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7Grad Café Neueröffnung am 9. März + Interview


Nilgün “Nelly” Michel, die Inhaberin der legendären Frühstückslust in der Neustadt, wagt sich vor zum Ufer: in unmittelbarer Nähe des Rheins gelegen, eröffnet das Café 7Grad am kommenden Samstag um 9 Uhr unter ihrer Leitung.


Du machst seit drei Jahren das Nelly‘s Café in der Neustadt. Wie bist du zur Gastgeberin geworden?
Da ich alleinerziehend war und bin, brauchte ich während meines Studiums eine Möglichkeit, um an Geld zu kommen. Also habe ich angefangen zu kellnern. Das hat mir viel Spaß gemacht. Später habe ich als kaufmännische Angestellte gearbeitet, das war eher eine harte Zeit. Erst wenn ich abends aus dem Büro kam und in das Café gefahren bin, hat sich wieder ein Glücksgefühl eingestellt. Das war für mich ein Zeichen: Die Gastronomie ist das richtige für mich. Also habe ich mich entschieden, selbstständig zu werden.

Wie war das für dich, von der Aushilfe zur Inhaberin zu werden?
Im Vorfeld gab es viele Ängste. Man muss sich gut organisieren können und hat Personalverantwortung. Aber man wächst in seine Aufgaben rein. Ich habe das Nelly‘s und den Weg in die Selbstständigkeit nie bereut. Auch wenn es – gerade am Anfang – anstrengend war, würde ich nie wieder zurückwollen. Ich habe den Sprung ins kalte Wasser gewagt und es ist zum Glück gut gelaufen. Es ist halt übel, wenn du deinen Traum wagst und es funktioniert nicht. Dann hast du nicht mal deinen Traum.

Ab diesem Monat übernimmst du auch das 7Grad in der Kunsthalle am Zollhafen. Zwei Läden, das klingt ganz schön stressig, oder?
Ja. Hinter der Theke findet man mich derzeit leider kaum noch. Da habe ich gar keine Zeit für. Ich werde mir ein Fahrrad kaufen und hin und her pendeln, um alles im Auge zu behalten. Zum Glück habe ich mir gute Leute ins Boot geholt, die mich im 7Grad unterstützen. Von Cocktails habe ich zum Beispiel gar keine Ahnung. Da ist es gut, einen Profi wie meinen Barchef Erik Brandstätt zu haben, der sich auskennt.

Unter deinem Vorgänger war es im 7Grad meistens leer. Wie gehst du mit der nicht ganz so einfachen Lage um?
Die Location ist wunderschön. Ein Problem ist natürlich die Baustelle Zollhafen. Aber wir haben schon Ideen, wie wir das für uns nutzen. Und wenn die Baustelle einmal fertig ist, sind dort viele Wohnungen, in denen potenzielle Gäste wohnen. Aber auch jetzt schon gibt es viele Geschäfte und die Bewohner der Neustadt drum herum.

Was bestellst du dir selbst im Nelly‘s?
Ich bin Türkin und bestelle mir am liebsten auch türkisches Frühstück: Menemen. Das sind Rühreier mit Feta, Tomaten und Zwiebeln in Olivenöl gebraten. Das schmeckt super.

Mensch

Wie kommst du als Türkin nach Mainz?
Ich bin in Istanbul geboren und in Frankfurt aufgewachsen. Vor zwanzig Jahren bin ich der Liebe wegen nach Mainz gekommen. Die Liebe ist gegangen, aber ich bin geblieben. Ich habe zwar nur drei Jahre in Istanbul gelebt, aber bin noch oft dort. Istanbul ist mein Zufluchtsort. Meine Eltern haben dort auch eine Wohnung, in der ich mich sehr gern aufhalte.

Auf was freust du dich, wenn du von dort wieder nach Mainz zurückkommst?
Auf die Neustadt, auf das Nellys und meine Freunde. Hier ist ja meine Heimat, viel mehr als in Istanbul. Wenn ich in die Türkei fliege, fühle ich mich da auch zu Hause. Dort habe ich viele Verwandte und Freunde. Heimat ist da, wo die Liebsten sind.

Das Nelly‘s ist auch bekannt für Kunst und Musik. Wie lebst du deine Kreativität aus?
Ich bin gar nicht kreativ. Ich bin nicht mal musikalisch und kann auch kein Instrument spielen. Die Veranstaltungen werden immer an mich herangetragen. Ich bin offen für Ideen. Ein Gast kam zum Beispiel auf mich zu und meinte, dass die Anordnung der Tische im Nelly‘s perfekt für Speed Dating ist. Seitdem läuft das bei uns mit großem Erfolg.

Und was machst du, wenn du mal nicht arbeitest?
Ich arbeite zurzeit nur! Das Maximale, was ich schaffe, ist nachts mal ein Buch zu lesen. Ich hoffe, dass ich mehr Zeit habe, wenn das 7Grad eröffnet hat.

Welchen Traum willst du dir noch erfüllen?
Ich würde gerne mal in einem anderen Land leben. Am liebsten in einem kleinem Haus auf einem Berg. Hinter mir ist der Wald und ich gucke aus dem Fenster auf das Meer. Vielleicht in der Türkei. Das würde mich sehr glücklich machen.

Interview: Felix Monsees
Foto: Ramon Haindl

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