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Nationales Sendezentrum in Mainz? ARD und ZDF suchen gemeinsamen Standort

Aus der Allgemeinen Zeitung von Mario Thurnes

ARD und ZDF müssen sparen. Das haben die jeweiligen Fernsehräte den Sendern als Hausaufgaben aufgegeben. Einer der geplanten Sparschritte ist ein nationales Sendezentrum. Aus diesem könnten Großereignisse wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele aus dem Ausland übertragen werden. Als möglichen Standort hat ZDF-Intendant Thomas Bellut nun Mainz ins Gespräch gebracht – auch aus Eigennutz.

Derzeit gibt es bereits ein nationales Sendezentrum. Es befindet sich in Baden-Baden. Von dort aus übertragen ARD und ZDF die Fußball-Weltmeisterschaft aus Russland. Durch die Zusammenarbeit können die beiden Sender nach eigenen Angaben jeweils Millionenbeträge sparen. Bezahlbare Preise für die Bildübertragung über Glasfaserkabel machen dies technisch möglich.

Das Zentrum in Baden-Baden ist über 45 Bildleitungen mit Russland verbunden. Die Hauptleitung hat eine Leistung von zehn Gigabit pro Sekunde. Bricht diese zusammen, steht eine zweite Leitung mit der gleichen Leistungsstärke zur Verfügung.

Noch ist das Zentrum in Baden-Baden provisorisch. Doch ZDF-Intendant Thomas Bellut wünscht sich einen festen Standort: „Das ständige Wandern ist wirtschaftlich nicht wünschenswert.“ Die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender verhandelten auch schon miteinander. Ein Ergebnis werde in einigen Monaten erwartet.

Schlanke Strukturen dank Sendezentrum

Als fester Standort im Gespräch ist dann tatsächlich unter anderem auch Baden-Baden. Doch Bellut sagt, er habe Mainz ins Spiel gebracht. Da das ZDF bei solchen Großveranstaltungen ohnehin etwa die Hälfte der Mitarbeiter im Einsatz stelle, würden für diese dann entsprechend die Fahrtkosten wegfallen. „Und das ist einer der größten Posten“, sagt Bellut. Wie groß das nationale Sendezentrum werden soll, darüber kann oder will das ZDF noch nichts sagen. Das Gleiche gilt für mögliche Kosten – beziehungsweise für den möglichen Spareffekt. Die Übertragung aus Russland zeige aber, so Bellut, dass ein gemeinsames Zentrum mit der ARD ein gutes Konzept sei, das vor Ort schlanke Strukturen ermögliche.

Früher sei es immer notwendig gewesen, mit einem großen Team an die jeweiligen Austragungsorte zu fahren. In Russland seien die öffentlich-rechtlichen Sender nun nur mit wenigen Leuten vertreten. Diese schlankeren Strukturen senkten entsprechend die Kosten. Ein festes nationales Sendezentrum böte auch die Möglichkeit, die aufwendige Technik fest zu installieren. In Baden-Baden ist derzeit ein Kernstück des Studios eine leistungsstarke LED-Wand. Auf die 10,80 lange und 2,70 Meter hohe Fläche können 1.620 Zeilen zu jeweils 6.480 Pixeln projiziert werden. Damit ist sogar eine Übertragung im Format UHD möglich – das ist viermal mehr als normaler HD-Standard.

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Reaktionen von der Stadt Mainz:

Oberbürgermeister Michael Ebling begrüßt die Pläne des ZDF-Intendanten Thomas Bellut ein nationales Sendezentrum in der Landeshauptstadt Mainz zu errichten von dem aus ARD und ZDF gemeinsam Großereignisse wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele übertragen: „Ich würde es sehr begrüßen, wenn die beiden großen öffentlich-rechtlichen Sender ein festes nationales Sendezentrum in der Landeshauptstadt Mainz errichten und biete den beiden Rundfunkanstalten die Unterstützung bei den Planungen und der Realisierung an.

Die Landeshauptstadt bietet für ein solches Sendezentrum die besten Rahmenbedingungen, nicht zuletzt aufgrund seiner zentralen Lage in der Metropol- und Wirtschaftsregion Rhein-Main. Mainz kann sich zu den Top Ten der deutschen Medienstädte zählen. Für die Stadt Mainz ist die Medienwirtschaft eine der bedeutendsten Branche. Rund 630 Medienunternehmen haben in Mainz und Umgebung ihren Firmensitz. Mit dem Sitz von ZDF, SWR und 3SAT ist Mainz ein Zentrum der Rundfunkwirtschaft. Hinzu kommen renommierte Verlage wie die Verlagsgruppe Rhein-Main. Dank der Schwerpunkte für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Hochschule Mainz und der Johannes Gutenberg-Universität stehen der örtlichen Medienbranche auch zukünftig eine große Zahl gut qualifizierter Nachwuchskräfte zur Verfügung. Mit dem Bau des Medienhauses an der Johannes-Gutenberg-Universität bekommen die vielfältigen Aktivitäten auch bald ein neues hochmodernes Zentrum.

Ein nationales Sendezentrum in Mainz wäre sowohl für ARD und ZDF, als auch für die Stadt Mainz ein großer Gewinn. Die beiden Sender würden von den guten Rahmenbedingungen profitieren die wir zu bieten haben und wir würden als Medienstadt national, wie auch international weiter gestärkt.“

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