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Kunsthalle Mainz: Neue Ausstellung „Enter the Void startet am 10. Juli

Forensic Architecture: Saydnaya, A detainee works with Forensic Architecture researchers to recreate elements of the prison in April 2016. Image & Courtesy Forensic Architecture

Die neueste Ausstellung in der Mainzer Kunsthalle widmet sich der Arbeitsweise und dem Schaffen der Künstler Lawrence Abu Hamdan, Ursula Biemann und Paulo Tavares (Forensic Architecture). Sie folgt deren Strategien, Lücken in der Übermittlung von Ereignissen, in Beweisketten, in der Rechtsprechung, ebenso wie in der sinnlichen und physischen Wahrnehmung.

Alle vier Positionen verbinden sich in dem englischen Wort „void“. Dieses bezeichnet ein Loch, eine Lücke, eine Leerstelle und damit einen unbesetzten Raum bzw. eine Stelle, an der Material abwesend ist. Es umschreibt in diesem Zusammenhang unter anderem nachträgliche Verletzungen, die eine ehemals intakte Struktur oder Anwesenheit belegen. Ebenso legen Löcher, Lücken, Leerstellen Zeugnis über Eingriffe, Angriffe und Ereignisse ab. Abgesehen von den physischen Qualitäten, können sie sich auch auf Wissens- oder Wahrnehmungslücken beziehen und Informationen schlucken, die nicht gesehen, gehört, verstanden oder eingeordnet werden können.

Forensic Architecture kreist in ihren Fallbearbeitungen immer wieder um den Topos „negative evidence“. Dieser entstammt der Rechtswissenschaft und wird verwendet, wenn das Fehlen eines materiellen Zeugnisses – beispielsweise in Form der Verschleierung oder Zerstörung von Material – als eigener Beweis verstanden wird. Es handelt sich demnach um eine Beweisführung ex negativo. Lawrence Abu Hamdan und Paulo Tavares lernten sich im Rahmen ihrer Arbeit innerhalb Forensic Architecture an der Goldsmiths University kennen. Seit langer Zeit verfolgen sie jedoch von der Rechercheagentur unabhängige Projekte. So widmen sich Paulo Tavares und Ursula Biemann dem Ökosystem und der Frage nach der Welt als Lebewesen. Lawrence Abu Hamdan schließlich konzentriert sich insbesondere auf Aussagekraft und Wahrheitsgehalt von Ton und Stimme.

Es ist der Aspekt der (vermeintlichen) Abwesenheit, der in der Ausstellung Enter the Void die Beiträge von Lawrence Abu Hamdan, Ursula Biemann, Forensic Architecture und Paulo Tavares verbindet. Ihre Arbeit leistet immer wieder Beiträge zur Neubewertung und Aufklärung von Verbrechen. Sie ist daher nicht nur in der Kunst, sondern auch gesellschaftlich von Bedeutung. In der Kunsthalle Mainz wird die Gegenwartskunst im Sommer 2020 zum Austragungsort für den Kampf um Demokratie, Gerechtigkeit, Natur- und Menschenrechte. Die Ausstellung und ihr Begleitprogramm werden gefördert durch die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, die Rudolf Augstein Stiftung, Pro Helvetia und die Landeszentrale für politische Bildung.

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