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Das sensor 2×5 Interview mit ZDF-Moderatorin Jana Pareigis

Wie sieht dein klassischer Arbeitsalltag aus?
Zum Aufstehen lese ich erstmal die Nachrichten, höre Radio oder schaue das „MoMa“. Dann habe ich um zehn Uhr die erste online-Konferenz mit meinen ZDF-Kollegen. Da besprechen wir die Themen des Tages. Kurz nach elf ist dann die zweite Konferenz mit allen Redakteuren. Dann lese ich weiter Nachrichten und manchmal habe ich noch Termine, wie beispielsweise ein Interview. Um 14 Uhr geht es dann im Sender los – die Themen werden konkreter und wir diskutieren: Wie bereiten wir was auf? Wen interviewen wir? Danach geht es für eine halbe Stunde in die Maske und dann fange ich an zu schreiben. Um 17 Uhr schauen wir dann die aktuelle „heute“- Sendung, haben nochmal eine Konferenz und um 18:30 Uhr gehe ich ins Studio für die Moderation.

Wie wichtig ist dir die Sympathie des Publikums?
Mir ist es wichtig, dass die Leute wissen, dass sie von der Sendung seriöse Nachrichten erwarten können: vertrauenswürdig und mit geprüften Fakten. Da stehen die Nachrichten im Vordergrund und nicht ich. Das ist auch ein Grund, warum ich mein Privatleben aus der Öffentlichkeit raushalte. Natürlich freue ich mich aber, wenn die Leute vor dem Fernseher denken: „Der höre ich gerne zu.“

Wie gehst du mit beruflichen Herausforderungen um?
Ich bereite mich immer gut vor und vertraue in meine eigene Arbeit. Die „heute“ ist eine neue Herausforderung und das i- Tüpfelchen für eine Moderatorin. Die 20 Minuten vor der Kamera sind der letzte Schritt, davor passiert noch so viel Drumherum. Daher ist gute Vorbereitung das A und O – und Spaß an der Aufgabe zu haben. Manchmal suche ich beim Schreiben gefühlt ewig nach dem perfekten Wort, das bekommen die Menschen vor dem Fernseher nicht mit. Aber gerade das fordert mich heraus und macht mir Spaß.

Was muss sich für ein realistischeres Bild der Gesellschaft in den Medien verändern?
Wir müssen in der Berichterstattung darauf achten, dass wir nicht stereotyp berichten, also keine Klischees produzieren. Generell mehr Selbstverständlichkeit gegenüber unserer vielfältigen Gesellschaft an den Tag legen. Journalisten aus Einwandererfamilien sind immer noch unterrepräsentiert in den Medien. Dabei bekommen wir durch vielfältige Redaktionen mehr Expertenwissen und Qualifikationen. Das kann man auch mit dem Anteil an Frauen vergleichen.

Gibt es eine berufliche Station, an der du denkst: „Jetzt habe ich es geschafft.“
Würde ich aus irgendeinem Grund morgen nicht mehr arbeiten können, dann wäre ich trotzdem wahnsinnig zufrieden mit den beruflichen Aufgaben, die ich bis jetzt hatte. Wenn ich ein Jahr zurückschaue, hätte ich nicht zu träumen gewagt, die „heute“ um 19 Uhr moderieren zu dürfen. Das ist auch kein Job, auf den man sich bewirbt, sondern der einem angeboten wird – so blöd das klingt. Ich kann nicht nachvollziehen, wenn Menschen immer nur nach etwas in der Zukunft streben und nie mit der Gegenwart zufrieden sind. Das entspricht nicht meinem Blick auf das Leben.

Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du dann?
Wahrscheinlich ein Panther. Ich mag die Art, wie sie durch die Welt gehen. Wenn es drauf ankommt, dann kämpfen sie. Und im übertragenen Sinne sehe ich das auch bei mir, zum Beispiel bei Herausforderungen. Aber Panther sind Einzelgänger, das wiederum entspricht mir gar nicht. Ich bin eine sehr soziale Person. Ich kann mich gar nicht genug verabreden. Also passt der Panther nur so halb.

Welche Person würdest du gerne mal treffen?
Mit Michelle Obama würde ich gerne mal einen Kaffee trinken gehen, ich finde sie als politischen Menschen sehr interessant und als First Lady hat sie viele Diskussionen geprägt: was soziale Benachteiligung angeht, das Vereinbaren von Familie und Beruf, die Frage, wie wollen wir als Gesellschaft zusammenleben? Was braucht es dafür? Und sie ist eine wichtige Stimme gegen Sexismus und Rassismus. Generell stand sie während der Amtszeit ihres Mannes nicht in seinem Schatten, sondern hat viele Barrieren als erste schwarze First Lady eingerissen.

Und wie würdest du dir deinen perfekten Tag selbst gestalten?
Ich arbeite ja wirklich gerne, aber da hätte ich dann frei. Ich würde Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen, lange schlafen, vielleicht einen Roman lesen und in der Sonne liegen.

Dein heimliches Hobby?
Karaoke singen – obwohl ich nicht singen kann. Ich singe auch nie allein, sondern immer nur mit anderen zusammen. Allein auf der Bühne zu stehen, ist der Horror für mich, auch wenn man das nicht glauben kann, aber das würde ich nie machen. Deswegen gehen wir dann in Karaoke-Kabinen.

Ein Motto, das dich durch dein Leben trägt?
Zu den wichtigsten Werten im Leben zählen für mich Solidarität und Empathie. Wir alle tragen auf einer persönlichen Ebene eine gesellschaftspolitische Verantwortung. Das Hinweisen auf die Achtung der Menschenwürde und die Menschenrechte ist mir deshalb auch so wichtig: also z. B. Rassismus zu thematisieren, weil das so zentral ist im Zusammenleben miteinander. Die Geschichte dieses Landes hat gezeigt, was passiert, wenn man das nicht macht.

Interview Lilly Sommer
Foto Jana Kay

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