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Mainz: Die Zukunft des Allianzhauses …?

mainz lokales / Allianz Haus Foto: Sascha Kopp

von David Gutsche

Verwirrung auf der Großen Bleiche: Die Mainzer Aufbaugesellschaft (MAG) plant den Abriss des 60 Jahre alten sogenannten „Allianzhauses“ an der Ecke Bauhofstraße. Darin befinden sich hauptsächlich der Kulturclub schon schön, das Café blumen, das Haus Burgund sowie dessen Bibliothek und weitere Mieter. Entstehen soll ein „Bürogebäude in historischem Kontext“. Die Investitionskosten liegen zwischen 30 und 35 Millionen Euro. Der Knackpunkt: Das „schon schön“ besitzt einen langjährigen Mietvertrag. So scheinen der MAG erst einmal die Hände gebunden. Die nimmt es gelassen und versucht dennoch, den Club und das Haus Burgund zu einem „Standortwechsel“ zu bewegen.

Mieter in Ungewissheit

Melitta Soost vom Haus Burgund ist aufgebracht: „Vor einem Jahr haben wir wie der Blitz von den Abrissplänen erfahren. Und jetzt sollen wir raus. Ich habe keine geeignete Ausweich-Möglichkeit. Die Plätze für Kultur in Mainz werden immer weniger. Das schon schön ist ein Magnet für viele junge Leute und Studenten. Es gibt immer weniger Möglichkeiten für die und stattdessen werden irgendwelche teuren Büros gebaut. Ich bin nicht der Meinung, dass das jetzige Haus den Stadtblick verschandelt. Wozu überhaupt ein Neubau?“ Club-Betreiber Norbert Schön hat den Club und das dazugehörige Café 2010 mit einem langfristigen Mietvertrag übernommen, damals von einem holländischen Betreiber-Konsortium. Die haben jedoch clever etwas später die Immobilie an die MAG verkauft. Nun muss die sich mit der Frage beschäftigen, wie sie weiter mit dem Gebäude verfahren kann und will.

Kulturelle Zwischennutzung

Vor kurzem wurden Teile des Gebäudes von der MAG für kulturelle Zwischennutzungen freigegeben. Die Initiative „Schnittstelle5 – Raum für Stadtentwicklung und urbane Projekte e.V.“ hatte sich dafür eingesetzt und bespielt den Leerstand mit Kunst- und Kulturprojekten. Die MAG achte dabei „sehr darauf, dass in die leeren Räume keine Nutzungen kommen, die wettbewerbsrechtlich in Konkurrenz zum schon schön stehen“, berichtet die Schnittstelle5. Der Verein wird in den Räumlichkeiten am 25. Oktober eine Veranstaltung zum Thema „Wiederbelebung von Leerständen“ organisieren, die in eine Soli-Party für den Leerstandsmelder Mainz mündet, einer Internetplattform, auf der jeder Mainzer Leerstände eintragen kann. Zur Veranstaltung kommen weitere Initiativen, u. a. aus Wien, Hamburg, Frankfurt und Kaiserslautern.

Erste Bauarbeiten

Dennoch finden gleichzeitig Probebohrungen für Bodengutachten hinter dem Gebäude auf dem Parkplatz statt. Denn die Archäologen wollen anrücken – römische Siedlungsreste werden hier vermutet. Es wird also noch einige Zeit ins Land gehen. MAG Geschäftsführer Martin Dörnemann zeigt sich daher offen, erst einmal weitere Zwischennutzungs- Projekte in dem Leerstand durchzuführen: „Derzeit arbeiten wir mit aller Kraft an dem optimalen architektonischen Entwurf für den Neubau. Bis Baubeginn, voraussichtlich im ersten oder zweiten Quartal 2015, sind wir gerne bereit, die leerstehenden Räume für eine Zwischennutzung zur Verfügung zu stellen“ hieß es vor zwei Monaten. Gegenüber der Schnittstelle5 ist jedoch mittlerweile die Aussage gefallen: „Bis mindestens Ende 2015 passiert nichts.“

Großes Abwarten

Wann also wird und soll überhaupt Abrissbeginn sein? Außer dem „schon schön“ haben alle Mieter relativ kurze Mietverträge. Nur Club-Inhaber Norbert Schön ist sich seines langfristigen Mietvertrags bis weit über 2015 sicher. Denn im deutschen Mietrecht gilt der Grundsatz „Kauf bricht nicht Miete“ (§ 566 BGB). Somit wird die MAG den Mietvertrag einhalten oder ihm im Zweifel eine adäquate Ersatzlocation zur Verfügung stellen müssen, wird spekuliert. Doch wo die sich befinden soll, bleibt fraglich. Niemand weiß also momentan genaueres – alle Beteiligten befinden sich in Warteposition. Auf unsere Anfrage antwortet MAG Chef Martin Dörnemann: „Wir sind mit Norbert Schön in Kontakt. Die MAG hat großes Interesse daran, gemeinsam einen alternativen Standort zu finden. Im Übrigen suchen wir auch für das Haus Burgund nach einem Alternativstandort und sind zuversichtlich, dass wir etwas Adäquates in der Innenstadt finden.“ Es bleibt also weiterhin spannend um die Immobilie „Allianzhaus“ und wie viele Jahre sie Mainz noch erhalten bleibt oder nicht.

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Info:
Die MAG ist ein Immobilienunternehmen zur „Entwicklung und Realisierung von städtebaulich bedeutenden Projekten“. Sie gehört zu 50 Prozent der Stadt und zu 50 Prozent privaten Investoren. Bisher verantwortet sie Bauten wie die Römerpassage, das „Kleine Haus“ des Staatstheaters, die Sanierung des Hilton-Hotels, die neuen Wohnungen am Winterhafen, Studiwohnheime, Parkhäuser usw.