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Gutenberg-Museum erhält Bücherturm

gutenbergentwurf
von Monika Nellessen aus der Allgemeinen Zeitung

Mit dem prägnanten „Bücherturm“ soll ein neues Kapitel für das Gutenberg-Museum aufgeschlagen werden. Der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats hat am Donnerstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung die Auftragsvergabe an die Hamburger „DFZ Architekten“ beschlossen. Wie die AZ erfuhr, erfolgte das Votum einstimmig. Eine offizielle Stellungnahme war nicht zu erhalten – den beiden unterlegenen Büros steht im Vergabeverfahren eine elftägige Widerspruchsfrist zu. Der Entwurf des Hamburger Büros war schon als erster Preis aus dem Planungswettbewerb zur Sanierung und Erweiterung des Gutenberg-Museums im Februar 2016 hervorgegangen.

Anschließend verhandelte ein von Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) berufenes Wertungsgremium, bestehend aus Vertretern der Ratsfraktionen, der Gebäudewirtschaft Mainz (GWM), des Gutenberg-Museums und des Fördervereins mit den insgesamt drei preisgekrönten Büros, also auch mit dem zweitprämierten Architektenbüro Mäckler aus Frankfurt und der drittplatzierten Stuttgarter Lederer Rangnasdottir Oei GmbH.

CDU zieht ihren Änderungsantrag zurück

Als letztes Kriterium wurden in der letzten Woche die Honorarforderungen abgeglichen. DFZ will dem Vernehmen nach die Ausführungsplanung für weniger als 500_000 Euro erstellen. Das Büro bleibt damit knapp unterhalb der Daumenregel, wonach die Architektenleistung etwa zehn Prozent der Investitionskosten beträgt. Für den ersten Bauabschnitt zur Erweiterung des Gutenberg-Museums stehen 5,1 Millionen Euro zur Verfügung.

Bereits das Wertungsgremium hatte sich, wie die AZ aus gut unterrichteter Quelle erfuhr, nach Würdigung von Architektur, Brandschutz, Flächenmanagement, Nutzungskonzept und Honorar einstimmig für den Zuschlag an die Hamburger Architekten ausgesprochen. Auch die CDU, die Skepsis dagegen anmeldete, sich auf ein Planungsmodell unabhängig von einer vollständig gesicherten Finanzierung festzulegen (die AZ berichtete), soll in beiden Gremien für den Turm gestimmt haben.

Zurückgezogen wurde im Wirtschaftsausschuss am Donnerstag dem Vernehmen nach ein Änderungsantrag, in dem die CDU fordern wollte, vorerst nur Mittel für eine Vorplanung und Kostenkalkulation frei zu geben. Die Verwaltung argumentierte dagegen, erst auf Basis einer detaillierten Ausführungsplanung gebe es Klarheit über die Abfolge der Bauschritte und deren Kosten. Eines bleibt der verschuldeten Stadt allerdings durch die Kommunalaufsicht vorgegeben: Die Umbauten im Gutenberg-Museum müssen dazu dienen, die strenger gewordenen Brandschutzauflagen zu erfüllen.

Leseturm als Leuchturm des Museums

Der Siegerentwurf folgt dem städtischen Wettbewerbsauftrag, eine Leselounge mit Bibliothek sowie Platz für das kostbare Archiv früherer Drucke (Inkunabeln) zu schaffen – mit einem Leseturm als Leuchtturm des Museums, der auch auswärtige Besucher sofort auf das Gutenberg-Museum aufmerksam machen soll. Der Schell-Bau als eigentlicher Museumsbau soll zum Hof hin erweitert und im zweiten Bauabschnitt mit einer Dachlandschaft als Veranstaltungsbereich aufgestockt werden. Der Platz zwischen Schell-Bau und Römischem Kaiser wird zur Rote-Kopf-Gasse geöffnet, so dass ein von Mailändergasse, Rotekopfgasse, Liebfrauenplatz und Seilergasse zugängliches Quartier entsteht.

In ihrer Vorlage bevorzugen die Planer als ersten Bauabschnitt den Leseturm und die Einrichtung eines Museumsshops im Römischen Kaiser. Alternativ wäre aus ihrer Sicht aber auch eine Erweiterung des Schell-Baus zunächst ohne Dachlandschaft denkbar, was den Brandschutzauflagen entgegenkäme. Womit genau angefangen werden soll, war vorerst nicht zu erfahren. Mit einer Vorlage der Ausführungsplanung, die auch noch vom Stadtrat abgesegnet werden soll, soll bis Anfang 2017 zu rechnen sein. Ehrgeiziges Ziel ist es, mit den Bauarbeiten Ende 2017 zu starten.