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2×5 Interview mit Alexandra Wester (USC Mainz)

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Interview: Monica Bege
Foto: Jana Kay

Beruf

Wo steht die Leichtathletik in deinem Leben?
Definitiv an erster Stelle, es geht nicht ohne. Angefangen habe ich mit sechs Jahren im TuS Saulheim, mit 14 Jahren wechselte ich für den Leistungssport zum USC Mainz. Wenn ich etwas erreichen möchte, richte ich auch mein Leben danach aus. Nicht zwanghaft, sondern freiwillig mit Herz und Spaß. Meine Trainingsmotivation hat sich früher auch immer auf die Schule übertragen. Es lief entweder in beidem gut oder schlecht. Für Bestleistungen brauche ich Lockerheit. Da ist mir Usain Bolt ein großes Vorbild. Auch schätze ich die amerikanische Sprinterin Allyson Felix wegen ihres zielstrebigen Ehrgeizes. Ich versuche, beide Eigenschaften zu kombinieren.

Was sind deine sportlichen Highlights? Ich liebe Weitsprung und Sprint, aber eigentlich bin ich Siebenkämpferin. 2009 wurde ich mit 15 Jahren Deutsche Meisterin. Nach sechs perfekten Disziplinen war an diesem Tag sogar ein neuer deutscher Rekord möglich. Alles hing an den abschließenden 800 Metern. Ich ging es viel zu schnell an, meine Trainer riefen: „Alex, du bist zu schnell“, ich verstand „Alex, schneller!“. Zweimal erhöhte ich mein Tempo. Das kann richtig schief gehen. Trotzdem lief ich 2:20 Minuten und hatte damit einen neuen deutschen Rekord aufgestellt. Im Mai 2011 platzte meine geplante Qualifikation für die U18 WM im französischen Lille wegen einer Verletzung.

War es eine schwere Verletzung? Ja. Hinter der letzten Hürde kam ich mit der Ferse auf der nassen Bahn auf, rutschte weg und stürzte so unglücklich, dass Kreuzband, Innenband und Außenminiskus rissen. Es war ein Schock. Es folgten noch zwei Operationen. Dass einige meine sportliche Laufbahn für beendet sahen, stärkte meine Motivaton, es dennoch zu schaffen. Zur realistischen Einschätzung meiner Lage recherchierte ich nach Siebenkämpfern mit ähnlichen Verletzungen, fand aber keine. Ich absolvierte viele Stabilisationsübungen, der erste Vollsprint war im April 2012 wieder möglich. Mein Sprungbein hatte ich auf rechts umgestellt. In 2013 konnte ich meine alte mit links gesprungene Weitsprungbestmarke um 10 Zentimeter auf 6,29 Meter verbessern. Ich war zurück, hatte gelernt zu kämpfen. Heute bin ich vorsichtiger geworden. Ich springe nicht mehr einfach mal so über einen hohen Busch.

Was sind deine Zukunftspläne? Sportlich gesehen freue ich mich auf den ersten Siebenkampf seit 2010. Wahrscheinlich wird es Ende Mai in Mainz sein. Letztes Jahr habe ich Abi gemacht und bis August läuft noch mein Bundesfreiwilligenjahr beim USC. Danach habe ich ein Sport-Stipendium an der University of Miami. Wenn es gut läuft, werden aus einem vielleicht vier Jahre. Danach nochmal auf die Sportuni in Köln. Sportjournalismus und Kommunikationswissenschaft reizen mich. Bei Hessen-TV hatte ich bereits ein paar Monate Moderationstraining. Ach, und dann habe ich noch die Lizenz zum Personal Trainer gemacht. Man weiß nie, was im Leben auf einen zukommt, alles ist ein grober Plan. Wichtig ist, dass mein Beruf mit Sport zu tun hat.

2024 – du schaust zurück auf… … meine Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio und 2020 in Tokio. Das ist das Grundziel von fast jedem Leistungssportler. Darauf trainiert man hin. Ich mache noch Leistungssport und habe einen Beruf, der mir Spaß macht.

Mensch

Schränkt der Sport dich ein? Nein. Ich trainiere täglich zwei Stunden, manchmal kommt nachmittags noch eine Einheit dazu. Als ich mal gejobbt habe, war ich abends echt fertig. Aber mit meinem Bundesfreiwilligenjahr beim USC bleibt mir noch genügend Energie und Zeit für meine Freunde. Termine außerhalb des Alltags muss ich schon mit meinem Wettkampfkalender abstimmen. Dieses Jahr wollen wir noch nach Amsterdam fahren oder in Südfrankreich campen. Klettern macht riesig Spaß und Bungeejumping würde ich gerne mal probieren. Ein wenig Adrenalin ist nicht schlecht. Ja, und ich koche gerne. Im letzten Trainingslager in Portugal gab es jeden Tag leckere afrikanische Gerichte.

Wer hat dich in Deinem Leben geprägt? Kati Barthel, meine erste Trainerin vom TuS Saulheim, ist mir eine sehr enge Vertraute. Sie hat mich während meiner Pubertät immer wieder auf den Sport fokussiert. Ich bin in Saulheim bei meinem Vater aufgewachsen. Er hat mir weder im Sport noch im Leben Druck gemacht. Aber zuerst war da mal mein Opa. Er hat mir und meiner älteren Schwester im Garten eine Weitsprunggrube gebaut und wir haben Tennisbälle in den Nussbaum geworfen. Seile hingen an einem großen Holzpfahl, wir nahmen sie, rannten und flogen dann im Kreis durch die Luft. Es war ein Riesenspaß. Jeden Tag ein kleiner Mehrkampf. Mein Opa hat damit einen guten Grundstein gelegt. Mit Zwölf sind wir öfters joggen gegangen und ich habe gemerkt, dass ich bei Wettkämpfen alles gewinne. Dann kamen die größeren Meiserschaften und ein zweiter oder dritter Platz spornte mich nur noch mehr an. Wie früher im Garten.

Was macht dich unzufrieden? Wenn ich einen Tag habe, der mich fertig macht. An dem das Training nicht gut läuft ist, weil ich meine Leistung nicht abrufen kann. Wenn ich dann noch Hunger habe, und mir nur schnell ein Müsli in die Schüssel kippe, macht mich das auch unzufrieden. Glücklich macht mich gutes Essen. Wochenend- Brunchen mit Freunden am großen Buffet. Ich habe keinen Ernährungsplan, das könnte ich, glaube ich, auch nicht. Der Körper sagt mir, was ich brauche. Ich bin am glücklichsten, wenn ich genau das essen kann, worauf ich Lust habe. Aber ich achte schon darauf, mich ausgewogen zu ernähren.

Kannst du dir einen unsportlichen Partner an deiner Seite vorstellen? Es ist schon besser, wenn er mit Herz beim Sport dabei ist, so wie ich. Langfristig für die Zukunft bringt das auch viel mehr. Man möchte die Zeit ja gemeinsam mit Dingen verbringen, die man auch selbst gerne macht. Würde er mich vom Training abhalten, würde es nicht lange gut gehen.

Wie sieht bei dir ein perfekter Tag aus? Erst einmal ausschlafen. Am Vormittag ein Sprint- und Sprungtraining. Ich fühle mich dabei fit und leicht, merke, dass ich in Bestform bin, neue Rekord anpeile. Dann unternehme ich was mit meinen Freunden. Weil ich nach dem Training richtig Heißhunger habe, gehen wir natürlich Brunchen und ich kann mich mit leckeren Ribs und Steaks vollessen. Es ist ein Sommertag – Sonne und Wärme sind für mich wichtig. Dann fahren wir an den Langener Waldsee, springen ins Wasser und grillen anschließend. Nochmal schöne Ribs (lacht).Gegen Abend machen wir ein Lagerfeuer an, unterhalten uns, machen Spiele und zelten vielleicht auch dort. Einfach zusammen abhängen. So ist es ein perfekter Sommertag.