierung von Karstadt mit ergänzenden Angeboten sehr wohl von den Mainzer Bürgern gewünscht wird. Als Wirtschaftsdezernent werde ich mich dafür einsetzen, dass das neue Einkaufszentrum in seiner Ausrichtung und in seinem Umfang so optimiert wird, dass es als Magnet Kaufkraft aus dem Umland bindet und sich gleichzeitig in die Innenstadtkonzeption einfügt. Wir sind froh, dass es Interessenten für die Umsetzung gibt, die immerhin rund 300 Millionen Euro in die Hand nehmen wollen, um Mainz als Oberzentrum und beliebte Einkaufsstadt städtebaulich attraktiver zu machen“.

Baudezernentin Marianne Grosse: “Das war eine sehr interessante Veranstaltung, die zum Teil auch durchaus überraschende Aspekte für Experten und Podium bereithielt. Alles in allem überwiegt bei mir aber die Zufriedenheit darüber, dass viele Mainzerinnen und Mainzer gekommen sind und ihre Meinung einbringen wollen. Und wir haben wie erhofft auch eine Vielzahl wichtiger Anregungen und Hinweise erhalten, die die Grundlage für die weiteren Foren sein werden, bei denen wir uns mit den zentralen Einzelthemen befassen werden.”

Fazit des Oberbürgermeisters: „Unser Dank gilt heute all denen, die sich kritisch, aber auch konstruktiv mit dem Projekt auseinandersetzen. Wir wollten mit den Lufos auf der Grundlage eines Ratsbeschlusses einen möglichst breiten Konsens in der Bevölkerung erzielen und Anforderungen an das Projekt zusammentragen, die dann in die Verhandlungen mit einem Investor einfließen. Wenn diese Anforderungen am Ende wirklich einen zu hohen Preis darstellen, könnte auch ein Ausstieg der Stadt aus dem Projekt notwendig werden. Ein solcher Ausstieg ist aber weder Zielvorstellung des Rates noch der Verwaltung. Wir sind aber optimistisch, dass es in den weiteren Themen-Foren gelingt, gemeinsam einen tragfähigen Kompromiss zu erarbeiten. Eines müssen sich aber alle Beteiligten nochmals bewusst machen: Keine Veränderungen an der Lu könnten in der Konsequenz Leerstand, Arbeitsplatzverlust und schließlich einen massiven Verlust an Attraktivität im Herzen der Stadt nach sich ziehen“.

Ein Kommentar ““Lufo”-Auftakt: Aus dem Experiment lernen

  1. Erhellendes zur gewünschten Architektur des neu zu errichtenden Gebäudes findet sich in der von der SPD verlegten Altstadt-Zeitung
    http://www.spd-mainz-altstadt.de/zeitung/zeitung-2011-2-00-2011-06-20-55.pdf
    auf Seite drei.
    Dort wird einem Herrn St.Far gehuldigt, der für seine Zeit, 1746-1828, sicher sensationelle Ideen hatte und sie 1808 auch umsetzen durfte. Wohlgemerkt vor zweihundert Jahren. In der Altstadtzeitung wird, wenn ich richtig verstanden habe angeregt, das während der Regierung der Nationalsozialisten alliierten Bomben zum Opfer gefallene Gebäude so wieder zu errichten. Mit allem Drum und Dran, rotem Sandstein und kleinteiliger Fassadenstruktur.
    Diesen Vorschlag finde ich gruselig, schlimmer als meine oben abgebildete Photoshop-Fantasie. Mainz braucht endlich moderne Architektur im Stadtzentrum. Keine weiteren Erinnerungsstücke an eine gute alte Zeit wie das hässliche Sinn-Gebäude mit seinen toten “Fenster-Augen” und unsäglichen Amphoren, oder eine Wohnbau ähnliche Schachtel. Auch bitte kein weiteres Fuksas Architekturverbrechen. Ein bißchen Zaha Hadid, Sir Norman Foster etc. mit einer Aussichtsplattform obendrauf. Die Stadt hat schon 2000 Jahre Vergangenheit und sollte sich jetzt baulich in die Zukunft orientieren. Kleinteilige Fassadenstrukturen sind für schei….. Tauben.

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