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Interview mit Tidi von Tiedemann (Mainzer Regisseur und Filmproduzent)


Interview: Ejo Eckerle
Foto: Ramon Haindl

Filmproduzent klingt nach immer unterwegs im Flugzeug, schicken Partys und jeder Menge schöner Frauen…
Klar ist so und ganz viel Geld. Ne, im Ernst, Produzent sein ist in erster Linie davon geprägt, dass man viel mit Menschen zu tun hat. Man muss sie koordinieren, an einem Ort zur gleichen Zeit anzukommen und ihnen sagen, was zu tun ist. Und noch mehr: Ein Filmproduzent kümmert sich vom Anfang bis zum Ende um das Projekt, von der Idee bis zum fertigen Film. Bei der Frage, wie wird das Ganze finanziert, komme ich dann ins Spiel. Ich kreiere sozusagen eine Kalkulation aus meiner Erfahrung heraus.

Wie viel Wagnis ist dabei?
Ein sehr großes Wagnis. Ich kenne sehr viele Leute, die Filme machen wollen, aber die wenigsten können wirklich davon leben. Man kann schnell auf die Schnauze fallen. In dem Moment, wo du einem Kunden zusicherst, für sein Geld bekommst du das hin und dann passiert irgendetwas Dramatisches, zum Beispiel schlechtes Wetter, schlechte Kamera, technische Ausfälle und so weiter, dann kann das schnell sehr teuer werden.

Du hast in den letzten Jahren recht erfolgreich und häufig Kurzfilme produziert, die auch mit Preisen bedacht wurden, zuletzt den Preis der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung für den Film „Nordkap“ von Gisela Knolle und Erik Lange. Was reizt dich an dieser Kunstform?
Ich kann diese Filme selbst produzieren, ohne Kunden oder Auftraggeber im Hintergrund. Das ist ein sehr freies Arbeiten und macht tausendmal mehr Spaß. Die Leute arbeiten nicht wegen des Geldes, sondern weil sie Lust darauf haben. Wenn wir Filmförderung erhalten, versuchen wir es zumindest aber so zu verteilen, dass für jeden ein bisschen was hängen bleibt. Darüber hinaus bieten Kurzfilme für die Beteiligten die Möglichkeit sich zu präsentieren, um sich damit für andere Projekte wie Langspielfilme oder Auftragsarbeiten zu empfehlen.

Filmemachen ohne Geld geht nicht. Eines deiner Anliegen ist, dass sich etwas ändert in Rheinland-Pfalz, das neben Mecklenburg-Vorpommern keine eigene Filmförderung besitzt.
Es ist etwas in Bewegung gekommen seit dem letzten FILMZFestival. Ich bin mir ganz sicher mit einer Filmförderung, wie auch immer die aussehen mag, könnte man hier sehr viel mehr reißen. Land und Stadt ruhen sich darauf aus, dass ZDF und SWR hier angesiedelt sind. Aber wenn man will, dass auch mittlere und kleine Filmfirmen hier am Standort bleiben, muss man auch etwas dafür tun. Wir haben eine gute Ausgangslage: Hessen und Baden-Württemberg sind in der Nähe, beides Länder mit Filmförderung, die auch gerne mit Rheinland-Pfalz zusammenarbeiten würden. Und wir haben hier supergute Ausbildungsstätten. Viele Leute wandern aber danach einfach ab, weil die Jobs woanders sind und die Förderung dort besser ist. Aber es dauert noch, bis das ganz oben angekommen ist und nicht weiter in tote Projekte wie den Nürburgring investiert wird…

Warum bist du nicht schon längst abgewandert?
Wir haben immer wieder darüber nachgedacht. Aber wir hatten das Glück, dass wir von Anfang an von der Hessischen Filmförderung unterstützt worden sind. Dort sieht man die Sache nicht ganz so eng und so kamen wir als Mainzer Firma auch in den Genuss der hessischen Gelder. Außerdem glaube ich nach wie vor an diesen Standort. Hier bin ich nicht wie in Berlin einer von Tausenden. Dazu bin ich auch sehr heimatverbunden. Ich fahre gerne weg, aber ich komme auch gerne wieder zurück.

 

Mensch

Du stammst aus dem rheinhessischen Ort Sörgenloch. Das klingt schwer nach Provinz und man könnte vermuten: Da will ich ganz schnell von weg…
Ich hatte eine Traumkindheit auf dem Land: Wald, Wiesen, draußen spielen. Ich war aber auch ein Kind von Eltern, die immer viel unterwegs waren. Wir sind jeden Sommer mit dem VW-Bus durch die Lande gereist. Nach wie vor bin ich sehr gerne in Sörgenloch, meine Brüder leben dort und es ist immer wieder schön, da hinzukommen.

Welches war der schönste Ort, den du je gesehen hast?
Am meisten gefangen genommen hat mich Kuba, trotz aller Widersprüche, die es dort gibt. Die Menschen haben sehr viel geleistet für ihr Land. Aber den schönsten Ort gibt es nicht für mich. Ich bin gerne viel unterwegs. Selbst wenn ich am schönsten Sandstrand der Welt mit den schönsten Palmen leben würde, wäre das auch irgendwann sehr langweilig für mich.

Was macht dich heute glücklich oder zufrieden?
Ich habe einen sehr tollen Freundeskreis und eine ganz tolle Tochter, die ist gerade 18 geworden. Sie bereichert mich sehr, weil wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis pflegen. Sie bringt mich immer wieder zum Nachdenken und umgekehrt ist es genauso. Ich habe das große Glück, weltweit mit Menschen zu tun zu haben, mit denen ich tolle, schöne Sachen unternehmen kann. Und ich weiß auch, wo ich mich hinwenden kann, wenn es mal ganz schlimm kommt.

Du machst einen sehr ausgeglichenen, gelassenen Eindruck. Ist das wirklich so?
Ein ganz wichtiger Punkt für mich ist die Grundsicherheit, die ich von meiner Familie mitbekommen habe. Ich wusste, egal was passiert, ich kann immer nach Hause kommen und sagen: Helft mir! Glücklicherweise hab ich auch einfach gerne mit Menschen zu tun und das bekomme ich auch zurück.

Was bringt dich auf die Palme?
Was mich schon immer am meisten aufgeregt hat, sind Ungerechtigkeiten. In Sörgenloch habe ich meine erste Demo organisiert, weil sie unseren schönen Abenteuerspielplatz kaputtgemacht haben, angeblich weil er zu gefährlich gewesen sei. Bei so was kocht es dann schon mal hoch. Das geht bei mir auch weiter im politischen Bereich, wenn es zum Beispiel darum geht, gegen Rassismus anzukämpfen.