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Geschäft des Monats April: Schokoladenhaus Müller

Text: Monica Bege
Fotos: Katharina Dubno

Ein sauberer Schnitt und die Praline ist geteilt. Während das Auge mit räumlicher Distanz das Innere des Kunstwerks begutachtet, feiern bereits tausende der an Gaumen und Zungenrücken verteilten Geschmacksknospen ein berauschendes Fest der Sinne. Es goutiert, hmmm… lecker. „Unser Angebot umfasst über 50 verschiedene Sorten“, erklärt Ursula Müller, Inhaberin des kleinen, aber erlesenen Schokoladenhauses. „Im Sommer wechseln wir dann zu fruchtigeren Sorten.“ Die große Vielfalt süßer Sünden wird allesamt in Handarbeit hergestellt. „Mein Mann war gelernter Konditor, da kann man auch mit Schokolade umgehen“, Ursula Müller erinnert sich an die Anfänge mit Schokohasen und Nikoläusen in der eigenen Konditorei in Mombach. Gottfried Müller bereiste Deutschland, Frankreich und Italien – schaute hier und lernte dort. Die Eigenschaften „gut schmecken“ und „gut aussehen“ führte er zusammen, es entstanden hochwertige Rezepturen. Vor 18 Jahren teilte man sich das erste Ladenlokal in der Schusterstraße mit einem Eisgeschäft. Vier Jahre später der Umzug in das Herz der Altstadt, mit nun ganzjährigen Öffnungszeiten. Im letzen Jahr verstarb Gottfried Müller jedoch überraschend. „Die Weiterführung des Schokoladenhauses war für mich eine große Herausforderung“, blickt Frau Müller auf die vergangenen Monate zurück.

Das Figurenkabinett

Das Herzstück delikat schmelzender Symphonien in der Leichhofstraße 8 bilden die von Chocolatier Müller selbst hergestellten Formen. In Hell und Dunkel werden Schoko-Details in diese Negativformen aufgepinselt, bevor das Endprodukt im Schleuderverfahren mit Vollmilchschokolade komplettiert wird. „Man kann unsere Figuren zwar ein Jahr aufheben, ein Verzehr nach vier bis sechs Monaten ist aber anzuraten, denn das Aroma verfliegt mit der Zeit“, leitet Ursula Müller die Figurenbruch-Geschichte ein. Bei manchen Käufern gastiert das Osterhäslein nämlich noch zum Weihnachtsessen und erlebt teilweise als einjähriger Hase das nächste Auferstehungsfest. Ohne den schalen Beigeschmack, ein unschuldiges Häslein hinterrücks gemeuchelt zu haben und dennoch in den Genuss hauchdünner zart zerfließender Stückchen zu gelangen, löst der Figurenbruch das Problem. Unabsichtlich entstanden wird er dennoch verkauft. Die Manufaktur fertigte in der Vergangenheit zu Leerlaufzeiten diesen Bruch aufgrund der Nachfrage auch schon mal extra an. Beim Figurenkauf also entweder die moralischen Gedanken innerhalb der nächsten sechs Monate hinten anstellen oder eine verzehrbereite und formneutralere Alternative mit einpacken lassen. Auswahl genug hat man ja.

Fröhliche Ostern

Überschuss an Saisonartikeln – Fehlanzeige. Hier erlebt kein Nikolaus seine Reinkarnation als Osterhase. Stammkunden wissen um die saisonalen Spezialitäten, der Ausverkauf vor dem feierlichen Stichtag kann durchaus möglich sein. Nicht nur Osterpralinen, auch sagenhafte Marzipaneier und athletisch elaborierte Osterhasen stehen in den kommenden Tagen hoch im Kurs, größere Mengen sollten vorbestellt werden. Köstliches Naschwerk, Schokoflaschen und -geigen, unterjährig ständig wechselnde Figuren, Gutenbergs schokoladene Grüße aus Mainz exklusiv nur von hier, Milchschokolade-Lollys, das ist Schokoladenmanufaktur pur. Der Zukauf industrieller Produkte wird strikt abgelehnt. „Unsere Vollmilchvariante hat mit 38 Prozent einen hohen Kakaoanteil. Ab 60 Prozent spricht man von Bitterschokolade.“ Dieser mitunter preisrelevante Anteil muss auf jedem Produkt deklariert werden, erklärt die sympathische Kennerin exquisiter Kakaoerzeugnisse. Und was bedeutet Ihnen Schokolade, Frau Müller? „Täglich ein Stückchen muss sein. Auch im Urlaub findet immer eine Tafel den Weg in meinen Koffer. Das gibt mir ein gewisses Glücksgefühl.“ sensor fühlt mit. Ein Happs und die nächste Praline ist Geschichte.

Leichhofstraße 8
Öffnungszeiten:
Montag: geschlossen
Dienstag – Freitag: 10 – 18.30 Uhr
Samstag: 10 – 16 Uhr