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Rathaus Mainz zieht nicht ins Schloss

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Von Michael Erfurth aus der Allgemeinen Zeitung

Die Machbarkeitsstudie zur Zukunft des Kurfürstlichen Schlosses erteilt der CDU-Idee, das historische Gebäude in ein Rathaus zu verwandeln und dafür den denkmalgeschützten Arne-Jacobsen-Bau zu vermarkten, eine Absage. Es könnten nur 30 Prozent der erforderlichen Flächen und Funktionen des Rathauses im Schloss untergebracht werden.
Außerdem würde eine deutliche Veränderung der Gebäudestruktur zu Konflikten mit dem Denkmalschutz führen, heißt es in der Studie, an der unter der Federführung der städtischen Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) fünf externe Büros beteiligt waren. Das Fazit der Studie endet mit der Aussage: Eine Weiterverfolgung der Fragestellung „macht keinen Sinn“.

Kongresszentrum ausbauen

Da Kosten von rund 100 Millionen Euro für den Umbau des Schlosses verknüpft mit einem ergänzenden Verwaltungs-Neubau auf dem Grundstück des Allianzhauses an der Großen Bleiche anfallen würden, sei der CDU-Vorschlag nicht umsetzbar, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD). Zumal die von der CDU angedachte Umwandlung des Arne-Jacobsen-Baus in ein Hotel „keine Aussicht auf einen wirtschaftlichen Erfolg hat“, so die Studie.

Wenn aber eine Vermarktung als Hotel unrealistisch sei, drohe beim Auszug der Stadtverwaltung ein Leerstand, betonte Ebling. Der OB will daher den städtischen Gremien vorschlagen, die Sanierung des Rathauses auf den Weg zu bringen. Zudem sollte die Funktion des Schlosses nach dem Auszug des Römisch-Germanischen Zentralmuseums durch einen Umbau als Tagungs- und Kongressstätte gestärkt werden.

Die Kosten für die Sanierung des Rathauses sollten auf 45 bis 50 Millionen Euro begrenzt werden, sagte Ebling. Der Gedanke, bei der Rathaussanierung ein „enges finanzielles Korsett“ vorzusehen, sei mit Finanzdezernent Günter Beck (Grüne) und dem Stadtvorstand abgesprochen. „Wir brauchen ein dichtes Dach, trockene Räume, neue Fenster sowie eine bessere Lüftung und Technik“, so der OB. „Liegen wir dabei unter 50 Millionen Euro, könnten wir weitere Ideen verwirklichen.“ Den Ideenwettbewerb zur Rathaus-Neugestaltung sieht Ebling im Nachhinein als Fehler an. „Damit haben wir Begehrlichkeiten geweckt, die wir nicht erfüllen können.“

Sanierungsbeginn in zweieinhalb Jahren?

Die Verwaltung werde dem Stadtrat vorschlagen, ein Vergabeverfahren für die Rathaussanierung unter der Vorgabe dieses Finanzdeckels auf den Weg zu bringen. Dieser Finanzrahmen sei für die Stadt darstellbar, betonte Bürgermeister Beck. Nach einem Ratsbeschluss könnte das Vergabeverfahren starten. Ein Baubeginn wäre dann in zweieinhalb Jahren denkbar, sagte der Rathausbeauftragte Ferdinand Graffé.

„Je mehr wir beim Rathaus einsparen können, desto mehr Spielraum ermöglichen wir der öffentlichen Hand bei der in rund zwei Jahren anstehenden Sanierung unserer ,Gut Stubb´, des Kurfürstlichen Schlosses“, sagte Ebling. Hier bestehe ein riesiger Handlungsbedarf. In den vergangenen drei Jahren mussten allein 800.000 Euro in Sofortmaßnahmen für den Brandschutz gesteckt werden, berichtete Baudezernentin Marianne Grosse (SPD). Äußeres Zeugnis davon ist ein hässlicher, provisorischer Metalltreppenturm an der Außenfassade an der Diether-von-Isenburg-Straße.

Laut Studie könnten durch eine Umnutzung des Rheinflügels die Veranstaltungsflächen im Tagungszentrum Schloss von 2450 auf 4350 Quadratmeter erhöht werden. Statt sechs Veranstaltungssäle stünden dann elf plus sieben „Meeting-Räume“ zur Verfügung. Wirtschaftsdezernent Christopher Sitte (FDP) sieht damit eine große Chance, den Kongressstandort Mainz im Zusammenspiel mit der Rheingoldhalle weiterzuentwickeln. Zudem könnte das Standesamt ins Schloss einziehen.

Diverse Einnahme-Möglichkeiten

Die Kosten für die Sanierung und den Umbau des Schlosses beziffert die Studie auf etwa 55 Millionen Euro netto. Die Finanzierung könnte auf vier Säulen stehen, so der OB: Einnahmen durch den Bau eines Hotels neben dem Schloss, zusätzliche Pachterlöse durch neue Kongresssäle, Investitionen der öffentlichen Hand, wobei sich auch das Land aufgrund der Nähe des Regierungssitzes beteiligen sollte, sowie Denkmalschutz-Mittel.

Die Fraktionsspitzen der Ampel-Koalition Eckart Lensch (SPD), Sylvia Köbler Gross (Grüne) und Walter Koppius (FDP) haben bereits ihre Zustimmung zum Konzept des Stadtvorstandes signalisiert.
CDU widerspricht

Der CDU-Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner indes verweist auf Passagen in der Studie, die die Position seiner Partei unterstützen. So sei davon die Rede, dass sich der Standort des Rathauses gut für ein Hotel eignen würde. Er sehe die Argumentationen der CDU nicht widerlegt. Die Studie und die beiliegende Potenzialanalyse umfassen über 400 Seiten, die von der CDU jetzt ausgewertet würden.