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100 Jahre Bauhaus – Zahlreiche Events dazu in Mainz

Die Welt feiert 100 Jahre Bauhaus – und Rheinland-Pfalz feiert mit. Zahlreiche Events begleiten das Jubiläum – auch in Mainz.

Bauhaus, war das nicht in Weimar und Dessau? Man muss zwar etwas suchen, aber auch in Rheinland-Pfalz hat die wegweisende Architektur-, Kunst- und Designströmung ihre Spuren hinterlassen.

1919 wird in Weimar eine Kunstgewerbeschule eröffnet, ihr Gründer ist der Architekt Walter Gropius. Das Bauhaus wird so lange bestehen wie die Weimarer Republik: lediglich 14 Jahre, bis es sich unter dem Druck der Nationalsozialisten selbst auflöst.

Bauhaus, da denken viele an die weißen Flachbauten mit ihren klaren Linien und großen Fensterfronten. Aber auch viele Alltagsgegenstände – von Möbeln über Geschirr bis zu Lampen – entstanden ab den 1920er-Jahren unter dem Einfluss und verbanden so industrielle Fertigung und Design. Die zeit- und schnörkellose Ästhetik findet sich bis heute in Ikea-Tischen, Schreibtischlampen und Teekannen wieder. Kein Wunder, dass das Bauhaus oft einfach mit dem Begriff „Moderne“ gleichgesetzt wird.

Diese Dinge des täglichen Gebrauchs präsentiert das Landesmuseum in seiner aktuellen Bauhaus-Ausstellung und offenbart, dass Rheinland-Pfalz einst ein Zentrum der Möbelproduktion war. Die Firma Thonet, noch immer weltberühmt für ihren Stahlrohr-Freischwingerstuhl, kam ursprünglich aus Boppard. Heute gehören diese Stühle zum Einrichtungsstil der Besserverdienenden, eigentlich waren sie aber ganz im Gegenteil, genau wie die anderen Bauhausklassiker, als erschwingliche Massenware für jedermann gedacht.

Preisgekrönte Architektur in der pfälzischen Provinz
Weinliebhaber und Architekturfans gleichermaßen lockt das Weingut Kreutzenberger in Kindenheim im Landkreis Bad Dürkheim an. Das architektonisches Kleinod von 1929 erscheint im klassischen Bauhauslook: Das zweigeschossige Gebäude ist weiß verputzt, die Hauskante abgerundet und mit zwei parallelen geschwungenen Fensterfronten versehen, die viel Licht ins Innere fallen lassen. 2004 verpasste der Mainzer Architekt und Hochschulprofessor Heribert Hamann dem Weingut einen Neubau, der mit einem Architekturpreis ausgezeichnet wurde. Anlässlich des diesjährigen Jubiläums wurde das Gebäude zu einem von 100 herausragenden Bauhaus-Orten in Deutschland erklärt.

Aber auch ganze Wohnsiedlungen wie die Westendsiedlung in Ludwigshafen entstanden unter dem Bauhaus-Einfluss, um der herrschenden Wohnungsnot der 1920er-Jahre zu begegnen. Auch in anderen deutschen Städten wurden in dieser Zeit ähnliche Wohnviertel gebaut. Der sozialistische Grundgedanke der Weimarer Zeit lautete: bezahlbaren aber dennoch komfortablen und funktionalen Wohnraum für die anwachsende Arbeiterschicht zu schaffen – neues Wohnen für den neuen Menschen.

Jede der Wohnungen in dem schlichten rechtwinkligen Backsteinbau war mit eigenem Bad und WC ausgestattet – zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit. In einem Großteil der Wohnungen wurde die sogenannte Frankfurter Küche eingebaut, die als Urform der Einbauküche gilt.

In vielem steckt Bauhaus drin, auch wenn man es nicht auf den ersten Blick sieht. Ein Beispiel dafür ist die Mainzer Lutherkirche von 1949, die erste Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Mainz als sogenannte Notkirche gebaut wurde. So sollte sie Menschen in Not Zuflucht bieten – ihre schlichte Bauweise mit Holz und unverputzten Backsteintrümmern zeugt zugleich davon, dass sie aus der Not heraus entstanden ist. Ihr Erbauer Otto Bartning gilt als Begründer des modernen evangelischen Kirchenbaus und wirkte an der Seite von Walter Gropius und Weimar.

Ein Bauhäusler aus Mainz
Unter den Architekten um Walter Gropius befand sich auch ein waschechter Mainzer: Carl Fieger studierte an der Kunstgewerbeschule Mainz und wurde schnell in den Kreis der Dessauer Bauhäusler aufgenommen. Zahlreiche Bauhausgebäude in Dessau stammen aus der Feder des begnadeten Zeichners. Aber auch in seiner Heimatstadt hat er Spuren hinterlassen. So wurde er 1928 damit beauftragt, die neue Ortskrankenkasse zu entwerfen. Das Gebäude steht zwar noch in der Hinteren Bleiche und beherbergt nach wie vor die AOK, durch die Kriegszerstörung und den anschließenden typischen Wiederaufbau ist von dem ursprünglichen Entwurf aber nicht mehr sehr viel zu erkennen. Für die DDR entwarf Carl Fieger schließlich Anfang der Fünfzigerjahre den Prototyp des Plattenbaus.

Das Bauhausjahr neigt sich dem Ende zu, aber in Mainz ist noch einiges geboten zum Abschluss des Jubiläums: Das Gutenberg-Museum beleuchtet in einer Sonderausstellung eine weitere Facette der Bauhausidee: das Drucken und Werben. In den Druckerwerkstätten in Dessau und Weimar entstanden ikonische Prospekte und Plakate, die das Grafik- und Kommunikationsdesign revolutioniert haben und bis heute beeinflussen.

 

Weitere Bauhaus-Veranstaltungen:

Bauhaus – Form und Reform“, noch bis 19. Januar im Landesmuseum

ABC. Avantgarde – Bauhaus – Corporate Design“, noch bis 2. Februar im Gutenberg-Museum. Im Rahmen des Begleitprogramms findet am Samstag, 23. November, ein experimenteller Workshop zum analog-digitalen Buchdruck mit Buchdrucker Daniel Klotz und Druckkünstlerin Ulrike Koloska in der bauhaus.werkstatt des Gutenberg-Museums statt.

Vortrag und Lesung: Mutter, Muse und Frau Bauhaus | Die Frauen um Walter Gropius | Donnerstag,
28. November 2019, 18.30 Uhr im Zentrum Baukultur.

Am Samstag, 7. Dezember, veranstaltet das Gutenberg-Museum einen Workshop zur Sonderausstellung mit dem Thema „Papier-Collage und Typofoto am Bauhaus„.

2. bis  9.12. Auslobung Lebkuchen-Bau-Wettbewerb 10 – 18 Uhr, Zentrum Baukultur im Brückenturm, Rheinstraße 55. Es wird wieder um die Wette gebacken – diesmal unter dem Motto „Bauhaus“. Das klassische Lebkuchenhaus hat einen Spitzgiebel, einen rauchenden Schornstein und ist in der Regel reich verziert. Aber geht es auch anders? Wie sieht ein solches „Backhaus“ aus, dass sich die Devise der klassischen Architekturmoderne „Form follows Function“ zu eigen macht? Projekte können vom 2. bis 9. Dezember eingereicht werden; die Prämierung findet am 12. Dezember um 17 Uhr im Zentrum Baukultur statt.

https://www.zentrumbaukultur.de/veranstaltungen/aktuelle-veranstaltungen/artikel/article/save-the-date-lebkuchen-bau-wettbewerb-2019.html

Von Katja Marquardt

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