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Imbiss des Monats: Zum Schorsch (Zollhafen)


von Felix Monsees, Fotos: Daniel Rettig

Der Tag im Nordhafen beginnt um vier Uhr morgens. Dann öffnet der Imbiss „Zum Schorsch“. Die Hafenarbeiter versorgen sich mit belegten Stullen und Filterkaffee. Gleichzeitig begehen die Schichtarbeiter ihren Feierabend mit einem Weizenbier. Vor dem Imbiss parkt ein Taxi und der Besitzer stärkt sich mit Schnitzel und Pommes. Über dreißig Jahre ist der Imbiss eine feste Institution im Mainzer Nordhafen.
Angefangen hat alles, als Schorsch Biermann noch selbst im Hafen schaffte und mittags nichts zum Essen hatte. Er erkannte die Marktlücke und machte im Oktober 1981 einen kleinen Kiosk auf. „Ab da wurde immer ein Stück dazu gebaut, so wie eben das Geld da war“, sagt Schorsch. Braun gebrannt steht der Imbiss-Betreiber hinter der Theke und ruft eine Bestellung in die Küche: „Eine große Portion Pommes und Hackbraten!“ Im Hafen wurde viel gearbeitet und ebenso viele Arbeiter mussten verköstigt werden. Hafenarbeiter, Trucker sowie die Arbeiter der nahen Fabriken Schott, Erdal und Blendax versorgten sich hier mit allem was das Herz begeht: Vom belegten Brötchen, der obligatorischen Currywurst, dem kompletten Stammessen bis zum Doppelkorn. Zahlreiche Ehen wurden in der „Hafenkantine“ geschlossen, wenn mittags die Blendax-Mädels auf die Schott-Jungs trafen, erinnert sich der Imbiss-Besitzer.

Strukturwandel in der Hafenkantine
„In den frühen 90ern fing dann der Rückgang an“, erzählt Schorsch und zapft beiläufig ein Export für einen Stammgast. Der Strukturwandel erreichte den Nordhafen und immer weniger Arbeiter verbrachten ihre Mittagspause beim „Schorsch“. 2002 schloss die Blendax-Fabrik ihren Standort. Heute ist auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik der „Nordhafen“ zu Hause, ein Zentrum für Start-Ups aus den Bereichen Medien und Kommunikation. Kommen die jungen Kreativen denn auch mal zum Pommesessen vorbei? „Wenige“, sagt Schorsch, „das Problem ist der Eisenbahnzaun. Es gibt keinen direkten Zugang mehr über die Rheinallee.“ Seit drei Jahren trennen Eisenbahngleise und ein kleiner Zaun den Nordhafen vom Imbiss. Hungrige Lastwagenfahrer müssten für die wenigen Meter Luftlinie zum „Schorsch“ über den Mombacher Kreisel fahren. Und kommen deshalb fast gar nicht mehr vorbei.

Zukunft mit Biergarten?
Mitte März waren zum Currywurstessen auch Oberbürgermeister Michael Ebling und Stadtwerkechef Detlev Höhne da. Beide suchen einen Betreiber für den Biergarten auf einem 3.000 Quadratmeter Gelände der Stadtwerke auf der Nordmole. Dort sollen noch in diesem Sommer kalte Getränke an Spaziergänger und Konzertbesucher verkauft werden. Dass die Pressekonferenz ausgerechnet beim „Schorsch“ stattfand, ist kein Zufall. Wer den Zuschlag für den Biergarten erhalten will, muss die Traditionsgaststätte in sein Konzept integrieren. „Wir würden gerne hier bleiben“, sagt Schorsch, „und sind froh, dass uns die Stadtwerke mit ins Boot geholt haben.“ Die Biermanns sind eine Großfamilie und eine Menge Biermanns arbeiten in dem Imbiss. Gerade steht Schwester Vera am Grill, wendet Würste und brät Buletten. „Ich würde gerne den Imbiss an unsere Kinder übergeben, es hängt viel Herzblut daran“, sagt Schorsch. Die angebotene Currywurst ist immer noch so lecker wie beim letzten sensor- Currywursttest, als die Tester von der Sauce mit der „elegant fruchtigweichen Note“ begeistert waren. Das Originalrezept von Schorsch wird hier natürlich nicht verraten. Zum Nachkochen gibt es deshalb das Currywurstrezept aus der sensor-Versuchsküche. Viel Spaß beim Nachkochen.

Rezept

sensor Currywurst (4 Personen) Zutaten: Pflanzenöl, 125 g Tomatenmark, 250 ml passierte Tomaten, 250 ml Ananassaft, 1 Sternanis, 3 Gewürznelken, 1 EL brauner Zucker, 1 TL gekörnte Gemüsebrühe, 1 EL Cayennepfeffer, 3 EL Currypulver, Salz, Pfeffer, 4 Würste nach Wahl.
1 EL Öl in einem Topf erhitzen, das Tomatenmark zugeben und kräftig anrösten. Currypulver und Cayenne pfeffer einrühren und kurz mitrösten, mit dem Ananassaft ablöschen. Passierte Tomaten, Sternanis, Gewürznelken und gekörnte Brühe zugeben. Sauce einkochen lassen bis zur gewünschten Konsistenz. Erst jetzt mit Salz und Pfeffer abschmecken. Nach Bedarf noch etwas Currypulver dazugeben. Öl in einer Pfanne heiß werden lassen und die Würste braten. Als Beilage werden natürlich Pommes oder frische Brötchen serviert.