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Großplastik „Torso“ bezieht neuen Standort in der Oberstadt

Am ehemaligen Standort des „Reiterstandbilds“ von Heinz Hemrich an der Ecke Freiligrathstraße / An der Goldgrube ist von heute an neue Kunst zu sehen: Die Plastik „Torso“ des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers Johannes Metten. Kulturdezernentin Marianne Grosse freut sich über die Aufstellung des Kunstwerkes: „Ich danke Liesel Metten sehr herzlich, die der Aufstellung des ‚Torso‘ sofort zugestimmt hat und sich sehr über diese Ehrung ihres verstorbenen Mannes und seiner Kunst freut.“

Im Herbst 2020 wurde nach dem Verkauf des Geländes der Generalfeldzeugmeister-Kaserne absehbar, dass die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA), in deren Eigentum sich das vormals dort präsentierte „Reiterstandbild“ befindet, der Festlegung des verstorbenen Künstlers Hemrich folgen und das Kunstwerk auf das Gelände der Kurmainz-Kaserne verlagern würde.

Die Kulturverwaltung hatte daraufhin umgehend einen Prozess auf den Weg gebracht, um ein alternatives Kunstwerk am gleichen Ort aufzustellen. Die Wahl fiel recht schnell auf den „Torso“ von Johannes Metten, der ursprünglich im ehemaligen Skulpturenhof des Landesmuseums zu sehen war. Der „Torso“ ist Teil einer Gruppe von Kunstwerken aus dem Bestand des Landesmuseums, die das Land Rheinland-Pfalz bereits vor einigen Jahren für eventuelle zukünftige Aufstellungen im öffentlichen Raum angeboten hatte und wurde nun vom Landesmuseum zur Verfügung gestellt.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir so schnell und passend diesen Standort und ein neues Kunstwerk zusammenbringen konnten“, sagt Kulturdezernentin Marianne Grosse. „Denn der Ort eignet sich so hervorragend zur Präsentation von Kunst, dass für uns völlig außer Frage stand, dort nicht wieder Kunst zu zeigen. Ich danke Frau Dr. Heide und dem ehemaligen Staatssekretär Walter Schumacher sehr herzlich für die Dauerleihgabe und die gewohnt gute Zusammenarbeit bei der Planung und Umsetzung der Aufstellung.“

Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz, freut sich ebenfalls, dass der „Torso“ nun wieder zu sehen ist: „Johannes Mettens Leidenschaft zum Material, der Strukturen und der Oberflächen seiner in der eigenen Gießerei selbst gegossenen Plastiken, zeigt sich an allen seinen Werken. Auch der ‚Torso‘, eine abstrahierte, auf die menschliche Figur bezogene Stele aus dem Jahr 1986, fasziniert den Betrachter durch seine einzigartige Handschrift. In unserem Innenhof war Mettens ‚Torso‘ über viele Jahre hinweg eines der zentralen Werke. An seinem neuen Standort in der Mainzer Oberstadt geht die Plastik nun einen spannenden Dialog mit der neuen Umgebung ein, dadurch ergibt sich auch für mich ein ganz frischer Blick auf das Werk.“

Auch der Ortsbeirat Mainz-Oberstadt hatte sich mit der Aufstellung des „Torso“ zufrieden gezeigt. „Ich freue mich sehr, dass die Lücke, die die Reiterstatue hinterlassen hat, würdig gefüllt wird“, so Ortsvorsteher Daniel Köbler. „Der ‚Torso‘ fügt sich an dieser markanten Stelle in der Oberstadt hervorragend ein. Damit wird ein Wusch des Ortsbeirats erfüllt. Johannes Metten ist ein Aushängeschild für die Oberstadt.”

Ein weiteres positives Feedback zur Aufstellung des „Torso“ erreichte die Kulturverwaltung auch aus einer ganz anderen Richtung: Die BioNTech SE, deren Hauptsitz sich in unmittelbarer Nähe befindet, freuen sich ebenfalls über die neue Kunst.

Nachdem der „Torso“ an seinem neuen Standort angekommen und befestigt wurde, wird das Pflaster unter dem Kunstwerk noch bündig ausgeglichen, um dem umgebenden Platz seinen ursprünglichen Charakter zurückzugeben.

Das Kunstwerk

Der „Torso“ (1986) entstammt einer künstlerischen Auseinandersetzung, die sich seit Beginn der 1970er Jahre prägnant durch das bildhauerische Werk von Johannes Metten gezogen hat. Von dieser Zeit an entstanden die „Mutanten“ und „Mutationen“ in Anlehnung an die Verwendung des Begriffs durch den US-amerikanischen Literaturkritiker Leslie Fiedler, der die amerikanische Jugend als „New Mutants“ bezeichnete – gemeint waren Menschen, die nicht mehr nur auf Tradition bauen, sondern sich vielmehr an neuen technischen Möglichkeiten orientieren und mit einem neuen Bewusstsein in die Zukunft gehen. Die Verwendung des Begriffs sollte jedoch nur in die Richtung einer möglichen Interpretation weisen, so Johannes Metten, nicht diese konkret vorgeben.

Die „Mutanten“, größtenteils über annähernd quadratischer Grundfläche aufragenden Objekte mit technoiden Formelementen, waren eine Weiterentwicklung von Mettens „Tierphantasien“ und begannen von deren organischer Formensprache abzuweichen. Mit den Stelen und „Torsi“ führte Johannes Metten diese Entwicklung weiter in Richtung von abstrahierten, reduzierten Menschenbildern.

Der „Torso“ ist Teil einer Gruppe von vergleichbaren Arbeiten unterschiedlicher Größen. Die im Verfahren der cire perdue (Wachsausschmelzverfahren) hergestellten Arbeiten sind aufgrund ihrer Produktionsweise Unikate und unterscheiden sich stets auch in Details.

Der „Torso“ war im Sommer 1986 in einer Gruppenausstellung der Mainzer Künstlergruppe „Kooperative KUNST“ (Hugo Jamin, Liesel Metten, Johannes Metten, Heinz Prüstel, Hans Roosen, Gustl Stark, Clas D. S. Steinmann) im Landesmuseum Mainz zu sehen und wurde im gleichen Jahr für 36.000 DM für die Sammlung des Museums erworben. Bis zu dessen Umbau war der „Torso“ neben anderen bildhauerischen Arbeiten im Innenhof des Museums zu sehen.

Der Künstler

Johannes Metten (*02.11.1929, 27.04.2020) war ein Neffe des rheinhessischen Malers Johannes (Jean) Metten. Nach einem Studium als Schüler von Emy Roeder an der Landeskunstschule in Mainz studierte er von 1954 – 1960 Bildhauerei als Meisterschüler bei Heinrich Kirchner an der Akademie der Bildenden Künste in München. In der Klasse Kirchner lernte er die Bildhauerin Liesel Ernst (*1938) kennen, die er 1961 heiratete. Im gleichen Jahr bezog das Künstlerehepaar ein gemeinsames Haus und Atelier in Nieder-Olm.

Im Jahr 1968 erhielt Johannes Metten den Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz und 1969 den Rom-Preis der internationalen Sommerakademie in Salzburg. Bis 1994 betrieb er, zusammen mit seiner Frau, eine eigene Gießerei, in der er seine Plastiken im klassischen Wachsausschmelzverfahren selbst goss. Die Arbeiten seines ab 1971 entstanden Werkzyklus: »Mutanten – Mutationen – Torsi« zeigen meist abstrahierte auf die menschliche Figur bezogene Stelen, wobei der Künstler den Moment der Veränderung und Transformation festhält. Die wohl bekannteste öffentlich präsentierte Plastik von Johannes Metten in Mainz ist das Ensemble „Mutanten (Wächterpaar)“ von 1985 an der Polizeiinspektion I, an der Ecke Eppichmauergasse / Weißliliengasse.

Am 28. Juni 2016 wurden Liesel und Johannes Metten als Künstlerpaar mit dem Preis der Ike und Berthold Roland-Stiftung für ihr Lebenswerk geehrt.

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