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Wie geht es weiter mit dem Gartenfeldplatzfest?

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von Carina Schmidt (Artikel aus der Allgemeinen Zeitung)

Bei einem entscheidenden Punkt sind sich Stadt und Veranstalter einig: Sie wollen das Neustadt-Event „Gartenfeldplatz – Platz für Kultur“ als Stadtteilfest erhalten. Ob und wie das möglich ist, obwohl das Schallschutzgutachten besagt, dass die dritte Auflage des Festes eindeutig zu laut war, darüber soll in den kommenden Tagen diskutiert werden. Dann werden sich Vertreter vom Grün- und Umweltamt und Neustadt-Ortsvorsteher Johannes Klomann (SPD) mit dem dreiköpfigen Veranstaltungsteam Moritz Eisenach, Nina Wansart und Alexandra Döring an einen Tisch setzen. Bei einem weiteren Treffen im neuen Jahr sollen auch die Anwohner mit ins Boot genommen werden.

Lage spitzt sich zu

Denn die Lage hat sich zugespitzt, nachdem vergangene Woche bekannt geworden war, dass Bürger eine Anwohnerinitiative gründen, die sich gegen die stetige Zunahme von Lärmbelästigung einsetzen möchte.

Als Hauptprobleme nannten die Initiatoren, Hermann Stauffer und Andrea Breuer, „nächtliche Ruhestörung“ durch Gruppen, die sich regelmäßig abends auf dem Platz treffen, und beschallte Veranstaltungen wie eben das Gartenfeldplatzfest.

„Dass die Anwohner sich gegen eine Dauerbelastung wehren, ist für uns absolut nachvollziehbar“, sagt Moritz Eisenach. „Das Fest deshalb zu verbieten aber nicht. Denn es hat sich nach der dritten Auflage als beliebtes Stadtteilfest etabliert und ist sogar über Mainz hinaus bekannt geworden.“

„Ohne verstärkte Musik ist unser Konzept nicht denkbar“

Eisenach hofft nun, die Veranstaltung durch die im März überarbeitete bundesweit gültige „Freizeitlärmrichtlinie“ retten zu können. Darin wird das Festival „Folklore“ in Wiesbaden als Beispiel für eine Veranstaltung mit hoher „sozialer Adäquanz und Akzeptanz“ genannt, was wiederum mit einer hohen Standortgebundenheit einhergeht. Kommunen können demnach einen Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen herstellen.

Ein entscheidender Vorteil bei dieser Regelung wäre nach Eisenachs Auffassung, dass die Geräuschspitzen die Werte von 90 dB(A) tags und 65 dB(A) nachts einhalten. Bei der Sondergenehmigung für das dritte Gartenfeldplatzfestes hatte die Stadt den Veranstaltern als Obergrenze 85 dB(A) und als Mittelwert 65 dB(A) vorgegeben. Damit der höhere Wert 90 dB(A) nicht überschritten werde, solle ein Schallpegelbegrenzer eingebaut werden – so Eisenachs Kompromissvorschlag. Er betont aber auch: „Ohne verstärkte Musik ist unser Konzept nicht denkbar.“

Eder besteht auf Abstrichen

Umweltdezernentin Eder macht jedoch deutlich: „Ohne Abstriche kann es das Fest leider nicht mehr geben.“ Elektronisch verstärkte Musik aus der Box sei definitiv zu viel. Ortsvorsteher Klomann bläst in das gleiche Horn. Das Problem sei die enge Bebauung, die den Effekt eines Lärmtrichters habe.

Im Ortsbeirat der Neustadt am Mittwoch schlug Joachim Schulte von der Anwohnerinitiative vor, dass das Gartenfeldplatzfest wandern könnte. Durch die Rotation würden die Anwohner der einzelnen Plätze in der Neustadt nicht jedes Jahr belastet werden. „Ob das Fest an einen anderen Standort wechseln soll, das ist die Gretchen-Frage“, meint Klomann. „Allerdings haben alle Alternativen bis auf den Goetheplatz das selbe Problem.“

Hausbesuche sollen Stimmungsbild ergeben

Siegfried Aubel (Linke) schlug außerdem vor, die Anzahl der Veranstaltungen auf maximal fünf zu limitieren, so wie es beim Goetheplatz der Fall sei.

Um die Anwohner mehr vor nächtlicher Ruhestörung zu schützen, habe ich das Ordnungsamt gebeten, insgesamt mehr Kontrollen durchzuführen“, berichtet Klomann. In den kommenden Wochen wolle er außerdem Hausbesuche durchführen und ein Stimmungsbild einfangen, wie massiv die Belastung tatsächlich empfunden werde.

Foto: hbz / Stefan Sämmer