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Kita-Mangel in Mainz: 2.109 neue Betreuungsplätze bis 2023 nötig

In Mainz werden weiter fleißig kleine Mainzer gezeugt. Doch die Kitas und teils auch Schulen platzen weiterhin aus allen Nähten. Die Zahl der Kinder mit Rechtsanspruch auf Betreuungsplatz steigt bis 2023 um 12,5 Prozent. Das bedeutet 22 neue Kitas sind bis 2023 zu errichten und Personal dafür zu finden. Eine fast unlösbare Aufgabe.

Das sagt der aktuelle „Kindertagesstätten-Bedarfsplan 2019 mit Prognose bis 2023“, der jetzt als Entwurf vorliegt. „Wir erleben eine enorme Wachstumsdynamik, die Mainz zu einer der attraktivsten Städte der Region macht – vor allem für junge Familien.“, so Oberbürgermeister Michael Ebling. Um 20.000 Bürger ist die Landeshauptstadt in den vergangenen zehn Jahren gewachsen. Vermehrter Zuzug und eine Geburtenzunahme sind vor allem der Grund dafür. Ebling weiter: „Der Lohn dieser Anziehungskraft bedeutet aber auch: Betreuungs- und Kitaplätze ausbauen, ausbauen, ausbauen. Keine Frage: Wir nehmen diese Herausforderung sportlich und gerne an, wenn auch einige Gelenkschmerzen und mancher Muskelkater damit verbunden sind.“

Der Kindertagesstätten-Bedarfsplan wird jährlich mit einer Prognose für die kommenden fünf Jahre erstellt und geht umfassend auf die Situation der Kinderbetreuung in der Stadt Mainz und in ihren einzelnen Stadtteilen ein und stellt sie differenziert nach Altersstufen der Kinder vor. Er wird im Jugendhilfeausschuss vorberaten und schließlich dem Stadtrat zur Kenntnisnahme vorgelegt. Unabhängig vom sogenannten Gremienlauf informiert die Abteilung Kitas in gesonderten Terminen die Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher über den Kindertagesstätten-Bedarfsplan.

Jugendhilfeplaner Klaus Cartus, der jährlich den Kita-Bedarfsplan erstellt und die Leiterin des Amtes für Jugend und Familie, Juliane Opalka, gingen auf Details des aktuellen Entwurfs ein und informierten über die geplanten Maßnahmen zum weiteren Kita-Ausbau. So steigt die Zahl der Kinder mit Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz bis 2023 weiterhin um 12,5 Prozent, so dass bis 2023 insgesamt nun 22 neue Kitas mit 2.109 Betreuungsplätze zu errichten sind (25 % mehr als 2018 vorhandene Plätze). Zwei weitere Kitas – in Mombach und in Ebersheim – sind neben den bereits beschlossenen und im Kita-Bedarfsplan 2018 aufgeführten Neubauten erforderlich. 12 Ersatzneubauten (davon 10 städtische Kitas) mit Erweiterungsbauten werden ebenfalls zum Ausbau von Plätzen beitragen. Elf Interimskitas mit 42 Gruppen sind derzeit in Betrieb. Drei weitere mit 7 Kitagruppen folgen 2020. Personalprobleme und fehlende Außengelände für die Kleinen sind nur wenige der Folgen.

„Neu und noch nicht im Entwurf des Kita-Bedarfsplan enthalten: An drei weiteren Standorten, der ehemaligen Fachhochschule in Gonsenheim, nahe dem ehemaligen Hildegardis-Krankenhaus sowie in der Altenauergasse wird es ebenfalls neue Interims-Kitas geben“, kündigte der Oberbürgermeister an. „Wir wollen auch kurzfristig deutlich Gas geben, um dem steigenden Bedarf Rechnung zu tragen. Bei den 3 neuen Interimskitas – teils in Containern – wird mit der Fertigstellung innerhalb eines Jahres gerechnet. Diese schaffen ein Platzangebot von mindestens elf Gruppen.

Neben dem Ausbau des Platzangebotes in den Betreuungseinrichtungen spiele das Thema Essensversorgung eine immer wichtigere Rolle. „Hier besteht der Wunsch vieler Eltern, die Mittagsessensversorgung in den Kitas auf Frischküche umzustellen“, sagte Oberbürgermeister Ebling: „Anfang des Jahres wurde eine Arbeitsgruppe des Jugendhilfeausschusses gegründet, die Möglichkeiten aufzeigen soll, wie ein schrittweiser Einstieg in eine Frischküche gelingen kann. Wir werden zusammen mit der Arbeitsgruppe ein praktikables Modell realisieren. Oberbürgermeister Ebling hat die Wohnbau Mainz beauftragt, in der Kita Alte Patrone eine Küche zu installieren. Dies kann im Kindergartenjahr 2020/2021 in Betrieb gehen. Gesunde Ernährung ist wichtig und wir brauchen dafür dieses Pilotprojekt.“

Für die Stadt und die mit ihr gut und vertrauensvoll kooperierenden Träger und Initiativen sei der Ausbau der sozialen Infrastruktur eine enorme Herausforderung. Sozialdezernent Dr. Lensch: „Wir wollen, dass Kinder von klein an faire Bildungschancen haben und eine qualitativ gute Betreuung und Bildung in unseren Einrichtungen anbieten und tun alles dafür, den Familien die benötigten Betreuungsplätze zur Verfügung stellen zu können, damit sie Familie und Beruf miteinander verbinden können. Dafür tun wir, was nur irgend geht.“

Seit Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz in Rheinland-Pfalz 2010 sind 2.126 vorschulische Betreuungsplätze (Krippen, Kindergärten, Elterninitiativen und Tagespflege) in Mainz geschaffen worden, der überwiegende Teil davon in (städtischen) Kindertagesstätten“, sagte der Sozialdezernent. „Die Zahl der Ganztagsplätze ist von 2010 bis 2018 um 64 Prozent erhöht worden (2008: 2.877 GZ-Plätze, 2010: 3.850, 2018: 6.331), seit 2008 hat sich diese sogar mehr als verdoppelt (220%). Das ist mit einer Ganztagsquote von rund 85 Prozent erneut ein in Rheinland-Pfalz unerreichter Spitzenwert“, so Dr. Lensch: „Auf das bisher Erreichte und Geleistete können wir also sehr wohl stolz sein. Wir werden auch den weiteren Kita-Ausbau erfolgreich bewältigen.“

Die Landeshauptstadt Mainz lege zudem einen Schwerpunkt auf den Ausbau der Betreuungsangebote für Grundschulkinder am Nachmittag und in Ferien an den Schulen, erläuterte der Sozialdezernent: „Sie unterstützt diese, die notwendigen Betreuungsplätze einzurichten und hat 2018 im Amt für Jugend und Familie eine Koordinationsstelle geschaffen, die die Grundschulen und deren Fördervereine bei der qualitativen und quantitativen Weiterentwicklung der Betreuungsangebote berät und unterstützt.“

Um konkrete Erkenntnisse für diesen Prozess zu gewinnen, seien an der Pestalozzischule (Mombach) in Kooperation mit der Schulleitung und dem Förderverein ab dem Schuljahr 2019/20 zwanzig zusätzliche Betreuungsplätze in der Betreuenden Grundschule im Rahmen eines zweijährigen Modellprojektes „Nachmittagsbetreuung an Grundschulen“ eingerichtet worden. Dezernent Dr. Lensch: „Insbesondere Kinder aus einkommensarmen Familien sollen dadurch einen leichteren Zugang zu diesem Angebot haben.“ Ziel des Modellprojektes ist es auch, in der Betreuung qualifiziertes Personal zu beschäftigen bzw. vorhandene Kräfte zu qualifizieren und ein pädagogisches Konzept zu entwickeln, das auf andere Schulen übertragbar ist.

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