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Rathaus Sanierung auf dem Weg – viele Mängel können jedoch nicht behoben werden

Artikel aus der Allgemeinen Zeitung von Michael Erfurth

Der Beschluss zur Sanierung des Mainzer Rathauses erfolge durch die Ampelkoalition nur mit gebremsten Schaum, meinte der CDU-Politiker Gerd Schreiner. Denn neben der Frage, ob die Sanierungskosten „von den derzeit angegebenen 65 Millionen Euro plus X“ nicht aus dem Ruder laufen werden, gebe es zwei weitere, nicht lösbare Probleme: Bei der Sanierung der denkmalgeschützten Fassade könnten die Vorgaben der Energieeinsparverordnung nicht eingehalten werden. Und bei Rheinhochwasser werde weiterhin Wasser ins Kellergeschoss eindringen, so der CDU-Politiker.

Die Argumente Schreiners änderten aber nichts an der Abstimmung. Mit den Stimmen der Vertreter von SPD, Grünen, FDP, Linken und ÖDP gab es eindeutige Mehrheiten bei der gemeinsamen Sitzung von drei Stadtratsausschüssen und des Ortsbeirates Altstadt: Die Sanierung soll umgesetzt werden.

Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) entgegnete dem CDU-Politiker, es sei zwar richtig, dass laut Gutachten von AGN Niederberghaus und Partner eine Dämmung hinter der zu erneuernden Natursteinfassade nicht gemäß dieser Verordnung möglich sei. Im Gebäude indes werde es viele Veränderungen geben, die zu einer Verbesserung der derzeit sehr schlechten Energiebilanz führen würden. Das reiche von der Klimatisierung der Räume bis hin zur Beleuchtung.

Bei Hochwasser wird der Keller feucht

Ebling betonte zudem, AGN empfehle, aus Kostengründen damit zu leben, dass bei starkem Hochwasser der Keller feucht werden könnte. „Jeder Hausbesitzer am Rheinufer kennt das.“ Eine Versiegelung käme sehr teuer. „Dann stellen wir halt nicht die allerwichtigsten Akten in den Keller“, sagte Ebling süffisant.

Der OB widersprach auch dem Vorwurf von CDU-Fraktionschef Hannsgeorg Schönig, die Verwaltung habe Alternativen nicht ordentlich geprüft. Die von der CDU vorgeschlagene Variante, die repräsentativen Räume ins Schloss zu verlegen und auf dem Areal des ehemaligen Allianzhauses an der Großen Bleiche ein Verwaltungsgebäude zu errichten, sei auch aus finanziellen Gründen nicht sinnvoll. Zudem käme laut AGN-Gutachten der Neubau eines Rathauses an einer anderen Stelle in der Innenstadt teurer als die Sanierung des Arne-Jacobsen-Baus. AZ-Informationen zufolge war ein Areal, das dafür in Frage gekommen wäre, das Eckgrundstück der demnächst an den Zollhafen ziehenden Landesbank im Bereich Große Bleiche/Flachsmarktstraße. Allein der Verkaufspreis für dieses Grundstück, auf dem nun Wohnungen entstehen sollen, hat mit knapp 70 Millionen Euro in der Größenordnung gelegen, die für die Rathaussanierung veranschlagt ist.

Politiker der Ampelkoalition, von ÖDP und Linken untermauerten ihre Zustimmung zur Verwaltungsvorlage, mit der jetzt Baurecht für die Sanierung geschaffen werden soll. „Es gibt keine Alternative“, sagte SPD-Fraktionschefin Alexandra Gill-Gehrs. In Zeiten niedriger Zinsen sei dies machbar. Außerdem könne die Stadt während der Bauphase das West-Immo-Gebäude an der Großen Bleiche als Ausweichstätte anmieten. Für die Mitarbeiter soll es moderne Büros geben, für die Bürger die Öffnung des Rathauses zum Rheinufer hin und die Begehbarkeit des Daches, so Gill-Gehrs.

„Rathaus ist eine Energieschleuder“

Sylvia Köbler-Gross (Grüne) verwies auf die im Ergänzungsantrag der Ampelkoalition geforderte und in der Sitzung auch beschlossene frühzeitige Beteiligung des Denkmalschutzes an den weiteren Planungen. Walter Koppius (FDP) betonte, seine Fraktion und die Partei stehe nach einigen Diskussionen zu dem Sanierungsbeschluss. „Das Filetstück Rathaus muss in der Hand der Stadt Mainz bleiben“, so Tupac Orellana (Linke). Und Dr. Claudius Moseler (ÖDP) sagte: „Das Rathaus ist derzeit eine Energieschleuder. Jährlich fallen dafür Kosten von 1,2 Millionen Euro an.“

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